Investieren in Edelbäume

Gefragtes Holz

Holz als Geldanlage gilt unter Anlegern fast noch als Geheimtipp. Dabei übersteigt die Nachfrage nach Harthölzern das Angebot bei Weitem. Teakbäume und Robinien dienen aber nicht nur als Holzlieferanten. Sie reinigen auch die Luft und erlauben den Handel mit CO2-Zertifikaten. Private Anleger mit Mut zum Risiko können sich über Aktien, Sparbücher und direkte Beteiligungen engagieren.

Die Abergläubigen unter uns wissen Bescheid: Auf Holz klopfen bringt Glück! Sie hoffen, dass diese kleine Zwangshandlung tatsächlich die Geschicke positiv beeinflusst, denn der Glaube kann Berge versetzen. Nüchtern denkende Anleger aber setzen auf Bäume, weil sie mit einer ordentlichen Rendite rechnen. Einige von ihnen haben entdeckt, wie lukrativ der Handel mit Holz sein kann. Zu ihnen gehören amerikanische Versicherungen und Pensionsfonds. Sie investieren die Beiträge ihrer Kunden in den nachwachsenden Rohstoff, weil die Rendite sie überzeugt. In Deutschland stehen Anlagen in Bäume oder Wälder bislang nur bei wenigen auf dem Programm. Die Assekuranzunternehmen dürfen erst seit kurzem in Rohstoffe investieren. Vielleicht werden auch sie sich überzeugen lassen.

Dieser Renner schlägt Wurzeln

Unter den privaten Anlegern stecken Amerikaner, Schweizer und zunehmend auch Deutsche ihr Geld in Aufforstungen brach liegender Landstriche in Afrika oder setzen auf Plantagen für Teakholz in Panama. Doch warum in die Ferne schweifen? Schließlich wachsen hier ebenfalls viele Bäume, Deutschland verfügt über größere Waldflächen als Schweden. Doch leider kommt der heimische Forst für Investitionen von Privatleuten kaum in Frage. Einen waldwirtschaftlichen Mittelstand gibt es in Deutschland nicht. Die Wälder befinden sich entweder in öffentlichen Händen oder aber gehören seit Jahrhunderten zum Vermögen diverser Adelsgeschlechter. Und wer sich als Einzelkämpfer einen Privatwald zulegen will, sollte dies als Hobby betrachten; die Kosten sind einfach zu hoch. Deshalb fließt das Geld in süd- und mittelamerikanische Länder, wie Brasilien oder Panama, und zunehmend auch nach Uganda oder in den Kongo.

Die Gründe für die Auslandsengagements beschränken sich aber nicht nur auf den Mangel an Gelegenheiten hierzulande. Vielmehr sorgen in den südlichen Gefilden die klimatischen Bedingungen für ein sehr viel schnelleres Wachstum der Bäume. Braucht ein Mischwald in Mitteleuropa zirka 70 bis 80 Jahre, um zu wachsen, reichen in den Tropen 15 Jahre, bei Qualitätsholz dauert es noch einmal so lange. Eine deutsche Eiche wächst über mehrere Generationen: 150 bis 200 Jahre. Für Teakholz hingegen reichen 20 bis 25 Jahre. Hinzu kommen noch so angenehme Faktoren wie der sehr viel günstigere Bodenpreis und die niedrigeren Lohnkosten.

