Wie es ist, mit 23 Zahnärztin zu sein
Wieso hat sie die Ausbildung so rasant durchgezogen? Ein Grund: „Corona. Nach dem Abitur im Herbst 2020 war an ein Auslandsjahr nicht zu denken!“ Also rein ins Studium! Da sie den Platz an der Universität Kiel erst im Nachrückverfahren bekam, zog sie quasi über Nacht nach Schleswig-Holstein. „Rückblickend bin ich froh, dass ich diesen doch recht großen und spontanen Schritt damals gewagt habe. Ich bin über 500 Kilometer weg von meinen Eltern gezogen, ganz allein vom Dorf in eine neue Stadt.
Natürlich war ich am Anfang etwas unsicher, fand es aber umso wichtiger, für meinen Traumberuf mutig zu sein“, erzählt sie. Und sie würde es genauso wieder machen: „Das Studium ist von Natur aus sehr intensiv und das wäre es auch gewesen, wenn ich mir mehr Zeit genommen hätte, etwa mit einem Freisemester. Ich habe trotzdem viel gemacht, viel geschafft und meine Studienzeit genossen, so gut ich konnte."
Es gab nur Plan A
In harten Zeiten, zum Beispiel in der Vorklinik und bei der Lehre am Phantomkopf, versuchte Schrills, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Erlebt hat sie das so: „Wenn man beispielsweise beim Präparieren der Zähne bei den ersten ein, zwei Versuchen nicht im richtigen Winkel angesetzt hat, gab es direkt negatives Feedback. Umgekehrt erinnere ich mich kaum an lobende Worte der Lehrenden. Wenn Studierende nicht 100 Prozent vom Berufsziel Zahnarzt überzeugt sind, kann es tatsächlich passieren, dass man irgendwann hinschmeißt und geht.“ Das habe sie mehrmals beobachtet.
„Letztlich habe ich mit einer Handvoll Kommilitoninnen und Kommilitonen aus der Studiengruppe den Abschluss geschafft. Ob die eine oder der andere ein paar Jahre älter waren oder ich eben jünger, ist nie sonderlich ins Gewicht gefallen. Am Ende kommt es darauf nicht an, niemand fragt später danach. Mein junges Alter ist ja selbst noch keine Leistung. Ich habe gesehen, wie alle versucht haben, ihr Bestes zu geben, um zu bestehen“, sagt Schrills.

„Ja, ich bin die Zahnärztin“
Das Studium schloss sie regulär nach zehn Semestern ab, im Herbst 2025 bestand sie die letzte Prüfung des Staatsexamens mit dem Gesamturteil „Sehr gut“. Was hat ihr geholfen, das Programm so durchzuziehen?. „Es gab für mich nur Plan A, deshalb war Aufgeben keine Option.“ Seit März absolviert sie ihre Assistenzzeit in einer Kieler Praxis. Dass sie mit gerade 23 Jahren bereits am Patienten arbeitet, nimmt Schrills anders wahr, als es von außen manchmal wirkt: „Ich fühle mich oft deutlich älter, als ich bin, oder denke einfach selten darüber nach.“
Patienten halten die sanfte, zierliche junge Frau allerdings häufig nicht direkt für eine Zahnärztin. „Viele sind erstmal ein bisschen irritiert und denken, ich sei die ZFA. Aber nachdem ich mich vorgestellt hatte, hat sich das oftmals ganz schnell erübrigt. Und die meisten sind dann sogar ziemlich begeistert, dass man so jung schon Zahnärztin ist“, berichtet sie und schmunzelt.
Ja, es gebe Patienten, die ihre Behandlungsansätze zunächst hinterfragen, was sie beim Chef nicht täten. „Aber ich habe Verständnis dafür. Sie müssen mich erst kennenlernen und sich auf mich einlassen. Wir machen schließlich einen sehr intimen Job. Man darf niemanden überrumpeln“, erklärt Schrills. „Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, sich als junger Mensch klar und souverän dem Patienten vorzustellen und selbstsicher aufzutreten. Das hat übrigens nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit dem Selbstbewusstsein, das man ausstrahlen muss, um ernst genommen zu werden.“
Die Reaktionen seien in hohem Maße positiv. Wo es hakt, gibt der Chef Rückendeckung. Zu zweit arbeiten sie in einer kleinen Praxis. Er teilt ihr die Neupatienten zu, für die sie die zuständige Behandlerin bleiben soll.
Die Stelle als Vorbereitungsassistentin zu bekommen, war für Schrills nicht einfach. Zum einen wollten viele Praxen lieber jemanden mit Erfahrung – bestenfalls einen potenziellen Übernehmer. „Zum anderen wollte ich gern in Kiel bleiben, nicht zurück aufs Dorf und auch nicht ewig zur Arbeit fahren." Sie habe feststellen müssen, dass es deutlich schwieriger sei, eine Assistenzstelle in der Stadt zu bekommen als auf dem Land. Daher habe sie auch ihre Gehaltsvorstellung ganz bodenständig formuliert. Man fängt halt klein an.
Wenn du jung bist, kann noch nicht alles perfekt sein
„Ich war froh, überhaupt einen Platz zu finden. Mir ist primär wichtig, mich in der Praxis wohlzufühlen und einen guten Arbeitsweg zu haben. Wer nur wegen des Geldes zusagt und den Wert einer fairen Arbeitsmentalität unterschätzt, läuft Gefahr, schnell nur für die weniger relevanten, immer gleichen Aufgaben abgestellt zu werden.“ Nach neun Monaten wartet auf die Nachwuchs-Zahnärztin eine Umsatzbeteiligung. Einer der entscheidenden Vorteile des Durchstartens sieht Schrills in ihrer Unabhängigkeit. „Ich bin nun sehr früh unabhängig von meinen Eltern, verdiene mein eigenes Geld und kann mein Leben ganz frei gestalten.“
Rückblickend würde sie sich heute nicht mehr so viel Gedanken machen, ob sie das Studium schafft. „Man macht sich immer viel mehr Sorgen, als man müsste. Jedes Semester dachte ich, dass irgendetwas schiefläuft oder ich eine Prüfung nicht schaffe und nicht bestehe. Am Ende ist dann alles halb so schlimm. Man sollte öfter an seine Stärken denken, als daran, was vielleicht noch nicht so gut klappt. Denn man lernt als junger Mensch eben noch und kann nicht auf Anhieb alles perfekt."






