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Dental Berlin

Großes Kino für die Zahnmedizin

Rund 470 Gäste trafen sich im historischen Kino und Kulturort Colosseum mitten in Prenzlauer Berg. © Zahnärztekammer Berlin
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Die Dental Berlin fand in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt. Neben einem bunten wissenschaftlichen Programm diskutierten Dr. Bianca Göpner-Fleige, Präsidentin der Zahnärztekammer Berlin, und BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler, wie sich die Zahnärzteschaft stärker in der Politik durchsetzen kann.

Zahlreiche Zahnärztinnen und Zahnärzte und Praxisteams nahmen am 2. und 3. Oktober an der Dental Berlin teil. Die Fortbildungsveranstaltung der Zahnärztekammer Berlin fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Ein Novum war der Tagungsort: Nach drei Ausgaben in der Classic Remise war die Veranstaltung erstmals im historischen Kino- und Kulturort Colosseum in Prenzlauer Berg zu Gast.

Bevor das wissenschaftliche Programm startete, wurde es politisch: Göpner-Fleige und Ermler beleuchteten die Rolle der Selbstverwaltung. Dabei stellten sie die Frage, wie sich die Zahnärzteschaft vor dem Hintergrund der wachsenden Belastungen für Praxen stärker in gesundheitspolitische Entscheidungen einbringen kann.

Göpner-Fleige verwies in einem Gedankenexperiment auf den „Schleier des Nichtwissens“ des US-Philosophen John Rawls: Wie würden wir das Gesundheitssystem gestalten, wenn wir nicht wüssten, welchen Platz wir selbst darin einnehmen? Aus dieser Perspektive lohne es sich auch anzuerkennen, dass Deutschland trotz der bestehenden Fehlentwicklungen und Reformbedarfe über eine sehr gute medizinische und zahnmedizinische Versorgung verfügt.

Moderne Zahnmedizin ist Teamarbeit – gemeinsam und geschlossen

Gleichzeitig stehe der Berufsstand wirtschaftlich, regulatorisch, personell und emotional zunehmend unter Druck, insbesondere durch Bürokratie und zahlreiche Vorgaben, deren zusätzlicher Nutzen nicht immer erkennbar sei. Gesundheitspolitik dürfe deshalb nicht über die Köpfe derjenigen hinweg gemacht werden, die die Versorgung täglich organisieren und erbringen. Göpner-Fleige: „Die Expertise der Zahnärzteschaft muss frühzeitig in politische Entscheidungen einbezogen werden.“

Und auch innerhalb des Berufsstands brauche es Engagement, Beteiligung und eine starke geeinte Stimme, um die eigenen Interessen selbstbewusst zu vertreten. Bei allen berufspolitischen Herausforderungen dürfe der eigentliche Anlass der Dental Berlin dabei aber nicht aus dem Blick geraten: Fortbildung, fachliche Expertise, Neugier und die Bereitschaft, sich stetig weiterzuentwickeln. „Moderne Zahnmedizin ist Teamarbeit – und Veränderungen lassen sich erreichen, wenn die Zahnärzteschaft gemeinsam und geschlossen handelt.“

Ermler entwarf das Bild vom „großen Kino Zahnmedizin“ und richtete den Blick auch auf die zentralen Themen des Berufsstands, wie die Bewältigung des Fachkräftemangels, die wirtschaftliche Zukunft der Praxen und die Verstetigung der zahnärztlichen Prävention. Die Zahnmedizin genieße großes Vertrauen. Auch die bundesweite Kampagne zur Fachkräftegewinnung im ZFA-Bereich zeige große Wirkung.

Die Erfolge der Zahnärzteschaft müssen sichtbar werden

Politisch müsse sich die Zahnärzteschaft frühzeitig in politische Prozesse einbringen und ihre Erfolge sichtbar machen. Mit Blick auf die GOZ appellierte Ermler an den Berufsstand, gemeinsam für die wirtschaftlichen Interessen und die Eigenständigkeit der Zahnmedizin einzutreten.

In seinem wissenschaftlichen Vortrag zur Versorgung von Zahnverletzungen erläuterte Prof. Dr. Andreas Filippi aus Basel die entscheidenden Schritte der Erstdiagnostik und Therapie nach einem Zahntrauma. Er betonte, dass jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt eine suffiziente Erstversorgung durchführen können müsse, da Versäumnisse am Unfalltag häufig nicht mehr korrigiert werden könnten. Entscheidend seien eine sorgfältige Dokumentation mit Röntgenbildern, Trauma-Chart und klinischen Fotos sowie eine entsprechende Notfallausstattung der Praxis. Filippi empfahl, die fünf potenziell verletzten Gewebe – Zahnhartsubstanz, Alveolarknochen, Weichgewebe, Pulpa und Parodont – unabhängig voneinander zu beurteilen und gezielt zu versorgen. Besondere Bedeutung komme der korrekten Reposition von Zahn und Alveolarknochen sowie der frühzeitigen Entscheidung über eine endodontische Behandlung zu, um Komplikationen wie infektionsbedingte Wurzelresorptionen zu vermeiden.

Um Künstliche Intelligenz (KI) ging es in gleich mehreren Vorträgen. Dr. Esra Koşan (Charité Berlin) beleuchtete die Chancen und Grenzen KI-gestützter Anwendungen in der zahnärztlichen Praxis. Insbesondere bei der Röntgendiagnostik könne KI als zusätzliche Unterstützung dienen, berge jedoch auch das Risiko, dass nicht markierte Befunde übersehen werden (Automation Bias). Koşan betonte, dass eine hohe technische Genauigkeit nicht automatisch einen klinischen Nutzen bedeute: Entscheidend seien die Zuverlässigkeit, die Übertragbarkeit auf die eigene Patientenpopulation und die tatsächliche Verbesserung der Versorgung. Auch bei der automatisierten Dokumentation, der Terminverwaltung und der Patientenkommunikation müsse geprüft werden, ob KI den Praxisalltag tatsächlich erleichtere oder durch notwendige Nachkontrollen zusätzliche Arbeit verursache. Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Einsatz seien der Datenschutz, transparente Verantwortlichkeiten, ein geschultes Personal und eine kritische Überprüfung der Ergebnisse. KI werde Zahnärztinnen und Zahnärzte nicht ersetzen, sondern sie dort sinnvoll unterstützen, wo sie einen nachweisbaren Mehrwert biete.

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