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Fortbildung Intraoralscanner

Das sind die gängigen Geräte am Markt

Gülce Çakmak
,
Henriette Lerner
,
Hamed Marmarshahi
Mit der Anschaffung eines Intraoralscanners eröffnen sich faszinierende Möglichkeiten, es kommt aber auch viel ­Lernaufwand – und mit der Integration in die Infrastruktur auch Arbeit – auf die Praxis zu. Da ist es hilfreich, zunächst einmal eine Übersicht über die aktuellen Geräte, Technologien und Anwendungsmöglichkeiten zu bekommen.

Intraoralscanner (IOS) haben sich in den vergangenen Jahren zu einer Schlüsseltechnologie der digitalen Zahnmedizin entwickelt. Die Ablösung konventioneller Abformmaterialien – Polyvinylsiloxan und Polyether – durch optisch-digitale Abformungen markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der zahnärztlichen Praxis.

IOS erfassen die dreidimensionale Geometrie von Zähnen durch kontinuierliche Bildaufnahme und rechnergestützte Bildverarbeitung. Die resultierenden STL- oder PLY-Datensätze können unmittelbar an Dentallabore oder Chairside-CAD/CAM-Einheiten übermittelt werden, ohne die für physische Abformungen typischen Verformungs- und Transportfehler.

Assoc. Prof. Dr. med. dent. Gülce Çakmak

  • 9/2004–7/2009: Studium der Zahnmedizin, Ankara University, Ankara, Türkei (D.D.S.)

  • 2/2010–6/2014: Promotion, Gazi University, Ankara, Türkei (Ph.D.). Thema der Dissertation: „Evaluation of possible genotoxic damage in patients used fixed partial prostheses“

  • 2/2010–6/2014: Research Assistant and Clinical Instructor, Department of Prosthodontics, School of Dentistry, Gazi University, Ankara, Türkei

  • 1/2015–6/2017: Assistant Professor in Prosthetic Dentistry, Istanbul Aydin University, Istanbul, Türkei

  • 8/2016–12/2016: Visiting Scholar in Restorative, Prosthetic, and Implant Dentistry, The Ohio State University, College of Dentistry, Columbus, Ohio, USA

  • 7/2017–5/2021: Assistant Professor in Prosthetic Dentistry, Istanbul Okan University, Istanbul, Türkei

  • 9/2019–8/2020: ITI Scholarship, National Autonomous University of Mexico (UNAM), Faculty of Dentistry, Mexiko-Stadt, Mexiko

  • seit 09/2019: Associate Professor in Prosthetic Dentistry, Turkish Government Committee for Universities (ÜAK)

  • 6/2021–5/2022: Buser Scholarship for Implant Dentistry, Department of Reconstructive Dentistry and Gerodontology, University of Bern, Schweiz

  • seit 1.6.2022: Senior Research Associate, Department of Reconstructive Dentistry and Gerodontology, University of Bern, Schweiz

  • seit 1.9.2025: Leiterin des Labors für Digitale Zahntechnologien, Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre an der Charité Universitätsmedizin Berlin

Treiber dieser Entwicklung sind der Wunsch nach gesteigerter klinischer Effizienz, Reproduzierbarkeit und patientenzentrierten Behandlungsabläufen. Konventionelle Abformungen sind – trotz jahrzehntelanger klinischer Bewährung – mit den bekannten Nachteilen verbunden: Dimensionsveränderungen beim Ausgießen, Abdruckfehler durch Speichel und Blut sowie Würgereiz beim Patienten [Revilla-Leon et al., 2021]. Demgegenüber bieten IOS die Möglichkeit zur sofortigen Verifikation, zur Echtzeitkommunikation mit dem Labor und zur nahtlosen Integration in CAD/CAM-Abläufe [Eggmann & Blatz, 2024].

Die Geschichte der intraoralen Scantechnologie beginnt in den späten 1980er-Jahren mit dem CEREC-System (Chairside Economical Restoration of Esthetic Ceramics), das erstmals die computergestützte Chairside-Restauration ermöglichte. Seitdem haben sich die Geräte von einfachen Oberflächenscannern zu umfassenden diagnostischen Plattformen mit Kariesdetektion, Zahnverschleißmonitoring, KI-gestützter Bildsegmentierung und Telemedizin-Funktionalität weiterentwickelt [Eggmann & Blatz, 2024].

