Deutscher Ärztinnenbund fordert Maßnahmen gegen Machtmissbrauch
Laut Deutschem Ärztinnenbund (DÄB) sind Machtmissbrauch, Sexismus, Grenzverletzungen und sexualisierte Diskriminierung in deutschen Kliniken und medizinischen Einrichtungen „nach wie vor allgegenwärtig“. Es handele sich dabei nicht um isolierte Einzelfälle oder rein individuelles Fehlverhalten.
Hierarchien und Abhängigkeiten begünstigen Machtmissbrauch
„Vielmehr wird Machtmissbrauch durch strukturelle Bedingungen, wie überholte, starre Hierarchien, persönliche Abhängigkeiten in der medizinischen Weiterbildung, intransparente Entscheidungs- und Beschwerdewege begünstigt“, heißt es in der Erklärung, die der DÄB während seiner Mitgliederversammlung am 16. Oktober 2026 in Hannover einstimmig verabschiedet hat.
Die Folgen von Machtmissbrauch reichen nach Auffassung des DÄB weit über das individuelle Leid der Betroffenen hinaus: Er behindere die berufliche Entwicklung, begünstige Karriereabbrüche hochqualifizierter Ärztinnen, verschärfe den Fachkräftemangel und gefährde die Qualität von Forschung, Wissenschaft und letztlich auch der Patientenversorgung.
Strukturelle Konsequenzen statt Lippenbekenntnisse
Lippenbekenntnisse reichten nicht mehr aus. Mit der Erklärung fordert der DÄB die Ärzteschaft, medizinische Einrichtungen, Standesorganisationen und die Politik auf, bestehende Machtgefälle kritisch zu hinterfragen und verbindliche strukturelle Konsequenzen einzuleiten.
„Wer in der Medizin Führungsverantwortung übernimmt, trägt auch Verantwortung für die Menschen, die ihm anvertraut sind. Eine Kultur, in der Grenzüberschreitungen verharmlost oder aus falsch verstandener Kollegialität verschwiegen werden, darf es nicht länger geben“, betonte Prof. Dr. med. Barbara Puhahn-Schmeiser, Co-Präsidentin des DÄB. „Wir brauchen eine Medizin, in der Respekt, psychologische Sicherheit und Gleichberechtigung nicht nur eingefordert, sondern im beruflichen Alltag selbstverständlich gelebt werden.“


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