Negativpreis für Listerine

Mundspülung ist „Mogelpackung des Monats“

mg
Gesellschaft
Hersteller Johnson & Johnson erhält von der Verbraucherzentrale Hamburg den Negativpreis „Mogelpackung des Monats September“ für die Mundspülung Listerine. Dank verkleinerter Flasche wird das Produkt mindestens 20 Prozent teurer.

Die neue Flasche enthält nur noch 500 statt 600 Milliliter, schreiben die Verbraucherschützer in ihrer Mitteilung. Im Handel werde das Produkt aber „teilweise teurer verkauft, sodass es zu einer doppelten Preiserhöhung von bis zu 33,5 Prozent kommt.“ Die Flasche selbst ist schmaler geworden, der reduzierte Inhalt falle jedoch nur im direkten Vergleich zur alten Mundspülung auf. Gleichzeitig sei die Angabe der Füllmenge nicht mehr so gut sichtbar wie beim alten Verpackungsdesign.

Der US-Konzern Johnson & Johnson verwies gegenüber der Verbraucherzentrale auf Kostensteigerungen „insbesondere bei den Rohstoff- und Produktionskosten“. Ein schwaches Argument, befinden die Verbraucherschützer. Schließlich bestehe die Mundspülung überwiegend aus Wasser. Der Hersteller erklärte außerdem, dass mit dem reduzierten Inhalt auch die unverbindliche Preisempfehlung herabgesetzt wurde.

Handel sorgt für zusätzliche Preiserhöhung

Auch wenn in den vergangenen Monaten viele Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Listerine eingegangen sind, vermuten die Verbraucherschützer, dass die meisten „die Shrinkflation bei dem Produkt wohl gar nicht bemerkt haben. Der Anbieter hat nämlich versucht, die versteckte Preiserhöhung besonders gut zu vertuschen.“ Denn die neue Flasche ist gleich hoch und optisch gleich gut gefüllt.

Würde der geschrumpfte Inhalt zum gleichen Preis angeboten werden, heißt es weiter, „läge die versteckte Preiserhöhung nur bei 20 Prozent.“ Doch einige Händler wollten offenbar ihre Marge auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher erhöhen: Kaufland beispielsweise bietet die neue Flasche der sogenannten Premium-Variante Listerine Total Care für 4,95 Euro statt wie bisher für 4,45 Euro an. „Unterm Strich beträgt die doppelte Preiserhöhung 33,5 Prozent.“ Die Basis-Variante Listerine Cool Mint Mild sei dagegen bei Edeka weiterhin für den alten Preis von 3,95 Euro erhältlich, weshalb die Mundspülung hier nur um 20 Prozent teurer wird.

Zahl der Fälle von „Shrinkflation“ auf Rekordniveau

2023 hat die Verbraucherzentrale eine Rekordzahl an versteckten Preiserhöhungen in ihrer Mogelpackungsliste veröffentlicht. Bis zum 25. August waren es 75 Produkte, die mit Hilfe der Verbraucherinnen und Verbraucher entlarvt werden konnten. Da zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres erst 50 Mogelpackungen dokumentiert waren, gehen die Verbraucherschützer davon aus, dass in der Jahresbilanz für 2023 deutlich mehr versteckte Preiserhöhungen enthalten sein werden als 2022.

„Shrinkflation ist anscheinend eine beliebte Methode, um Preiserhöhungen zu verschleiern“, lautet die Schlussfolgerung. Die Menge an eingegangenen Beschwerden war im ersten Halbjahr 2023 in jedem Fall so groß wie nie zuvor: Rund 2.000 Verbraucherinnen oder Verbrauchern meldeten über das entsprechende online-Formular eine Mogelpackung.

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