Empfehlungen der Leitlinie „Intraoralscan in der Zahnmedizin“

Eine allgemeingültige Bewertung digitaler intraoraler Erfassungssysteme ist nur eingeschränkt möglich, da sich die verfügbaren Scanner hinsichtlich der technischen Funktionsprinzipien, des Entwicklungsstands, der Schnittstellen und dem daraus resultierenden Leistungsspektrum teils erheblich unterscheiden. Zudem unterliegen sowohl die Scantechnologien als auch das Postprocessing und insbesondere die Schnittstellen sowie Weiterverarbeitungsoptionen einem raschen technologischen Wandel. Einschätzungen zum Potenzial einzelner Systeme können daher meist nur den Charakter einer Momentaufnahme haben. Eine belastbare unabhängige wissenschaftliche Evidenz liegt häufig erst zeitlich verzögert vor.

Vor diesem Hintergrund sollte der Anwender die individuelle Leistungsfähigkeit und das jeweilige Anwendungsspektrum eines Scanners sorgfältig prüfen. Eine zentrale Voraussetzung für die Beurteilung der Indikationsbreite und klinischen Einsetzbarkeit ist die Genauigkeit des jeweiligen Scansystems, die durch die Parameter „Richtigkeit“ und „Präzision“ beschrieben wird: Während die Richtigkeit angibt, wie nahe ein gemessener Wert (oder Scan) am tatsächlichen Wert liegt, beschreibt die Präzision die Reproduzierbarkeit der Messergebnisse (oder Scans) unter identischen Bedingungen.

AutorInnen: Miriam Ruhstorfer, 
PD Dr. Tobias Graf, Prof. Dr. Jan-Frederik 
Güth

Leitlinie: DGCZ, DGZMK: 
„Intraoralscan in der Zahnmedizin“, 
Langversion 1.0, 2025, 
AWMF-Registriernummer: 083-049, 

leitlinien/detail/083-049.

Scantechnologien im Überblick

Moderne IOS nutzen unterschiedliche optische Prinzipien, die sich hinsichtlich Tiefenschärfe, Auflösung, Geschwindigkeit und Empfindlichkeit gegenüber dem Umgebungslicht unterscheiden.

Konfokale Mikroskopie

Die konfokale Mikroskopie, eingesetzt unter anderem von 3Shape (TRIOS-Serie) und Dentsply Sirona (Primescan-Familie), nutzt die selektive Fokussierung von Licht auf definierte Tiefen. Durch sequentielle Rekonstruktion von Schichten entsteht ein präzises 3D-Modell. Der entscheidende Vorteil liegt in der hohen Tiefenschärfe und der geringen Sensitivität gegenüber Reflexionen hochglänzender Oberflächen. Sie sind damit auch unabhängig vom Hintergrundlicht [Eggmann & Blatz, 2024].

Aktuelle In-vitro-Vergleichsstudien zeigen für die TRIOS 5 hohe Genauigkeiten (Richtigkeit: 54,9 µm, Präzision: 37,8 µm) bei Ganzkieferabformungen von Implantaten, Primescan erreichte in dieser Indikation Werte von 72,3 µm (Richtigkeit) ≈ 49,1 µm (Präzision) [Jain et al., 2024; Vitai et al., 2023].

Strukturiertes Licht / Active Wavefront Sampling

Mehrere Hersteller – darunter Medit (i700, i900) und Planmeca (Emerald S) – setzen auf strukturiertes Licht in Form von Streifen- oder Gittermustern. Ein Sensor analysiert die Verformung des projizierten Musters und berechnet daraus die Oberflächengeometrie. Dieses Verfahren erlaubt hohe Scangeschwindigkeiten und ist besonders für komplexe anatomische Strukturen geeignet.

Aktuelle Studien belegen für die Medit i700 Werte von circa 60,5 µm (Richtigkeit) und Precision- circa 40,6 µm (Präzision) – vergleichbar mit konfokalen Systemen und klinisch akzeptabel [Jain et al., 2024].

