Der schnelle Zahnarzt von der Havel
„Sport war mir schon immer wichtig“, sagt Lewerenz. Als Kind kickte der heute 68-Jährige im Verein und nahm als Crossläufer an Kinder- und Jugendspartakiaden teil. Wettkämpfe motivierten ihn, sagt der gebürtige Mecklenburger: „Ein Ziel vor Augen erleichtert das Training.“
Lewerenz läuft gerne Halbmarathons und nimmt auf dieser Distanz mehrmals im Jahr an Wettbewerben wie dem Tangermünder Elbdeichmarathon teil. Erst kürzlich startete er wieder beim Halbmarathon in Berlin. Er tritt auch regelmäßig auf kürzeren Strecken von zehn bis zwölf Kilometern an, unter anderem beim Elbe-Ohre-Cup oder dem Prignitzcup in Brandenburg.
Der Zahnarzt probiert aber auch gerne neue Wettkämpfe aus. Die „World Medical and Health Games“ (Medigames) standen schon länger auf seiner Liste. Bei diesem jährlich an wechselnden Orten stattfindenden Event können medizinische Fachkräfte aus aller Welt in aktuell 22 Sportarten starten.
„Die ultimative Belohnung für das viele Training“
2024 nahm Lewerenz erstmals daran teil und war so begeistert, dass er auch zu den Medigames 2025 in Lloret de Mar anreiste – als einer von 1.500 Athletinnen und Athleten aus über 40 Ländern. Sich bei Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachgebieten und Nationen auszutauschen, empfindet Lewerenz als große Bereicherung. Überhaupt genießt er die positive und teils euphorische Stimmung der Medigames.
Die Wettkämpfe in Lloret de Mar bescherten dem Hobby-Athleten dann noch fünf weitere Gründe zur Freude: Er gewann in seiner Altersklasse über die 800, 1.500, 3.000 und 5.000 Meter Gold. Im Crosslauf holte er außerdem Silber. „Dass ich nur Gewinne einfahre, hatte ich nicht erwartet. Für mich war das die ultimative Belohnung für das viele Training“, so Lewerenz.
Bei den diesjährigen Medigames im Juni in Kroatien würde er diesen Erfolg gerne wiederholen – und ausbauen. Zusätzlich zu den Langstrecken hat er sich für die Rennen über 100, 200 und 400 Meter angemeldet. „Beim Weit- und Hochsprung sowie beim Kugelstoßen mache ich auch noch mit. Damit gehöre ich dann zu den Fünfkämpfern“, fügt er hinzu. Seine Motivation für die zusätzlichen Starts: Langeweile vermeiden. „Zwischen den Wettkämpfen muss man sich die Zeit im Stadion vertreiben. Und bevor ich nur rumsitze, mache ich lieber mit.“
Lewerenz’ sportlicher Ehrgeiz flachte einzig in den 1990er-Jahren vorübergehend ab. „Damals waren meine Söhne noch klein und ich hatte gerade die Praxis gegründet. Fürs Laufen fehlten Zeit und Energie“, erzählt der zweifache Vater und Großvater.
Auf seiner Trainingsstrecke trifft er oft Patienten
Nach der Wende war für ihn schnell klar, dass er sich in eigener Praxis niederlassen möchte. „Ich hatte kein Interesse an der Arbeit in einer Poliklinik und die Aufbruchstimmung nach 1989 hat mich in meinen Plänen bestärkt“, erinnert sich Lewerenz, der in Sachsen-Anhalt zu den ersten 100 niedergelassenen Zahnärzten gehörte. In Schollene, das er nach dem Studium in Rostock und der Fachzahnarztprüfung für Allgemeine Stomatologie 1989 kennenlernte, baute er sich Anfang der 1990er-Jahre ein Haus mit angeschlossener Praxis. Als Niedergelassener startete er, zunächst in anderen Räumlichkeiten, am 1. Januar 1991.
Bis heute ist er der einzige Zahnarzt in der rund 1.400 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Gemeinde – wo alle sein Hobby kennen. Auf seiner bevorzugten Trainingsstrecke, dem Havelradweg, begegnet er häufiger mal Patienten. Bei Terminen biete das Laufen dann immer guten Gesprächsstoff, erzählt er: „Mir haben schon viele Patientinnen und Patienten erzählt, dass sie in der Zeitung nachschauen, ob sie mich bei den Laufwettbewerben in der Region entdecken.“
Ich gehe zum Trainieren immer raus, bei Wind und Wetter. So bekomme ich beim Laufen am besten den Kopf frei.
Dr. Norbert Lewerenz, Zahnarzt und Hobby-Langläufer
Wie lange er noch praktizieren will? „Gute Frage! Die stellen mir die Menschen aus Schollene zwei- bis dreimal die Woche“, sagt Lewerenz. „Ich habe mich noch nicht entschieden, aber bis zu meinem 70. nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall weitermachen.“
Der Landzahnarzt, der seit Jahren die Kreisstelle der Landeszahnärztekammer in Havelberg leitet, fühlt sich dabei vor allen Dingen den Menschen aus Schollene und Umgebung verpflichtet. Eine Nachfolge für seine Praxis sei leider nicht in Sicht. Immerhin: „Durch den Sport fühle ich mich so fit, dass die Verlängerung keine körperliche Belastung für mich bedeutet. Ich benötige noch keine Medikamente und habe einen Ruhepuls von deutlich unter 60 Schlägen.“
Dazu trägt sein diszipliniertes Training bei, zu dem KI-unterstützte Laufpläne, eine gesunde Ernährung und regelmäßiges Krafttraining gehören. Der Zahnarzt läuft an drei Tagen pro Woche, vor Wettkämpfen sogar an fünf Tagen – bei Wind und Wetter, wie er betont: „Viele sind im Winter auf dem Laufband, darauf habe ich keine Lust. Ich gehe immer raus. So bekomme ich beim Laufen am besten den Kopf frei.“ Nur im Notfall, wenn es die Witterung wegen Glätte nicht zulässt, steigt er aufs Ergometer.
Sein Ruhepuls hat deutlich unter 60 Schläge
Das Laufen halte nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit. Das sei seine größte Motivation, verrät Lewerenz. Und, schiebt er nach, das unschlagbare Glücksgefühl am Ende eines Rennens: „Nach einem anstrengenden Wettkampf über die Ziellinie zu laufen – das erhebende Gefühl, es wieder geschafft zu haben, ist unbeschreiblich und mit kaum etwas zu vergleichen.“