Zunutze macht sich diese Vorteile die kleine Schweizer Aktiengesellschaft Precious Woods. Unter diesem Namen vereinigt die Holding fünf Tochtergesellschaften mit Sitz in Brasilien, Costa Rica, Nicaragua, den Niederlanden und der Schweiz. Allein im brasilianischen Regenwald bewirtschaftet das Unternehmen 534 000 Hektar tropischen Regenwald. Kahlschlag und Brandrodung werden auf diese Weise verhindert. Reine Schutzmaßnahmen sind natürlich nicht das einzige Argument für das Engagement der gewinnorientierten Schweizer in Südamerika. Sie verkaufen die tropischen Hölzer und forsten auf. 35 Baumarten stehen auf der Liste der Firma, den größten Anteil hat Teakholz. Der gesamte Waldbestand ist FSC-zertifiziert (Forest Stewardship Council). Das heißt, der Wald wird nach nachhaltigen und ökologischen Regeln bewirtschaftet. Das Siegel gilt nicht nur für das Holz aus einem zertifizierten Forst, sondern auch für die Produkte, die daraus entstehen. Der Umweltverband World Wide Funds (WWF) empfiehlt: "Wer sich mit gutem Gewissen gemütlich auf seiner Sommerliege oder der Gartenbank ausstrecken will, sollte beim Kauf eines Möbelstücks auf das FSC-Siegel achten." Die ausgezeichneten Waldbestände werden jedes Jahr von einem Gutachter auf die Einhaltung der Kriterien überprüft.

Allerdings kann es auch zu unvorhersehbaren Einbrüchen bei den Gewinnen von Precious Woods kommen, wenn sich - wie im letzten Jahr - aufgrund von Verwaltungsschwierigkeiten die Ernte verzögert, die Energiepreise steigen oder die Währungsbedingungen ungünstig sind. Inzwischen zeigt die Tendenz wieder nach oben. Mit der Akquisition in Holland hat sich Precious Woods ein eigenes Handelshaus für Holz zugelegt, das in diesem Jahr in den Konzern integriert werden soll.

Der Abgasbrief

Neben der Anpflanzung und dem Verkauf von Edelhölzern zielen die Eidgenossen noch auf eine weitere zukunftsträchtige Einnahmequelle. Sie wollen den Handel mit CO2-Zertifikaten ausweiten. Er bietet sich als lukrative Ergänzung an. Denn mit Hilfe der Fotosynthese wandeln Bäume giftiges Kohlendioxyd in Sauerstoff um und produzieren mehr gute Luft als sie verbrauchen. Die Schadstoffproduzenten der Industrie, allen Autofahrern, einfach jedem öffnet das Angebot die Möglichkeit, sich ein reines Gewissen zu kaufen. Geregelt wird dieser Austausch im Kyoto-Protokoll. Danach muss die EU bis 2012 den CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 8 Prozent reduzieren, Deutschland um 21 Prozent. Jeder Verursacher, vor allem Industriebetriebe, hat eine bestimmte Quote CO2, die er jährlich ausstoßen darf. Reicht das nicht, kann er sich bei denen, die ihre Quote nicht ausschöpfen, Zertifikate kaufen. Oder er kauft sie von Unternehmen, die gute Luft produzieren. Der Handel in der EU wird ab 2008 offiziell über Börsen laufen. Jetzt geschieht der An- und Verkauf bereits auf außerbörslichem Terrain. Für Precious Woods hat er im ersten Halbjahr 2006 einen höheren Gewinn als der Holzhandel eingebracht. Die Preise für die reine Luft schwanken derzeit noch sehr stark. Im April gab es innerhalb von wenigen Tagen einen Absturz von 31 auf 9 Euro. Inzwischen hat er sich wieder zwischen 12 und 20 Euro eingependelt. Doch die Klimaerwärmung mit all ihren schrecklichen Folgen wird weiterhin für eine steigende Nachfrage sorgen und den Gewinn für Precious Woods steigern.

Zurzeit verdient die Firma ihr Geld vor allem mit dem brasilianischen Urwald. Das Unternehmen verkauft das verarbeitete Holz als Furnier, Schnitt- und Rundholz und vorgefertigte Teile wie Schubkarrengriffe. Eine Beteiligung im Kongo ist derzeit auf Eis gelegt. Grund dafür sind politische Schwierigkeiten. Die Anleger sehen von den Verdiensten leider noch nichts. Eine Dividende hat der Präsident von Precious Woods, Andres Gut, erst für 2008 angekündigt. Da müssen sich auch die Großaktionäre, wie die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich oder die Pensionskasse II von Hoffmann La Roche, gedulden. Gehandelt wird die Aktie an der Zürcher Börse. Vor kurzem wurde sie auf die Liste der 20 weltbesten Nachhaltigkeitsaktien gesetzt. Die Auszeichnung gab es vor allem für das Engagement im Amazonas-Gebiet.

