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Martin Hendges mit einem Update zum „Aktionsplan 2025 bis 2030“ der KZBV

„Es ist gelungen, eine sachorientierte Debatte anzustoßen“

Im vergangenen Oktober stellte die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) den „Aktionsplan 2025 bis 2030 für eine wohnortnahe und flächendeckende vertragszahnärztliche Versorgung“ vor. Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstands der KZBV, berichtet, welches Echo die Vorschläge in der Politik hervorgerufen haben.

Herr Hendges, warum war es aus Sicht der KZBV notwendig, den Aktionsplan zu entwickeln?

Martin Hendges: Wir als KZBV – zusammen mit den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen in den Ländern – nehmen unseren Sicherstellungsauftrag sehr ernst, wir stehen zu unserer gemeinsamen Verantwortung. Wir haben den Anspruch und sind grundsätzlich dazu in der Lage, auch künftig eine flächendeckende, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Gleichzeitig stellt unter anderem der demografische Wandel unser Gesundheitssystem insgesamt – und damit auch den zahnärztlichen Versorgungsbereich – vor eine vielschichtige Bewährungsprobe. Die Frage, wie im Rahmen der gesellschaftlichen Umbrüche die ambulanten Strukturen in unserem Land erhalten und gefördert werden können, ist dabei von zentraler Bedeutung und nimmt ja auch einen zentralen Platz auf der gesundheitspolitischen Agenda ein. Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD unterstreicht die Bedeutung des Themas. Auch bei der Gesundheitsministerkonferenz, in diesem Jahr unter der Leitung Niedersachsens, wird das Thema auf der Agenda stehen.

Mit dem Aktionsplan Sicherstellung wollen wir für unseren vertragszahnärztlichen Versorgungsbereich die Faktenlage klären und ein Fundament für eine sachorientierte Debatte legen: Wie stellt sich die Versorgung im zahnärztlichen Bereich heute tatsächlich dar? Wie wird sie sich entwickeln? Welche politischen Rahmenbedingungen sind notwendig? Auf diese Fragen geben wir auch mit der Prognose auf 2030 Antwort und unterbreiten Vorschläge, wie die Versorgungsstrukturen im zahnärztlichen Bereich insgesamt gestärkt werden können und drohenden lokalen Versorgungsengpässen frühzeitig entgegengewirkt werden kann.

Zugleich wurde in der Vergangenheit immer wieder, teilweise reflexartig und unreflektiert, das Instrument der Bedarfszulassung in die Diskussion im politischen Raum gebracht, wenn es darum ging, einer drohenden Unterversorgung entgegenzuwirken. In unserem Aktionsplan zeigen wir auf, dass eine Wiedereinführung der Bedarfszulassung kein geeignetes Instrument für eine vertragszahnärztliche Versorgungssteuerung darstellt. Stattdessen brauchen wir Rahmenbedingungen, die das Engagement von KZBV und KZVen bei der Sicherstellung unterstützen. Es war uns wichtig, genau hierzu mit der Politik ins Gespräch zu kommen.

Welche Reaktionen haben die Vorschläge dort hervorgerufen?

Seit der Veröffentlichung unseres Aktionsplans haben wir ein breites positives Echo aus der Politik erhalten. Eine Vielzahl der Gesundheitsministerien der Bundesländer hat sich bei uns gemeldet und uns für unsere Initiative gedankt. Viele haben direktes Interesse an vertiefenden Gesprächen mit der KZBV geäußert und in der Folge konnten wir viele Gespräche führen.

Mit wem zum Beispiel?

Wir haben mit den Gesundheitsministerien aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland gesprochen. Für Bayern haben wir mit Staatsministerin Gerlach und in Niedersachsen sogar mit Ministerpräsident Lies und mit Gesundheitsminister Philippi gesprochen. Begleitet haben mich bei den Gesprächen jeweils die Vorsitzenden der KZVen. Darüber hinaus haben uns Schreiben der Gesundheitsministerinnen und -minister aus Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt erreicht. In Sachsen hat uns der Ministerpräsident geantwortet und angekündigt, dass Sachsen dabei ist, eine Landzahnarztquote einzuführen. Die Gespräche und Reaktionen zeigen doch, dass die Länder verstanden haben, regionale Lösungen anzudenken und wegzugehen von einer nur in der Theorie wirkenden Steuerung über Bedarfszulassung.

