„Durch die farbenfrohen Werke wollen wir den sterilen Praxisalltag aufbrechen“
Warum haben Sie sich für diesen Künstler und die ausgewählten Skulpturen entschieden?
Dr. Felix Nolzen: Den Künstler Wuzz Baldner habe ich während meines Studiums in Köln für mich entdeckt. Da ich es gerne bunt mag, sind mir seine Arbeiten aufgefallen. Die Werke wurden speziell für unsere Praxis angefertigt. Wir sind 2016 von einer 3-Zimmer-Praxis in größere Räumlichkeiten umgezogen und benötigten etwas für die kahlen weißen Wände. Der Künstler ist aktuell leider nicht mehr aktiv. Galerien wollen offenbar eher kleinere Objekte mit hohen Stückzahlen. Die Werke waren für die breite Masse zu opulent und zu aufwendig. Wir hoffen aber, dass Baldner sich für uns noch einmal ins Atelier begibt, damit wir weitere Räume mit seinen Werken verschönern können.
Wie lief die Installation der Werke ab?
Die kleineren Werke erhielten wir komplett vormontiert. Beim Hai waren mehrere Arbeitsschritte erforderlich: Das Werk besteht aus einzelnen farbigen Platten. Sie wurden gegen Ende der Umbauarbeiten in den neuen Praxisräumen vor Ort assembliert und auf der Rückseite zusammengeschraubt. Im Anschluss wurde die Form im Ganzen ausmodelliert und nach einer Trocknungsphase erneut in Einzelteile zersägt, wofür die Platten auseinander geschraubt wurden. Danach erfolgte die Kolorierung. Diese Vorgehensweise ermöglicht die sogenannte gesprengte Hängung, bei der alle Elemente einzeln und verstreut über eine Fläche montiert werden. Über Anordnung und Auswahl der Farben hat der Künstler selbst entschieden. Beim Hai folgen sie dem Spektrum des Regenbogens – mit der Zusatzfarbe Magenta. Sie symbolisieren die Friedensflagge und strahlen Harmonie aus. Damit ihre Strahlkraft lange erhalten bleibt, werden die Objekte einmal im Jahr professionell gereinigt.
Was möchten Sie mithilfe seiner Kunst in Ihrer Praxis erreichen?
Durch die farbenfrohen Werke wollen wir den sonst sehr sterilen Praxisalltag aufbrechen und nach Möglichkeit mit unseren Patientinnen und Patienten über die Skulpturen ins Gespräch kommen.
Klappt das?
Vor allen Dingen mit Kindern. Sie sind besonders von der großen Hai-Skulptur fasziniert. Über ihn kann man mit den Kleinen vor dem Gang ins Behandlungszimmer spielerisch ins Gespräch kommen. Ich sage dann immer so was wie: „Schau mal, der Hai hat auch Zähne – und er hat sogar einen Goldzahn.“ Das Suchspiel nach dem Goldzahn hilft gerade bei ängstlichen Kindern sehr, das Eis zu brechen. Interessant finde ich, dass der Goldzahn bisher noch keinem Erwachsenen aufgefallen ist. Von ihnen werden wir hingegen oft auf die Dimensionen des Objekts angesprochen.
Was verbinden Sie persönlich mit den Kunstwerken?
Der Hai schlägt für mich die Brücke zu meinem Arbeitsfeld: die menschlichen Zähne. Um den zahnmedizinischen Bezug herzustellen, wollte ich, dass der Hai ein menschliches Gebiss erhält. Wuzz Baldner benötigte dafür eine Vorlage und so habe ich kurzerhand einen Gipsabdruck meines Gebisses zur Verfügung gestellt. Ich habe also in gewisser Weise einen ganz persönlichen Bezug zu der Skulptur.
Welchen Stellenwert hat Kunst generell für Sie?
Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres sozialen Zusammenlebens. Sie schafft Verbindung und vermag es manchmal sogar, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Sie inspiriert und hilft dem Betrachter abzuschalten. Zuhause haben meine Frau und ich zwei weitere Werke mit einem etwas gesellschaftskritischeren Hintergrund. Die Werke in der Praxis sind eher mit Witz zu verstehen. Wie zum Beispiel der kleine Pinguin mit dem großen gefährlichen Messer, der eine echte Totalprothese trägt. Und auch der Hai der durch die schiere Größe imponiert und durch das verschmitzte Lächeln und die bunten Farben dann doch ganz harmlos wirkt.
Das Gespräch führte Susanne Theisen.






