Jahrestagung Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin

Gesucht: Lösungen für ambulant versorgte Patienten

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Politik
Wie "pflegefit" ist die GOZ? Bei der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin (DGAZ) in Königstein im Taunus stand die aufsuchende Betreuung im Mittelpunkt – ambulant und stationär in Pflegeeinrichtungen.

Dass zu einer verantwortungsbewussten Betreuung älterer PatientInnen regelmäßige termingerechte Besuche, eine der Wissenschaft angepassten Therapie sowie die Kooperationen mit Pflegekräften, ÄrztInnen und Angehörigen gehört, betonte DGAZ-Prä sidentin Prof. Dr. Ina Nitschke, MPH, in ihrer Eröffnungsrede.

Zahl an Kooperationsverträgen hat sich fast verneunfacht

Martin Hendges, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), zeigte die positive Entwicklung in der aufsuchenden Versorgung: So hat sich die Zahl an Kooperationsverträgen von 713 im Jahr 2014 auf 6.251 im Jahr 2021 fast verneunfacht. Der Abdeckungsgrad beträgt laut Hendges rund 40 Prozent, wobei starke regionale Unterschiede bestehen. Spitzenreiter sind demnach die Kammerbereiche Westfalen-Lippe und Hamburg mit einem bdeckungsgrad von mehr als 60 Prozent.

Die Abrechnungsdaten zeigen Hendges zufolge, dass die Bewohner eines Wohnheims mit Kooperationsvertrag systematischer und zielgerichteter versorgt werden. Die altersbezogene Leistungsbeanspruchung wächst in der Quote deutlich. Im Vergleich zur Alterskohorte sei dies eine gegenläufige Entwicklung. Es komme zu einer Morbiditätskompression, also einem Behandlungsbedarf, der sich zunehmend in die älteren Kohorten und damit in den Bereich der Seniorenzahnmedizin verschiebe.

Die GOZ muss "pflegefit" werden

Christoph Benz, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZ Ä K), zog ebenfalls eine positive Bilanz: „Die Pflegezahnmedizin ist angekommen." Die Veröffentlichung des Expertenstandards und die neue Leitlinie „Zahnmedizinische Behandlung von geriatrischen Patienten“ verdeutlichten, dass die aufsuchende zahnmedizinische Versorgung sich zunehmend in allen Bereichen der Medizin und Wissenschaft etabliert.

Die Seniorenzahnmedizin stehe aber bislang noch vor der Herausforderung, Lösungen für die ambulant versorgten Patienten zu gestalten. Benz forderte, dass die GOZ dringend „pflegefit” gemacht werden muss. „Die Pflegezahnmedizin ist dank des großen Engagements vieler Akteure sehr gut aufgestellt, der Bedarf ist aber noch lange nicht gedeckt”, schloss Benz.

Wurzelkariesprävention: von CHX bis Probiotika

Prof. Dr. Carolina Ganß aus Gießen betonte zu „Antibakterielle Wirkstoffe in der zahnärztlichen Therapie – eine Chance zur Unterstützung der Mundgesundheit bei pflegebedürftigen Patienten, dass in der Seniorenzahnmedizin besonders die Wurzelkaries relevant sei. Hier k ö nnte Chlorhexidin bei fehlender professioneller Mundhygiene eine positive Wirkung haben, auch wenn die Beweise schwach seien.

Eine Studie aus 2022 habe zudem gezeigt, dass Xylit im Vergleich zu anderen Produkten bei der Kariesprä vention nützlich sein könnte, obwohl seine klinische Wirksamkeit in Bezug auf die Nettowerte umstritten sei. Sowohl Arginin als auch die Verwendung von Probiotika seien in den letzten zehn Jahren auf besonderes Interesse gestoßen, aber der anfängliche Enthusiasmus habe nachgelassen, da es noch keine überzeugenden Beweise gebe, die ihre wirksame Verwendung empfehlen, sagte Ganß.

Im speziellen Fall der Probiotika wurden mehrere stark heterogene klinische Studien ver ö ffentlicht. Grund dafür könnten laut Ganß große Unterschiede in der Anzahl der verabreichten probiotischen Stämme, sowie verschiedene Darreichungsformen und Kontrollzeiten sein.

das Projekt Mund-Pflege-3d für Pflegekräfte

Dr. Elmar Ludwig schilderte das Projekt Mund-Pflege-3d, bei dem mit animierten Clips Pflegekräften die Durchführung der Mundhygiene bei Pflegebedürftigen erläutert werden soll. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Vermeidung von Aspirationen und der ergonomischen Durchführung. Im Vortrag „Zur zahnärztlichen Behandlung von Menschen mit schwerer Demenz” von Dr. Julia Jockusch, M.Sc. und Prof. Dr. Ina Nitschke, MPH, wurden die Ergebnisse einer explorativen und deskriptiven Studie an Demenzkranken vorgestellt.

PD Dr. Dr. Greta Barbe stellte unter anderem das Mundpflegeservice-Angebot der Universität Köln vor, das untersucht, welche Auswirkungen „regelmäßiges professionelles Zähneputzen” auf die Mundgesundheit hat – eine Putzeinheit dauert dabei 15 Minuten.

Der Zahnstatus ist bereits vor Einzug ins Pflegeheim defizitär

Im Rahmen der DGAZ-Tagung wurde Dr. Dr. Hans-Peter Willenborg für seine Dissertation mit dem Titel „Zahnmedizinische Befunde und mundgesundheitsbezogene Lebensqualität bei pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren” der Preis für SeniorenzahnMedizin verliehen. Willenborg erhob in einer longitudinalen Studie den Zahnstatus, Pflegeparameter und die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität von SeniorInnen. Im Ergebnis zeigte sich, dass – entgegen der etablierten Ansicht – Zahnstatus und Zahnpflege bereits beim Übergang von der häuslichen Betreuung in eine stationär-pflegerische Einrichtung defizitär sind, nicht erst im Pflegeheim.

Mit dem Verlust an Mobilität beginnt auch oftmals der Verlust an zahnpflegerischer Kontrolle, erklärte Willenborg. Das Pflegepersonal in stationären Einrichtungen übernimmt Zahnbefunde in die pflegerische Verantwortung. Dies führt häufig zur Überforderung der Pflegekräfte und kann nicht ohne die Hilfe professioneller, zahnmedizinischer Leistungserbringer korrigiert werden, lautete das Fazit des Preisträgers.

Im Rahmen der Jahrestagung legten neun Mitglieder der DGAZ die Prüfung zum Spezialisten oder zur Spezialistin für Seniorenzahnmedizin ab.

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