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KBV veröffentlicht Arztzahlstatistik

Mehr Ärzte – aber weniger Zeit für Patienten

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Politik
Zwar steigt die absolute Arztzahl pro Kopf in der ambulanten Versorgung anhaltend, dennoch wird die für die Patientenversorgung zur Verfügung stehende Zeit knapper. Dies geht aus der Arztzahlstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das Jahr 2025 hervor. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Ärzte und Psychotherapeuten eine Anstellung oder Teilzeitbeschäftigung bevorzugen – vor allem jüngere.

Demnach nahmen im vergangenen Jahr insgesamt 191.875 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Gegenüber 2024 entspricht das einem Zuwachs um 2.324 Personen beziehungsweise 1,2 Prozent. Während die Zahl der ärztlichen Leistungserbringer nur leicht um 0,7 Prozent stieg, legte der Bereich der Psychotherapie mit 3,7 Prozent deutlich stärker zu.

Trotz steigender Kopfzahlen nimmt die tatsächlich verfügbare Arztzeit jedoch ab. Grund dafür ist vor allem ein struktureller Wandel der Arbeitsformen: Immer mehr Medizinerinnen und Mediziner – insbesondere jüngere – bevorzugen eine Anstellung oder arbeiten in Teilzeit. So sank die Zahl der Vertragsärzte und -psychotherapeuten mit eigener Praxis im Jahr 2025 auf 122.903 (2024: 123.752). Gleichzeitig stieg die Zahl der Angestellten von 55.604 auf 58.877.

Teilzeitmodelle gewinnen weiter an Bedeutung

Mehr als 70.000 Ärzte und Psychotherapeuten arbeiteten 2025 nicht in Vollzeit. Setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort, könnte laut KBV bereits 2039 eine Mehrheit in Teilzeit tätig sein. Nach Berechnungen der KBV würden in den kommenden zwei Jahrzehnten rund 25.000 heute vollzeitbeschäftigte Ärztinnen und Ärzte aus der ambulanten Versorgung ausscheiden. Um deren Kapazität zu ersetzen, wären etwa 50.000 Teilzeitkräfte notwendig.

„Arztpraxen sind keine beliebig verfügbare Ressource“, sagte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, zu den Daten. Damit die Versorgung in Deutschland erhalten bleibe, müsse die Politik unbedingt für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, anstatt die Niedergelassenen mit „unausgereiften Sparvorschlägen oder zusätzlichen Belastungen zu verschrecken“. Das viele junge Ärztinnen und Ärzte zur Anstellung oder Teilzeit tendieren, müsse als Entwicklung ernst genommen werden.

Besonders angespannt bleibt die Lage in der hausärztlichen Versorgung

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, verwies darauf, dass gerade bei der hausärztlichen Versorgung die Zahlen einen kontinuierlichen Rückgang nachweisen würden. Zwar stieg die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte leicht um 0,6 Prozent auf 55.778. Aufgrund zunehmender Teilzeit sank die Zahl der vollen Hausarztsitze jedoch um 0,1 Prozent. Bundesweit seien derzeit rund 5.000 Hausarztsitze unbesetzt.

Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Ärzteschaft weiter. Das Durchschnittsalter lag 2025 bei 53,9 Jahren und ist damit leicht gesunken. Zudem setzt sich der Trend zu einem höheren Frauenanteil fort: 53,2 Prozent sind mittlerweile weiblich – zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 44,1 Prozent.

Aus Sicht der KBV sind bessere Rahmenbedingungen notwendig, um die ambulante Versorgung langfristig zu sichern. Dazu zählen insbesondere weniger Bürokratie, verlässliche Arbeitszeitmodelle, planbare Vertretungsstrukturen sowie eine funktionierende digitale Infrastruktur. Nur so lasse sich die Niederlassung für kommende Generationen attraktiv halten und der steigende Versorgungsbedarf künftig bewältigen.

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