Mit auf der Liste stehen Unternehmen wie die deutsche Conenergy, Novartis/Schweiz oder Sunpower/USA.

Der Natur näher als eine Aktie bringt den risikofreudigen Sparer eine direkte Beteiligung an einem Waldstück. Einer der Anbieter in Deutschland ist die Bonner Forest Finance - eine Vertriebstochter des deutsch-panamesischen Forstdienstleisters Futuro Forestal. Unter deren Regie sind in Panama Mischwälder nach deutschem Vorbild entstanden. Sie tragen alle das Gütesiegel FSC, weil sie der heimischen Tier- und Pflanzenwelt Schutz bieten und gleichzeitig zur Klimaverbesserung beitragen. Private Anleger können sich in verschiedenen Varianten an den mittelamerikanischen Wäldern beteiligen.

Baumsparvertrag

Für kleinere Beträge oder auch als Geschenk eignet sich der Baumsparvertrag. Für 30 Euro monatlich erwirbt der Sparer je einen Baum und gleichzeitig das Recht auf die Erlöse daraus. Wer einen Jahresvertrag abschließt, bekommt das Dutzend Bäume für 330 Euro. Die Laufzeit beträgt 25 Jahre.

Waldsparbuch

Ab November dieses Jahres wird Forest Finance ein Waldsparbuch anbieten. Dafür zahlt der Anleger eine einmalige Summe von 4 000 Euro. Die Laufzeit beträgt 12 bis 15 Jahre und die ersten Erträge fließen frühestens nach 16 bis 18 Monaten. Harry Assenmacher, Geschäftsführer von Forest Finance, rechnet mit einer Rendite von 5 Prozent über die gesamte Laufzeit.

Wood-Stock-Invest

Wer gerne Grundbesitzer werden möchte, bekommt direkt bei Futuro Forestal in Panama für 24 000 Euro einen Hektar Wald inklusive Eintragung ins Grundbuch. Die Firma verpflichtet sich, die Bewirtschaftung nach FSC-Regeln zu übernehmen. Kranke Bäume werden ersetzt. Mit den ersten Erträgen aus der Durchforstung, die laut Prospekt bei rund 4 000 Dollar liegen, ist nach zirka 10 Jahren zu rechnen. Nach 15 Jahren erfolgt die zweite Durchforstung. Dann zahlt Futuro Forestal zirka 1 500 Dollar aus Samenverkäufen. Die prognostizierte Rendite liegt bei 6 bis 11 Prozent. Sie wird erst nach der gesamten Laufzeit von 25 Jahren erreicht. Der Besitz bleibt erhalten und kann als Erbe an die nächste Generation weitergereicht werden.

Für kleinere Geldbörsen bietet Futuro Forestal auch einen halben (à 12 000 Euro) oder einen Viertel Hektar (à 6 000 Euro) an. Die Investition in Holz birgt naturgemäß beträchtliche Risiken: Feuer, Sturm, Krankheiten oder Dürren können ganze Wälder in kürzester Zeit vernichten. In gewissen Grenzen können die Forstwirtschafter sich dagegen mit einer Versicherung schützen. Garantien gibt es nicht. Gerät das Unternehmen selbst in Schwierigkeiten, gilt für die Baumsparverträge deutsches Recht, weil die Sparer die Grundstücke, auf denen ihre Bäume wachsen, von Forest Finance gepachtet haben. Bei Wood-Stock-Invest ist der Käufer eingetragener Eigentümer des Grundstücks. Meldet Futuro Forestal als Dienstleister Insolvenz an, muss der Eigentümer sich einen neuen Förster suchen. Keinen Schutz gibt es gegen politische Schwierigkeiten. Der Investor kann nur schwer nachprüfen, was mit seinem Geld wirklich passiert. Wer will kann sich aber vor Ort informieren. Eine Karte, auf der die eigene Parzelle gekennzeichnet ist, stellt Futuro Forestal zur Verfügung.