Multi-Directional Confocal (MDC) – iTero Lumina

Align Technology hat für den 2024 lancierten iTero Lumina eine neue Erfassungstechnologie entwickelt: das sogenannte Multi-Directionale Confocale-Prinzip (MDC). Ein dreifach breiterer Erfassungsbereich (Field of View) gegenüber den Vorgängermodellen ermöglicht schnellere Scan-Bewegungen; gleichzeitig ist das Handstück 50 Prozent kleiner und 45 Prozent leichter als beim iTero Element 5D+.

Erste klinische Studien zeigen, dass der iTero Lumina bei Ganzkieferscans eine vergleichbare Genauigkeit (Richtigkeit) wie photogrammetrische Systeme erreicht, bei der Aufzeichnung von erhöhter Vertikaldimension jedoch hinter TRIOS 5 und Medit i900 zurückbleibt [Cascales et al., 2026; Al-Hassiny et al., 2024].

Fotogrammetrie als Ergänzungstechnologie

Für den klinisch anspruchsvollen Fall des vollständig zahnlosen Kiefers mit mehreren Implantaten stößt die konventionelle, oben beschriebene Intraoralscannertechnologie an Grenzen: Die sequenzielle Bildaneinanderreihung akkumuliert Positionsfehler über die gesamte Bogenlänge und ­beeinflusst damit die Passgenauigkeit von Einstückganzkieferversorgungen negativ. Diese Einschränkung ist besonders kritisch bei All-on-X-Versorgungen mit Sofortbelastungsprotokollen, bei denen die dimensionelle Genauigkeit von entscheidender Bedeutung ist.

Fotogrammetrische Verfahren begegnen dieser Problematik durch ein grundlegend anderes Messprinzip: Implantatpositionen werden durch die simultane Auswertung mehrerer Aufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln ermittelt, wodurch eine präzise räumliche Rekonstruktion ohne kumulative Verzerrung möglich wird. Klinisch stehen derzeit zwei Hauptansätze zur Verfügung.

Extraorale Fotogrammetriesysteme – wie die von PIC Dental und iMetric – arbeiten mit mehreren Aufnahmen speziell codierter Scanbodies aus unterschiedlichen Winkeln außerhalb der Mundhöhle, wobei die Scanbodies während der gesamten Aufnahme auf den Implantaten im Mund des Patienten verbleiben. Auf Basis fotogrammetrischer Prinzipien werden die räumlichen Beziehungen der Implantate berechnet, ohne auf Stitching-Algorithmen (Stitching – Zusammenfügen von Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild) zurückgreifen zu müssen, was eine sehr hohe Genauigkeit über größere Distanzen ermöglicht. Ein wesentliches Charakteristikum dieser Systeme ist jedoch, dass sie primär die Implantatpositionen erfassen – für die Aufnahme von Weichgewebe und Okklusion ist daher ein ergänzender intraoraler Scan erforderlich. Diese beiden Datensätze werden anschließend digital zusammengeführt. Extraorale Systeme sind zudem in der Regel größer und weniger mobil als konventionelle Intraoralscanner, was bei der Praxisintegration zu berücksichtigen ist.

Die intraorale Fotogrammetrie integriert das fotogrammetrische Messprinzip direkt in den klinischen digitalen Workflow und verbindet die ergonomische Effizienz konventioneller Intraoralscanner mit der für verblockte Ganzkieferversorgungen erforderlichen Positionsgenauigkeit. Zunächst werden das Weichgewebe und die vorhandene Restbezahnung nach Standardprotokollen gescannt, häufig unterstützt durch Referenzmarker zur Verbesserung der Ausrichtung und der Datenstabilität. In einem nachfolgenden Schritt werden kodierte Scanbodies nach fotogrammetrischen Prinzipien erfasst, wodurch Implantatpositionen ohne Stitching-Fehlerakkumulation präzise bestimmt werden. Die gewonnenen Datensätze werden anschließend automatisch zusammengeführt, so dass die Weichgewebsmorphologie und die exakten Implantatkoordinaten in einem einheitlichen digitalen Modell vereint werden. Softwarelösungen wie die IPG-Plattform von Shining 3D ermöglichen abschließend die Konvertierung der erfassten Marker in kompatible Implantatbibliotheks-Scanbodies für einen nahtlosen CAD-Workflow. Im Unterschied zu extraoralen Systemen bietet dieser Ansatz den Vorteil, dass Weichgewebe, Okklusion und Implantatpositionen in einem einzigen integrierten Workflow erfasst werden können, ohne ein zusätzliches Gerät und Schritte zur Datenzusammenführung. Der SHINING 3D Aoralscan Elite, der als erster IOS ein integriertes IPG-Modul direkt in den Scannerkopf integriert, stellt dabei den derzeitigen Entwicklungsstand dieser Technologie dar [Pozzi et al., 2025].

