MVZ-Kette in Hamburg dicht – Patienten stehen vor verschlossenen Türen
Medienberichten zufolge hatte die MVZ-Kette Miamedes wirtschaftliche Probleme, die bereits seit Monaten bekannt gewesen seien. Wie der NDR heute berichtete, seien die Website und der Geschäftsführer von Miamedes nicht mehr erreichbar, die Telefone abgestellt. Bei ehemaligen Praxen des Betreibers, zum Beispiel im Hamburger Stadtteil Steilshoop, hätten Patientinnen und Patienten vor verschlossenen Türen gestanden.
„Derzeit gehen wir vor dem Hintergrund der uns vorliegenden Informationen davon aus, dass die noch zur Betreibergesellschaft gehörenden Praxen nicht mehr an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen und teilnehmen werden“, teilte die KV Hamburg uns heute mit.
„Die Patienten sind verzweifelt“
„Die Hausärztliche Versorgung ist durch die Insolvenz von Miamedes in Steilshoop nicht mehr wirklich vorhanden“, warnte Dr. Mike Müller-Glamann, Sprecher des beratenden Fachausschusses Hausärztliche Versorgung der KV Hamburg, auf LinkedIn. Ihm zufolge wurden etwa 5.000 Patientinnen und Patienten in den Praxen von Miamedes in den Hamburger Stadtteilen Steilshoop, Bramfeld und Barmbek versorgt. Sie könnten nicht plötzlich in der Nähe Hausärzte finden, die in dieser Zahl Patienten aufnehmen.
„Die Patienten sind verzweifelt“, schrieb Hausarzt Müller-Glamann. Sein Vorschlag: Die KV solle selbst ein MVZ gründen. Dann könne die KV selbst Arztsitze aufkaufen und sie nach einer Übergangszeit an selbstständige Ärztinnen und Ärzte weitergeben, schrieb Müller-Glamann auf LinkedIn.
Die Weiterversorgung der Menschen ist laut KV gesichert
Nach Auskunft der KV Hamburg ist eine KV-Eigeneinrichtung derzeit jedoch nicht vorgesehen. Umliegende Praxen hätten bereits in den vergangenen Monaten zahlreiche betroffene Patientinnen und Patienten übernommen und damit die Weiterversorgung dieser Menschen gesichert, teilte ein Sprecher mit.
In einem Umkreis mit einem Radius von drei Kilometern um das Zentrum von Steilshoop versorgen demnach derzeit 69 Hausärzte sowie hausärztlich tätige Internistinnen an insgesamt 40 Standorten die Patienten. Diese würden auch schon immer von Patientinnen und Patienten aus Steilshoop aufgesucht, so die KV. Patienten auf der Suche nach einer Praxis könnten sich unter anderem an die Arztsuche der KV oder an die 116117 wenden.
Und was passiert mit den vertragsärztlichen Sitzen? Dazu teilte die KV Hamburg mit: „Entscheidungen zur Zukunft der jeweiligen vertragsärztlichen Sitze liegen in der Verantwortung der Betreibergesellschaft und des Zulassungsausschusses. Der KV liegen hierzu derzeit keine Erkenntnisse vor.“
Neu sind finanzielle Probleme der 2018 gegründeten Miamedes Medienberichten zufolge nicht. Schon im Herbst 2025 hatte es demnach Praxisschließungen und vereinzelte Verkäufe von Einrichtungen gegeben. Damals waren auch mehrere Standorte im Hamburger Randgebiet geschlossen worden.


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