Inzwischen haben sich rund 300 Waldbesitzer gefunden, die zwischen einem und zehn Hektar Wald ihr eigen nennen. Forest-Finance-Geschäftsführer Harry Assenmacher berichtet sogar von Einzelkäufen über 1 300 und 10 000 Hektar Land, das zur Aufforstung freigegeben wurde.

Neben der Rendite aus der Holzwirtschaft setzen die Manager auch auf den Handel mit CO2-Zertifikaten. Schon jetzt gibt es Verträge mit verschiedenen Unternehmen, zum Beispiel der Leasing-Gesellschaft Lease-Plan und einer deutschen Versicherung. Sie wollen, dass ihre Autos umweltneutral fahren und zahlen dafür eine Abgabe an Forest Finance, die mit diesem Geld Bäume kauft, die die Luft rein halten. Ein weiteres Abkommen ist mit einem großen Internet-Ticket-Händler geplant. Kunden, die sich bei ihm Karten kaufen, können für 30 Cent pro Ticket zusätzlich dafür sorgen, dass ihnen die Karten umweltfreundlich zugeschickt werden. Die Bonner pflanzen für den zusätzlichen Obolus Bäume, die für reine Luft sorgen. Neben dem Rendite-Aspekt zählt bei diesem Engagement vor allem der Umweltgedanke. Die Risiken lassen sich leichter tragen, wenn die Gelder einem guten Zweck dienen.

Mehr Mut zum Risiko erfordert eine Investition in die Global Wood AG im Münstertal/ Schwarzwald. Die von dem ehemaligen Europa-Abgeordneten Dr. Manfred Vohrer gegründete Firma setzt voll auf den Handel mit CO2-Zertifkaten. Die gute Luft holt er sich aus den Aufforstungen in Uganda, Argentinien und Paraguay. Auf die Qualität der angepflanzten Bäume legt er nicht so großen Wert. Er bevorzugt schnell wachsende Baumarten wie Kiefer und Eukalyptus, dessen ätherische Öle andere Pflanzen verdrängen. Eukalyptus braucht sehr viel Wasser, um zu wachsen - in den heißen Ländern eine permanente Mangelware. Der Handel mit den Emissionsrechten in der EU wird ab 2008 richtig ans Laufen kommen. Global Woods rechnet damit, dass sich vor allem deutsche Industrieunternehmen für sein Produkt interessieren. Für Anleger, die von der Idee begeistert sind, gibt es ein Tropenbaumsparbuch. Für je 10 Euro pflanzt das Unternehmen einen Baum, an dessen Ertrag der Investor mit bis zu 50 Euro beteiligt wird. Wer Summen ab 2 000 Euro investieren will, muss sich bis nächstes Jahr gedulden. Dann will Vohrer seinen umstrukturierten Waldfonds wieder zur Beteiligung anbieten.

Als "sichere Baum-Nummer" pries das Internet-Magazin Ecoreporter noch vor zwei Jahren die schweizerische Prime Forestry AG an. Bei ihr konnten Anleger FSC-zertifizierte Baumbestände kaufen. Trotz guter Absichten geriet das Unternehmen in die Schieflage. Zwar behalten die Sparer ihre Bäume. Doch für ihre Bewirtschaftung müssen sie eine neue Firma finden. Mitte August ließ Ecoreporter verlauten, für die Plantagen in Panama werde es vielleicht eine Rettung geben. Insgesamt bietet eine Anlage in Holz gute Chancen auf interessante Renditen. Allerdings ohne eine genaue Prüfung der Bedingungen, viel Geduld und den Glauben an die gute Sache und die Managementqualitäten des jeweiligen Unternehmens garantiert nicht einmal dreimaliges Klopfen auf teures Teak einen Erfolg.

Marlene Endruweit

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