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit bestätigt, dass Fotogrammetrie-basierte Systeme für verblockte implantatgetragene Ganzkieferversorgungen zuverlässig präzise sind, wenngleich die Evidenzbasis noch überwiegend auf In-vitro-Daten beruht [Gómez-Polo et al., 2023]. Beide Verfahren bieten gegenüber konventionellem IOS erhebliche Vorteile: eine reduzierte Fehlerakkumulation, eine verbesserte Passivität der Versorgung und eine höhere Reproduzierbarkeit – entscheidende Faktoren für den Langzeiterfolg von implantatgetragenen Restaurationen.

Scannen eines zahnlosen Kiefers mit Fotogrammetrie-Referenzmarkern

KI und Softwareinnovationen

Softwareinnovationen überholen zunehmend Hardwarefortschritte in ihrer Bedeutung für die Praxistauglichkeit. Moderne IOS sind keine reinen Abformgeräte mehr, sondern digitale Plattformen, die den gesamten diagnostischen und therapeutischen Workflow integrieren [Eggmann & Blatz, 2024].

KI-basierte Algorithmen übernehmen mittlerweile folgende Aufgaben: automatische Artefaktelimination (Wangen, Zunge, Speichel), Bildsegmentierung einzelner Zähne für kieferorthopädische Analysen, automatische Randliniendetektion bei Präparationen und – ansatzweise – die Erstellung automatischer Zahnstatuserhebungen direkt aus dem Scan. Eine Deep-Learning-Studie erreichte dabei bereits im Jahr 2022 in 94 Prozent der Fälle klinisch akzeptable Segmentierungsergebnisse ohne manuelle Korrekturen [Hao et al., 2022]. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Molaren anhand von IOS-Bildern KI-gestützt nach Restaurationstyp zu klassifizieren [Eto et al., 2022].

Ein weiterer Trend ist die Entwicklung hin zu offenen Schnittstellen. Einer transnationalen Befragung zufolge unterstützen alle 21 meistgenutzten IOS mittlerweile offene Datenformate (STL, OBJ, PLY), die die Weitergabe an beliebige Labore und CAD/CAM-Systeme ermöglichen [Al-Hassiny et al., 2023]. Das Gegenstück – das geschlossene System mit Herstellerbindung – verliert zunehmend Marktanteile, da die Anwender Flexibilität und Kosteneffizienz priorisieren.

Mit dem Primescan 2 führte Dentsply Sirona 2024 den ersten cloud-nativen IOS ein: Scans können auf jedem internetfähigen Endgerät empfangen, bearbeitet und geteilt werden, ohne lokal installierte Software. 3Shape bietet über seine Plattform Funktionen für Smile Design, implantologische Planung, kieferorthopädische Simulation und Telekonsultation an. Medit stellt über Medit Link ein breites Portfolio an kostenlosen Softwaremodulen bereit. Die Grenze zwischen Scanner und digitaler Praxisplattform wird damit zunehmend unschärfer [Eggmann & Blatz, 2024].

Erweiterte diagnostische Funktionen

Kariesdetektion

Mehrere IOS bieten integrierte Kariesdetektionsfunktionen. Zwei Technologieprinzipien kommen zum Einsatz: Fluoreszenzbasierte Systeme (415 nm), die metabolische Aktivität kariöser Läsionen sichtbar machen, und Nah-Infrarot (NIR)-Transillumination (727–850 nm), die speziell approximale Läsionen detektiert.

