„Am Anfang dachte ich, dass ich für The Voice of Germany nicht krass genug wäre!“
Die 31-Jährige wuchs in einer Großfamilie auf – sie hat zehn Geschwister zwischen 14 und 37 Jahren. „Natürlich war es nicht immer einfach, das kann sich jeder denken. Aber ich glaube, dass mich das für meine persönliche Entwicklung sehr geprägt hat. Man lernt früh, Verantwortung zu übernehmen, Rücksicht auf andere zu nehmen, Kompromisse einzugehen und sich auch mal durchzusetzen“, sagt sie.
Warum haben Sie sich bei TVOG angemeldet?
Vanessa Weiser: Ich singe ja schon immer unheimlich gerne. Früher habe ich oft bei Schulfeiern gesungen, heute singe ich ab und zu für Freunde und Bekannte auf Hochzeiten und Taufen. Mein Herz geht auf, wenn ich andere Menschen mit meiner Stimme berühren kann. Das allerschönste Kompliment ist für mich immer, wenn jemand vor Rührung weint. Denn dann weiß ich, dass die Musik nicht einfach nur gehört wurde, sondern wirklich etwas in diesem Menschen bewegt hat.
Dieses Jahr habe ich mich dann gefragt, ob das, was ich bisher im privaten, kleinen Rahmen mache, auch auf einer großen Bühne funktioniert. Kann ich es schaffen, mit meiner Stimme ein großes Publikum mitten ins Herz zu treffen? Ehrlicherweise dachte ich am Anfang, dass ich für The Voice of Germany vielleicht nicht „krass“ genug wäre. Trotzdem habe ich mich beworben, weil ich ja eigentlich absolut nichts zu verlieren hatte. Ich wollte es lieber versuchen, als mich mein ganzes Leben lang zu fragen: „Was wäre gewesen, wenn ich es einfach gemacht hätte?“
Haben Sie vorher schon einmal bei einer anderen Casting-Sendung mitgemacht?
Meine Teilnahme bei The Voice of Germany war tatsächlich meine erste Erfahrung in dieser Hinsicht. 2017 war ich schon mal bei Antenne Bayern das „Cover der Woche“. Dafür musste man sich damals auch bewerben, aber da gab es jetzt nicht die klassische Casting-Erfahrung.
Was hat Sie bei Ihrer bisherigen Teilnahme überrascht?
Was mich besonders überrascht hat, ist, dass es sich um einen Wettbewerb handelt, der sich überhaupt nicht wie einer anfühlt. Wir alle haben dasselbe Ziel und träumen davon, „The Voice of Germany“ zu werden. Trotzdem ist das Miteinander unglaublich herzlich und harmonisch. Man unterstützt sich gegenseitig, gönnt den anderen ihre Erfolge und freut sich ehrlich füreinander. Ich finde es wahnsinnig beeindruckend zu erleben, dass man denselben Traum verfolgen kann, ohne sich dabei mit Ellenbogen zu begegnen, denn das hätte ich tatsächlich anders erwartet.
Was war bisher die beste Erfahrung in diesem Zusammenhang?
Eine der schönsten Erfahrungen mache ich gerade jetzt nach der Ausstrahlung der Blind Auditions. Ich finde es unglaublich schön zu sehen, wie viele Kandidaten unter den Videos der anderen Teilnehmer auf Social Media liebe Kommentare hinterlassen und füreinander einstehen, wenn jemand etwas Negatives schreibt. Gerade in einer Zeit, in der im Internet oft schnell und anonym geurteilt und so viel Hass verbreitet wird, finde ich diesen Zusammenhalt extrem wichtig.
Was mich besonders beschäftigt, ist die Frage, wie sehr uns die Angst vor dem „Scheitern“ manchmal davon abhält, Dinge überhaupt auszuprobieren. Man fragt sich natürlich: Was ist, wenn ich rausfliege? Was, wenn es am Ende nicht reicht? Aber eigentlich ist es doch kein Versagen, überhaupt auf dieser Bühne zu stehen und es versucht zu haben. Man muss nicht sicher sein, dass man gewinnt. Man muss sich einfach nur erst einmal trauen, überhaupt anzutreten, denn wer nicht kämpft hat ja auch überhaupt gar keine Möglichkeit zu gewinnen.
Was gibt es zum Hobby Pole Dance zu sagen?
Ich glaube, bei Pole Dance denken viele zunächst an etwas Anrüchiges und haben deshalb ein völlig falsches Bild davon. Dabei ist es ein unglaublich ästhetischer und gleichzeitig anspruchsvoller Sport, der Kraft, Beweglichkeit, Körperspannung und Koordination vereint. Man arbeitet mit dem eigenen Körpergewicht, braucht eine enorme Körperkontrolle und trainiert dabei praktisch den ganzen Körper. Für mich ist es die perfekte Kombination aus Kraftsport und Eleganz – es sieht leicht aus, ist aber alles andere als leicht. Wer es einmal selbst ausprobiert, merkt ziemlich schnell, dass das nicht nur ein bisschen sexy Rumräkeln an der Stange ist und dass der eigene Körper so viel mehr kann, als man ihm zunächst zutrauen würde.
Warum sind Sie Zahnärztin geworden – und nicht Sängerin?
Für mich schließt das eine das andere überhaupt nicht aus. Ich bin sehr gerne Zahnärztin und liebe meinen Beruf, aber genauso sehr liebe ich die Musik. Die Zahnmedizin gibt mir ein sicheres berufliches Standbein und die Möglichkeit, Menschen auf eine ganz andere Weise zu helfen, während ich durch die Musik Menschen emotional berühren kann. Natürlich stellt sich irgendwann die Frage, in welchem Umfang man beides miteinander vereinbaren kann, denn der Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Aber ich möchte mir diese Möglichkeit gar nicht nehmen, bevor ich überhaupt herausgefunden habe, was alles möglich ist. Ich muss mich nicht zwischen weißem Kittel und Bühnenlicht entscheiden, im besten Fall darf ich beides machen.
Welches Lied Weiser in der K.o.-Runde am 6. November singen wird, ist noch geheim. Natürlich auch, ob sie weiterkommt oder nicht. In der nächsten Runde stehen für die letzten acht verbleibenden Kandidaten in Team Shirin David nur zwei Plätze zur Verfügung. Wer eine Kostprobe von Weisers Gesang hören will, findet hier das Facebook-Video ihrer Performance von Florian Künstlers Lied „Kleiner Finger Schwur“.
The Voice of Germany (TVOG) ist eine deutsche Gesangs-Castingshow, die seit November 2011 von den Fernsehsendern ProSieben und Sat.1 ausgestrahlt wird. Sie basiert auf dem Castingshow-Konzept The Voice, das erstmals Ende 2010 in den Niederlanden unter dem Titel The Voice of Holland umgesetzt wurde. Aktuell läuft die 16. Staffel, die voraussichtlich am 4. oder 11. Dezember endet. Die Ausstrahlungen sind immer freitags um 20:15 Uhr. Der Gewinner/die Gewinnerin erhält als Preis in der Regel einen Plattenvertrag und ein Auto geschenkt. Zudem ist der Sieg mit der Veröffentlichung einer eigenen Single verbunden.