Haben Sie mit diesem Rücklauf gerechnet?

Wie bereits ausgeführt, wird das Thema Sicherstellung der Versorgung im Koalitionsvertrag von Union und SPD adressiert. Die Gesundheitsministerkonferenz hat sich bereits im vergangenen Jahr mit diesem Thema beschäftigt, auch dieses Jahr steht das Thema auf der Agenda. Daher wussten wir, dass es ein großes politisches Interesse gibt. Einige Länder sind ja auch zuletzt beim Thema Sicherstellung aktiv geworden, etwa Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bei der Einführung der Landzahnarztquote, um nur ein Beispiel zu nennen. Dennoch habe ich mich sehr über das breite Echo gefreut und über die Möglichkeit, mit so vielen Bundesländern vertieft ins Gespräch zu kommen. Für unsere Arbeit nehmen wir hier viele wertvolle Impulse mit.

„Die Erfolge bei der Mundgesundheit, basierend auf unserem präventionsorientierten Versorgungsansatz, werden politisch breit anerkannt und wurden in allen Gesprächen herausgestellt, ebenso wie die Tatsache, dass wir ein effizient wirtschaftender Versorgungsbereich sind.“

Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV

Aktionsplan 2025 bis 2030

Versorgung sichern – Strukturen stärken

Der im Oktober 2025 publizierte „Aktionsplan 2025 bis 2030 für eine wohnortnahe und flächendeckende vertragszahnärztliche Versorgung“ der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) informiert über den aktuellen Stand der zahnärztlichen Versorgung in Deutschland und formuliert Vorschläge, wie die Versorgungsstrukturen auch zukünftig gestärkt und drohenden lokalen Versorgungsengpässen frühzeitig entgegengewirkt werden kann.

Derzeit, betont das Papier, befindet sich die zahnärztliche Versorgung bundesweit auf einem flächendeckend guten Niveau. Eine Herausforderung stellt aus Sicht der KZBV jedoch der demografische Wandel dar. Vor diesem Hintergrund fordert die KZBV in ihrem Aktionsplan politische Rahmenbedingungen, die das Engagement von KZBV und KZVen bei der Sicherstellung unterstützen und die Niederlassung fördern. Dazu gehören unter anderem der Abbau von Bürokratie in den Praxen, eine vollumfängliche Vergütung der erbrachten Leistungen, die Stärkung der Freiberuflichkeit und eine strenge Regulierung von iMVZ. In der Wiedereinführung der Bedarfszulassung sieht die KZBV kein geeignetes Steuerungsinstrument. Zielführender seien Anstrengungen auf politischer Ebene, gleichwertige Lebensverhältnisse überall in Deutschland zu gewährleisten.

Zur gezielten Stärkung der Versorgung in unterversorgten oder in von Unterversorgung bedrohten Bereichen plädiert die KZBV ergänzend zu den oben genannten Rahmenbedingungen darüber hinaus unter anderem für staatliche Investitionskostenzuschüsse für Zahnarzt- und Zweigpraxen sowie für steuerrechtliche Vergünstigungen für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich in diesen Gebieten niederlassen oder ihren Ruhestand hinausschieben. Positive Effekte könnte darüber hinaus der erleichterte Zugang zum Zahnmedizinstudium durch eine Quote für Studierende haben, die sich vorab verpflichten, für einen festgelegten Zeitraum nach ihrer Approbation in einem Planungsbereich mit festgestelltem Versorgungsbedarf im Bundesland des Studienortes tätig zu werden.

Welche Themen haben die Politikerinnen und Politiker besonders interessiert?