Eine klinische Multicenter-Studie mit 100 Patienten zeigte, dass ein IOS mit NIR-Bildgebung der Bissflügelröntgenaufnahme nicht unterlegen war – wobei Experten bessere diagnostische Leistungen als Anfänger erzielten und somit eine Lernkurve besteht [Metzger et al., 2022]. Allerdings ist die Evidenzlage noch uneinheitlich: Während eine hohe Sensitivität für Schmelzläsionen berichtet wurde, zeigten IOS mit NIR-Technologie bei Kindern eine niedrige Sensitivität [Cuenin et al., 2023].

Zahnverschleiß-Monitoring

IOS mit Überlagerungssoftware ermöglichen eine quantitative Verlaufskontrolle des Zahnverschleißes. In vitro stimmen diese Messungen mit profilometrischen Referenzmethoden auf ±15 µm überein. Klinisch liegt der Wiederholbarkeitsfehler zwischen 60 und 70 µm; ein Diskriminationsschwellenwert von circa 73 µm wurde bestimmt, unterhalb dessen Messungen nicht zuverlässig sind. Für die klinische Praxis empfehlen sich daher IOS-Kontrollen in Abständen von ein bis drei Jahren [Bronkhorst et al., 2023; Charalambous et al., 2022].

Weichgewebeanalyse und parodontale Kontrolle

IOS werden zunehmend zur Beurteilung gingivaler Rezessionen und periimplantärer Weichgewebestabilität eingesetzt. Klinische Studien belegen, dass IOS-Messungen konventionellen Methoden an Genauigkeit überlegen sein können, wenngleich die Messqualität vom Gerät, vom Bediener und von der Lokalisierung abhängt – insbesondere in Interdentalräumen und Seitenzahnbereichen bestehen weiterhin Herausforderungen [Kuralt et al., 2022; Dritsas et al., 2023].

Klinische Genauigkeit und Anwendungsgrenzen

Die Genauigkeit intraoraler Scans wird durch zwei Größen definiert: Richtigkeit (engl. Trueness, Übereinstimmung mit dem realen Objekt) und Präzision (engl. Precision, Wiederholbarkeit). Als Maßzahl dient zunehmend der Root Mean Square Error (RMS) beziehungsweise der mittlere absolute Abweichungswert (MAD). Klinisch wird ein Schwellenwert von 50 µm für die meisten Restaurationsindikationen als akzeptabel angesehen; aktuelle Systeme unterschreiten diesen Wert für Einzelzahnabformungen regelhaft.

Für Ganzkieferabformungen bleibt die Fehlerakkumulation eine klinische Herausforderung. Eine vergleichende In-vitro-Studie (TRIOS 5, Primescan, Planmeca Emerald S, Medit i700) zeigte, dass TRIOS 5 die höchste Absolutgenauigkeit erreichte (absolute average 0,112 mm), alle Systeme jedoch klinisch akzeptable Werte lieferten [Lanis et al., 2024]. Für implantologische Ganzkieferabformungen bleibt die konventionelle Abformung oder die Fotogrammetrie in Fällen mit vollständiger Zahnlosigkeit und multiplen Implantaten häufig überlegen [Vitai et al., 2023; Pozzi et al., 2025].

Praktische Einflussfaktoren auf die IOS-Genauigkeit sind: ein feuchtes Operationsfeld (Speichel, Blut), subgingivale Präparationsränder, eine Scannerermüdung bei langen Sequenzen sowie die Scanstrategie des Operateurs. Neuere Geräte mit einem autokalibrierenden Scankopf und integrierten Heizelementen gegen Kondensation haben einige dieser Limitationen reduziert, ohne sie vollständig zu eliminieren [Eggmann & Blatz, 2024].

Für die prothetische Versorgung zeigen systematische Übersichten und randomisierte klinische Studien, dass IOS-basierte Restaurationen der konventionellen Abformung klinisch ebenbürtig sind: Weder für Einzelkronen noch für dreigliedrige Brücken ergab sich ein signifikanter Unterschied in den klinischen Ergebnissen [Mahat et al., 2023; Bandiaky et al., 2022]. Diese Befunde zeigen die klinische Zuverlässigkeit der auf Basis von IOS-Daten hergestellten Restaurationen.

