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Burn-out: Zahnärzteschaft ist besonders gefährdet

von nl
Praxis

Über die Hälfte aller Zahnärztinnen und Zahnärzte leiden unter einem Burn-out-Syndrom, davon sind rund zehn Prozent besonders schwer betroffen.

Immer mehr Menschen sind von einem Burn-out betroffen, insbesondere Beschäftigte des Gesundheitswesens. Ärztinnen und Ärzte sollen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen rund doppelt so häufig erkranken [von Känel, 2017].

Über 60 Prozent aller Befragten sind emotional erschöpft

Ein spanisches Forschungsteam ging der Frage nach, wie viele Zahnärztinnen und Zahnärzte Symptome eines Burn-outs zeigen und welche Faktoren das Auftreten des Syndroms maßgeblich beeinflussen könnten. Ihre Ergebnisse zeigen, dass das weibliche Geschlecht, ein Angestelltenverhältnis, Alleinarbeit in einer Einzelpraxis und das Arbeiten in einer Praxis auf dem Land mit einem höheren Burn-out-Risiko verbunden sind.

Definition Burn-out

Die Autorinnen und Autoren beschreiben das Entstehen eines Burn-outs als einen schleichenden Prozess und als ein multidimensionales Konstrukt, dass aus verschiedenen Dimensionen beziehungsweise Phasen besteht. Die erste Phase wird als „Emotionale Erschöpfung“ beschrieben, in deren Zentrum Müdigkeit und Kraftlosigkeit stehen. In der zweiten Phase, der „Depersonalisierung“, steht die emotionale Entfremdung von der Arbeit sowie Zynismus im Vordergrund, während in der dritten Phase eine herabgesetzte Leistungsfähigkeit einhergeht.

In der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Krankheit wie folgt definiert: „Burn-out ist ein Syndrom, das durch chronischen Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist durch drei Dimensionen gekennzeichnet: 1) Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung; 2) zunehmende mentale Distanz zur eigenen Arbeit oder Gefühle von Negativismus oder Zynismus in Bezug auf die eigene Arbeit; und 3) ein Gefühl von Ineffizienz und mangelnder Leistung. Burn-out bezieht sich speziell auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwendet werden."

Die Ergebnisse wurden kurz vor Beginn der Pandemie anhand von Daten einer Online-Umfrage ermittelt. Insgesamt nahmen 1.298 spanische Zahnärztinnen und Zahnärzte daran teil, was rund 3,4 Prozent der Zahnärztschaft in Spanien entspricht. Dafür wurde der Maslach Burnout Inventory (MBI) verwendet, der in der Klinik am häufigsten zur Beurteilung des Burnout-Levels herangezogen wird. Die Auswertung zeigte, dass rund 61 Prozent der Befragten hohe Werte in der ersten Phase („Emotionale Erschöpfung“) aufwiesen, während rund 46 Prozent hohe Werte in der zweiten Phase („Depersonalisierung“) hatten. Insgesamt zeigten fast 10 Prozent ein hohes Burn-out-Niveau.

Berufserfahrung macht gelassener

Interessant ist, dass Jüngere sowie Berufsanfänger häufiger Symptome eines Burn-outs zeigten als Ältere und solche mit mehr Erfahrung. Die AutorInnen glauben, dass mit mehr Erfahrung auch eine höhere Gelassenheit und Sicherheit einhergeht. So könnte die eigene Arbeit nach jahrelanger Erfahrung besser beurteilt werden und sich eine Akzeptanz einstellen, die es erlaube, sich von Idealvorstellungen zu lösen.

Überdies waren Frauen häufiger von Burn-out-Symptomen betroffen.  Gleiches gilt für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in Praxen auf dem Land arbeiten. Allerdings war der Anteil der Teilnehmenden in Landpraxen deutlich geringer, weshalb es hier zu einer Verzerrung der Ergebnisse gekommen sein könnte.

Angestellte zeigten in der Umfrage ebenfalls ein häufiger Burn-out-Symptome als Praxiseigentümer. Dies könnte vermutlich an dem Druck liegen, sich vor dem Arbeitgeber beweisen zu wollen. Alleinarbeit wirkte sich ebenfalls negativ aus, während bei der Arbeit in einer Gemeinschaftspraxis anscheinend von dem Austausch mit den Kollegen profitiert wurde, erklären die Forschenden. Die Anzahl der Arbeitsstunden schien indes keine besondere Rolle zu spielen.

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