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Zusammenarbeit mit der Initiative Beyond Fluorid

Dr. Wolff unterstützt Fluoridgegner

mg
Gesellschaft
Seit Ende 2025 wirbt „Beyond Fluorid“ in Fußgängerzonen und sozialen Medien ohne viel Erfolg für Zahnpasten mit Hydroxylapatit. Jetzt kündigt Hersteller Dr. Wolff aus Bielefeld an, die Initiative zu unterstützen.

Dass die Initiative Beyond Fluorid kein starker Player in der öffentlichen Debatte um vermeintliche Gesundheitsrisiken von fluoridhaltiger Zahnpasta ist, verrät ein Blick auf ihre Social Media-Aktivitäten: Beim Kurznachrichtensdienst X hat sie 0 Follower, ihr erfolgreichstes TikTok-Video wurde in sechs Monaten 239-mal angeschaut, 657 Nutzer folgen ihr auf Instagram, und bei Facebook erhält sie auf manche ihrer Posts einen einzigen Like. Dennoch steigt mit Dr. Wolff jetzt der wichtigste deutsche Hersteller von Hydroxylapatit-Zahnpasten bei ihr ein.

Dr. Wolff sitzt künftig bei „Beyond Fluorid“ im Beirat

Der Leiter der Forschung und Entwicklung bei Dr. Wolff, Dr. Erik Schulze zur Wiesche, soll nämlich künftig dem wissenschaftlichen Beirat der Initiative Beyond Fluorid angehören, wie uns das Unternehmen per E-Mail bekanntgab. Die zm hatten eigentlich wissen wollen, ob es in der Vergangenheit eine – wirtschaftliche – Zusammenarbeit von Dr. Wolff mit der Initiative gab. Auf diese Frage erhielten wir keine Antwort, stattdessen wurde uns diese Personalie mitgeteilt.

Der aktuelle Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats, Dr. Wolfgang Heubisch, war bis 2008 als niedergelassener Zahnarzt in München tätig und in der Politik für die FDP aktiv. So war der fast 80-Jährige von 2008 bis 2013 bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, außerdem bis 2023 Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Auch in der Berufs- und Standespolitik bekleidete Heubisch diverse Ämter – als Fluoridgegner fiel er nicht auf. Heute aber rät er Eltern auf Facebook eindringlich: „Lasst das Fluorid in den Zahncremes weg!“

Warum wird ein bayerischer Staatsminister a.D. Fluoridgegner?

Auch die stellvertretende Vorsitzende, Zahnärztin Dr. Johanna Graf, warnt vor der Akkumulation von Fluoriden im Körper. Sie ist Anfang 30, seit Kurzem Mutter, wie sie bei Facebook berichtet, und praktiziert im 3.800-Seelen-Dorf Ittling bei Straubing. Als Leiterin des Arbeitskreises Zahnmedizin der Deutschen Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie (DGUHT) äußert sie sich für die DGUHT ausführlich zu angeblichen gesundheitlichen Belastungen durch Amalgam, Titan, Kunststoff-Füllungsmaterialien, Bondern und Fluoriden.

Am 4. März kommentierte die Initiative in einem offenen Brief den Testbericht der Stiftung Warentest zu Kinderzahnpasten. Die Tester hatten kritisiert, dass jede dritte Kinderzahnpasta zu wenig Fluorid enthielt (zm berichtete). Beyond Fluorid hielt es dagegen für wenig nachvollziehbar, „dass in der Testsystematik Kariesprophylaxe nahezu ausschließlich über Fluorid bewertet wird und die diskutierten Risiken außer Acht gelassen werden“. Dabei betont Beyond Fluorid, ihr gehe es „ausdrücklich nicht um eine Polarisierung der Debatte, sondern um einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten Dialog über Bewertungsmethodik, Nutzen-Risiko-Abwägung sowie die Berücksichtigung wissenschaftlich untersuchter Alternativen".

Dahinter stehen kommerzielle Interessen

Antwort erhielt die Initiative von Univ.-Prof. Michael J. Noack, früherer Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Universitätsklinikum der Universität zu Köln. Seinen ebenfalls offenen Brief richtete er persönlich an Heubisch. „Es ist für mich höchst beunruhigend und in weiten Teilen empörend, mit welcher Intensität derzeit versucht wird, seit Jahrzehnten klinisch bewährte Fluoridverbindungen infrage zu stellen. Nach meinem Eindruck ist ein erheblicher Teil dieser Bewegung durch kommerzielle Interessen und gezieltes Marketing mitbedingt, namentlich durch Anbieter fluoridfreier Dentalprodukte", schreibt er.

Noack hält es für besorgniserregend, „wenn aggressive Marketingstrategien und Angst‑Vermarktung genutzt werden, um klinisch erfolgreiche Fluoridpräparate in Misskredit zu bringen, obwohl belastbare klinische Daten für Alternativen fehlen. Solche Praktiken spielen mit den Sorgen von Eltern und können das Vertrauen in evidenzbasierte Prävention untergraben“.

Wenn Kampagnen von Herstellern unterstützt werden, so Noack weiter, sei Transparenz „über Finanzierungsquellen und mögliche Interessenkonflikte geboten“. Fragen der zm zu ihrem Auftraggeber, der Finanzierung der Initiative sowie der Rolle der Dr. Wolff-Gruppe ließ die PublishingGroup bis zuletzt jedoch unbeantwortet.

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