Marktentwicklung und Geräteübersicht

Der globale IOS-Markt verzeichnete 2024 ein Volumen von circa 580 bis 710 Millionen US-Dollar (je nach Quelle) und wird bis in den Zeitraum 2032 bis 2035 auf 1,2 bis 2,8 Milliarden US-Dollar prognostiziert, mit jährlichen Wachstumsraten (CAGR) von sieben bis elf Prozent. Nordamerika hält mit etwa 47 Prozent den größten Marktanteil, gefolgt von Europa. Der asiatisch-pazifische Raum – insbesondere China – wächst mit geschätzten 10,4 Prozent CAGR am schnellsten [Fortune Business Insights, 2025; Allied Market Research, 2025].

Offene Systeme dominieren mit einem Marktanteil von circa 97 Prozent (2025), da sie die Anwender von proprietären Ökosystemen unabhängig machen und eine freie Laborwahl ermöglichen [Future Market Insights, 2025]. Kartbasierte (standalone) IOS halten rund 69 Prozent des Segments, während portable und kabellose Geräte mit etwa vier Prozent CAGR am stärksten wachsen [Mordor Intelligence, 2025].

Neue Marktteilnehmer aus Asien – insbesondere SHINING 3D, Medit und verschiedene kleinere Anbieter – erhöhen den Wettbewerbsdruck erheblich und haben in den vergangenen Jahren in der Kombination aus Preis und Leistungsfähigkeit deutliche Fortschritte erzielt. Die Preisspanne für neue IOS reichte 2025 international von circa 5.000 USD (Einsteigersegment) bis zu 50.000 USD für Premiumsysteme [Astute Analytica, 2025].

Die Tabelle auf der folgenden Seite gibt einen Überblick über aktuell auf dem Markt befindliche IOS (Stand 2025), ergänzt um wesentliche technische Eckdaten und aktuelle Neuzulassungen. Die ­Auswahl der dargestellten Geräte erfolgte anhand ihrer Verbreitung im internationalen Dentalmarkt, der Verfügbarkeit publizierter Genauigkeitsdaten sowie ihrer Repräsentativität für die ­verschiedenen Scantechnologieprinzipien.

Klinische Integration und Workflow

Die Integration des IOS in den klinischen Alltag geht über die reine Abformung weit hinaus. Aktuelle Systeme fungieren als Ausgangspunkt für „Digital Twins" – präzise virtuelle Patientenmodelle, die durch Fusion mit DVT-Daten und Gesichtsscans entstehen. Diese digitalen Zwillinge ermöglichen statische und dynamische Navigationsverfahren für implantologische Insertionen, endodontische Zugangskavitäten und Autotransplantationen [Lee et al., 2023; Connert et al., 2022].

Kieferorthopädie

Die Kieferorthopädie profitiert erheblich von der IOS-Technologie: Digitale Modelle ermöglichen automatisierte Zahnvermessungen, Behandlungssimulationen und Aligner-Produktion. Trotz fortschreitender Akzeptanz zeigen vergleichende Studien, dass die Messgenauigkeit digitaler Modelle gegenüber konventionellen Gipsmodellen je nach IOS-Modell variiert [Christopoulou et al., 2022]. IOS können auch bei Multibracketsystemen valide Modelle erzeugen, ohne dass eine Bracketentfernung nötig ist [Palone et al., 2023].

Implantologie

Für die digitale Implantatabformung von Einzelimplantaten und kurzen Brücken sind aktuelle IOS klinisch zuverlässig [Schmidt et al., 2022]. Für Ganzkieferrekonstruktionen auf Implantaten (All-on-X) bleibt die Fehlerakkumulation problematisch. Hier empfehlen sich entweder photogrammetrische Verfahren oder Scan-Hilfsmittel wie horizontale Scangauges, die den Messfehler durch eine Reduktion der Bildnähte minimieren [Giglio et al., 2023; Pozzi et al., 2025].