Ausgetauscht haben wir uns insbesondere über unsere konkreten Vorschläge zur Stärkung der Versorgungsstrukturen, die wir in unserem Aktionsplan unterbreiten. Natürlich sind nicht alle unsere Vorschläge für jedes Bundesland und die dortige Versorgungssituation passend. Dennoch ging es fast in jedem Gespräch um die Frage: Wie kann es gelingen, die Niederlassung attraktiv zu machen oder zu halten? Hier konnten auch die vielfältigen Aktivitäten auf KZV-Ebene gut dargestellt werden. Wichtig war uns auch zu zeigen, dass der zahnärztliche Versorgungsbereich ganz anders „tickt“ als der ärztliche. Dazu gehören unter anderem die hohe Zahnarztbindung, eine funktionierende Überweisungsstruktur, kein Steuerungsproblem und kein Terminproblem. Auch die Landzahnarztquote spielte in vielen Gesprächen eine Rolle, ebenso wie der Bürokratieabbau, die notwendige Planungssicherheit für die Praxen und die Regulierung von investorengetragenen Medizinischen Versorgungszentren. Aber auch über die weitere Verbesserung der Versorgung vulnerabler Gruppen haben wir uns in vielen Gesprächen ausgetauscht – ein Thema, auf das wir als KZBV ja schon seit vielen Jahren ein besonderes Augenmerk richten.

Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus den Reaktionen?

Dass sich unser daten- und faktenbasierter Ansatz auszahlt. Dass es gelungen ist, mit unserem Aktionsplan eine sachorientierte Debatte anzustoßen und zu führen und es möglich ist, im Zusammenspiel von Politik und Selbstverwaltung, jeder in seinem Aufgabenfeld, Lösungen zu finden. In diesem Sinne darf es gerne weitergehen.

Gibt es Momente aus den Gesprächen, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Als besonders positiv nehme ich mit, wie groß das Interesse am Austausch und an Fragen der zahnmedizinischen Versorgung und ihrer Sicherstellung ist und dass wir zeigen konnten, dass wir im zahnärztlichen Bereich gut aufgestellt sind, dass Selbstverwaltung gut funktioniert und sich entfalten kann, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Wir hoffen, dass die Gespräche einen Beitrag dazu leisten konnten, diesen Weg weiterzugehen. Dazu konnte seitens der KZVen sehr gut ausgeführt werden, welche Aktivitäten auf KZV-Ebene bereits entfaltet wurden.

Sehr gefreut habe ich mich auch darüber, welch positive Resonanz wir auf die Erfolge unserer Präventionsbemühungen erhalten. Die Erfolge bei der Mundgesundheit, basierend auf unserem präventionsorientierten Versorgungsansatz, werden politisch breit anerkannt und wurden in allen Gesprächen herausgestellt, ebenso wie die Tatsache, dass wir ein effizient wirtschaftender Versorgungsbereich sind. Das zeigt einmal mehr, dass wir im zahnärztlichen Bereich beispielgebend für das gesamte Gesundheitswesen auf dem richtigen Pfad unterwegs sind.

Was sind die nächsten Schritte der KZBV, um den Aktionsplan voranzubringen?

Selbstverständlich werden wir weiterhin mit der Politik zu unserem Aktionsplan im Austausch bleiben. In diesem Sinne verstehe ich die Gespräche, die wir bislang geführt haben, als eine Art „Auftakt“, um beim Thema Sicherstellung in einem kontinuierlichen politischen Dialog zu bleiben. Das gilt für die Länder, aber auch auf Bundesebene wird uns das Thema Sicherstellung der Versorgung weiter begleiten, beispielsweise in Gesprächen mit den Abgeordneten des Deutschen Bundestages.

Das Gespräch führte Susanne Theisen.

Der Aktionsplan der KZBV wurde im Oktober 2025 veröffentlicht und ist als Kurzfassung sowie als vertiefende Ausarbeitung verfügbar unter: www.kzbv.de/aktionsplan-sicherstellung

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