DAK-Pflegereport

Finanzierung der Pflege steht vor dem Kipppunkt

sth
Politik
Höhere Beiträge zur Pflegeversicherung kommen voraussichtlich schon 2025 auf die Versicherten in Deutschland zu, prognostiziert die Krankenkasse DAK-Gesundheit in ihrem heute vorgestellten Pflegereport.

Bereits für das vierte Quartal 2024 zeichnen sich demnach deutliche Finanzierungslücken ab, teilte die drittgrößte deutsche Krankenversicherung heute mit. Für den Pflegereport hatten Forschende vom Institut AGP Sozialforschung die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf das Pflegesystem untersucht. Problematisch: Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Rahmen des DAK-Pflegereports sagten nur 41 Prozent der Deutschen, dass sie höhere Beitragssätze akzeptieren würden.

Von 11.750 Fachkräften bleiben 5.600 bundesweit 2030 übrig

Auch das mahnt der DAK-Pflegereport an: Durch das anstehende Ausscheiden der Baby-Boomer aus dem Berufsleben ist die Personalsituation in der Pflege in Deutschland massiv bedroht. So schmelze bundesweit die Arbeitsmarktreserve in der beruflichen Pflege bis 2030 auf 0,5 Prozent ab. Für 2025 liegt die Prognose bei 9.664 Renteneintritten, denen 36.004 Berufseinsteiger gegenüberstehen – das entspreche einer Arbeitsmarktreserve von 2,0 Prozent. Diese bereits äußerst dünne Personaldecke halbiere sich 2027 auf 1,0 Prozent: "Statt einer Reserve von 26.340 Pflegekräften stehen dann rechnerisch lediglich 11.752 Arbeitskräfte zur Verfügung. 2030 gehe die Reserve noch einmal um die Hälfte auf 5.619 Kräfte zurück, was 0,5 Prozent entspricht“, meldet die DAK-Gesundheit. In den nächsten zehn Jahren müssten daher fast in jedem Bundesland 20 Prozent des Pflegepersonals ersetzt werden.

Die Generation der Baby-Boomer sieht die DAK-Gesundheit aber auch als Teil der Lösung. Dafür seien neue Formen gegenseitiger Unterstützung wichtig, die eine solidarische Pflege vor Ort sicherstellten, betont Studienleiter Prof. Thomas Klie: „Wir als immer älter werdende Gesellschaft benötigen Modelle ,geteilter Verantwortung‘, die intelligente Verschränkungen von professioneller Pflege, informeller Sorge und zivilgesellschaftlicher Initiative ermöglichen – wie etwa in ambulant betreuten Wohngemeinschaften praktiziert.“ Benötigt werde eine Mixtur aus nachberuflicher Erwerbstätigkeit und bürgerschaftlichem Engagement, um einen Beitrag zur Stabilisierung der Pflege zu leisten.

Die Bereitschaft dafür sei vorhanden, teilte die DAK-Gesundheit mit. Aus der Allensbach-Befragung gehe hervor, dass mehr als 50 Prozent der über 40-Jährigen bereit sind, Nachbarn, Freunde und Bekannte bei Pflegebedürftigkeit regelmäßig im Alltag zu unterstützen.

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