Telemedizin und Remotediagnostik

Die Möglichkeit zur cloudbasierten Datenweitergabe öffnet neue Felder für Telekonsultation und Remotediagnostik. Erste Studien zeigen, dass Fernbefundungen auf Basis von IOS-Daten für zahnärztliche Befunde grundsätzlich verlässlich sind, für parodontale Beurteilungen jedoch an Grenzen stoßen [Steinmeier et al., 2020]. Patientengeführte Scans über Smartphone-Apps für das Monitoring kieferorthopädischer Aligner befinden sich in der Erprobung, sind aber noch nicht für den selbstständigen klinischen Einsatz geeignet [Ferlito et al., 2023].

Patientenerfahrung und Adoptionsbarrieren

Patienten bewerten die IOS-Abformung gegenüber der konventionellen Abformung regelmäßig als komfortabler, insbesondere im Hinblick auf Würgereiz und Materialgeschmack [Bandiaky et al., 2022; Serrano-Velasco et al., 2023]. Dies gilt auch für Kinder: Eine systematische Übersicht bestätigt gute Akzeptanz, Reliabilität und zeitliche Effizienz beim Einsatz von IOS in der Kinderzahnheilkunde.

Aufseiten der Zahnärzte sind die wichtigsten Adoptionsbarrieren – trotz wachsender Nutzerquoten – der Anschaffungspreis und die mit der Integration des digitalen Workflows verbundenen Aufwände. Zu nennen sind hier insbesondere die Einbindung in die praxisinterne IT, die Beschäftigung mit Datenschutzfragen und die Notwendigkeit von Schulungen und Trainingskursen [Jahangiri et al., 2020; Al-Hassiny et al., 2023].

Fazit und Ausblick

Intraoralscanner haben sich von reinen Abformgeräten zu integrierten diagnostischen und therapeutischen Plattformen entwickelt. Die klinische Gleichwertigkeit IOS-gestützter Restaurationen gegenüber konventionellen Abformungen ist für Einzelzähne und kurze Brücken belegt. Für komplexe Implantatsituationen mit vollständiger Zahnlosigkeit bleibt die Fotogrammetrie – zunehmend auch in IOS-integrierter Form – eine wichtige Ergänzung.

Der Markt ist in Bewegung: KI-gestützte Software wird zum zentralen Differenzierungsmerkmal, die Grenze zwischen Scanner und digitaler Praxisplattform löst sich auf. Cloudnative Systeme wie der Primescan 2, offene Systeme wie Medit und leistungsstarke, kosteneffiziente Newcomer aus Asien verändern die Wettbewerbsdynamik fundamental. Die Praxis kann heute aus einem breiten, qualitativ hochwertigen Angebot wählen; die Entscheidung sollte sich an den individuellen klinischen Schwerpunkten, dem Labornetzwerk und der langfristigen Investitionsstrategie orientieren.

Zukünftige Entwicklungen werden sich auf die weitere KI-Integration (Automatisierung des Zahnstatus, Kariesprognostik), den Ausbau telemedizinischer Anwendungen, die Echtzeit-Navigation mit AR/VR-Unterstützung und die weitere Miniaturisierung und Gewichtsreduktion der Handstücke konzentrieren [Eggmann & Blatz, 2024]. Die kontinuierliche wissenschaftliche Evaluation neuer Systeme – insbesondere im direkten klinischen Vergleich und mit standardisierten Protokollen gemäß ANSI/ADA 132 – bleibt eine zentrale Aufgabe der zahnmedizinischen Forschung.

Literaturliste

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Assoc. Prof. Dr. med. dent. Gülce Çakmak

Charité - Universitätsmedizin Berlin,
Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre,
Leitung des digitalen Forschungslabors
Aßmannshauser Str. 4–6,
14197 Berlin

Dr. medic. Henriette Lerner

HL-DENTCLINIC
Direktorin der HL Academy
Ludwig-Wilhelm-Str. 17,
76530 Baden-Baden

Hamed Marmarshahi

BME Anhalt University of Applied sciences,
Hochschule Anhalt
Bernburger Str. 55,
06366 Köthen

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