Amnesty International

Gravierende Risiken bei Corona-Apps aus Bahrain, Kuwait und Norwegen

Gesellschaft
Die deutsche Corona-Warn-App ist am Start. Amnesty International (AI) hat im Zuge dessen die Apps von anderen elf Ländern untersucht – und bei einigen „gravierende Verstöße gegen Menschenrechte“ festgestellt.

Das Security Lab von Amnesty International betrachtete die Corona-Apps zur Kontaktverfolgung von Algerien, Bahrain, Frankreich, Island, Israel, Katar, Kuwait, dem Libanon, Norwegen, Tunesien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten und bewertete sie anschließend von „problematisch bis gefährlich“. Allgemein kritisiert die NGO, dass wesentliche Grundsätze bei der Erstellung der Tracing-Apps nicht berücksichtigt werden. Regierungen und Hacker kämen so leicht an die Bewegungsprofile der Nutzer heran.

Dagegen schneidet die deutsche App in dem internationalen Vergleich hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre gut ab, vor allem, weil ihre Nutzer nicht getrackt und geortet werden können, berichtet die Menschenrechtsorganisation. So werden die Nutzerdaten als eine der zentralen Auflagen zum Datenschutz dezentral gespeichert, was es Hackern und Behörden schwerer macht, diese zu abzufangen und zuzuordnen.

Apps dienen in diesen Staaten als potenzielle Massenüberwachungsinstrumente

Die Apps "BeAware Bahrain" aus Bahrain, "Shlonik" aus Kuwait und "Smittestopp" aus Norwegen offenbarten sich hingegen "auf alarmierende Weise als potenzielle Massenüberwachungsinstrumente". Sie verstoßen massiv gegen den Menschenrechtsschutz,kritisiert die Organisation. Ihre Anwendung zeige sich im Vergleich am invasivsten und stelle eine empfindliche Gefahr für die Privatsphäre dar, denn sie speichern die Bewegungsprofile der Nutzer in Echtzeit mit den gesammelten GPS-Daten zentral. Norwegen zog die App „Smittestopp" inzwischen zurück.

Aber auch bei der französischen App mangele es an Transparenz und die lückenhafte Datensicherheit ermöglichen Dritten leichten Zugang bei Datentransfer via Bluetooth. In Katar, Bahrain und Kuwait müssten Nutzer ihre nationalen ID-Nummer bei der Registrierung angeben und sind so leicht von Behörden zu zuordnen.  

Die deutsche App schützt die Privatssphäre

Die App für Deutschland zeige indes klare Unterschiede beim Schutz der Privatsphäre. Sie beruht auf der freiwilligen Nutzung, ist transparent und speichert die Daten dezentral. Der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, Markus N. Beeko, betont: „Es ist gut, dass nach einer offenen Diskussion die deutsche App eine dezentrale Datenspeicherung, Freiwilligkeit und Transparenz vorsieht. Das ist einem demokratischen Rechtstaat angemessen und ist Grundlage für das notwendige Vertrauen in die Nutzung der Technologie“.

Bei den Bestrebungen, möglichst schnell eine App als technologisches Hilfsmittel zur Kontaktverfolgung und Pandemie-Eindämmung zu programmieren, dürfe der Schutz der Privatsphäre nicht vernachlässigt werden. Eine entsprechende Gesetzesgrundlage könne verhindern, dass die Funktionen der App in Zukunft schleichend ausgeweitet werden oder die Freiwilligkeit eingeschränkt wird. "Mit einer dezentralen, Bluetooth-basierten App und einer die Menschenrechte schützenden gesetzlichen Grundlage könnte Deutschland weltweit mit gutem Vorbild vorangehen", erklärte Beeko.

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