SHIP-Studie wird mit sechster Untersuchungswelle fortgeführt
Seit dem Beginn der Langzeitstudie im Jahr 1997 begleiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald mehrere tausend Menschen aus Vorpommern über Jahrzehnte hinweg medizinisch und zahnmedizinisch. Für die aktuelle Untersuchungsrunde werden bis zu 1.000 Probandinnen und Probanden erwartet. Die Teilnehmer sind heute zwischen 47 und 102 Jahre alt und wurden größtenteils bereits fünfmal im Rahmen der Studie untersucht. Bislang haben 925 Personen an allen fünf bisherigen Untersuchungswellen teilgenommen, weitere rund 150 Teilnehmer haben höchstens eine Untersuchungsrunde ausgelassen.
„Die außergewöhnliche Langzeitbeteiligung vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist eine der größten Stärken unserer Studie“, betonte Studienleiter Prof. Dr. Henry Völzke vom Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. „Sie ermöglicht es uns, Veränderungen der Gesundheit über Jahrzehnte hinweg zu verfolgen und Ursachen von Krankheiten sehr viel präziser zu analysieren.“
Die Untersuchungen der sechsten Runde sollen voraussichtlich bis Ende Oktober 2026 abgeschlossen sein.
Neue Untersuchungsrunde mit bewährtem Programm und neuen Modulen
Das Untersuchungsprogramm von SHIP-START-5 kombiniert bereits etablierte klassische medizinische und zahnmedizinische Untersuchungen wie Messungen von Körpergröße und Gewicht, Ultraschalluntersuchungen, zahnmedizinische Diagnostik sowie ausführliche medizinische Interviews mit neuen wissenschaftlichen Modulen. Neu in dieser Untersuchungswelle sind unter anderem ein standardisiertes Kopfschmerzinterview sowie eine Untersuchung der Funktionen des Gehirns (transkranielle Magnetstimulation). Zusätzlich werden wieder umfangreiche Zusatzuntersuchungen angeboten, darunter eine Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Untersuchungen der Herz-Kreislauf- und Lungenleistung in der Klinik für Innere Medizin B der Universitätsmedizin Greifswald.
Das gesamte Untersuchungsprogramm dauert etwa 4,5 Stunden; mit MRT-Untersuchung rund 5,5 bis 6 Stunden. Etwa die Hälfte der erwarteten Teilnehmenden erhalten eine zusätzliche MRT-Untersuchung. „Durch die Kombination aus bewährten Standarduntersuchungen und innovativen Methoden können wir Veränderungen der Gesundheit über lange Zeiträume hinweg beobachten und gleichzeitig neue wissenschaftliche Fragestellungen untersuchen“, erläuterte Prof. Dr. Henry Völzke. „Gerade diese Verbindung aus Kontinuität und Innovation macht den besonderen Wert von SHIP aus.“
Seit Beginn der Studie sind enorme Datenmengen zusammengekommen. Bis Ende 2025 wurden in SHIP insgesamt 27.796 Blutproben, 24.176 Urinproben, 8.744 MRT-Untersuchungen, 22.360 Herz-Ultraschalluntersuchungen sowie 24.567 Schilddrüsen-Ultraschalls erhoben und ausgewertet. Diese Daten bilden eine einzigartige Grundlage für die medizinische Forschung weltweit.
Der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Dr. Karlhans Endlich, hob die Bedeutung der Studie für den Wissenschaftsstandort Greifswald hervor. „SHIP ist eines der bedeutendsten epidemiologischen Forschungsprojekte in Deutschland und ein zentraler Motor für die Gesundheitsforschung in Greifswald. Die gewonnenen Daten tragen dazu bei, Krankheiten besser zu verstehen, Prävention zu verbessern und medizinische Versorgung langfristig zu optimieren.“
SHIP-NEXT abgeschlossen: Daten für Zoonosenforschung erwartet
Parallel zur Vorbereitung von SHIP-START-5 wurde zum 31. Dezember 2025 die erste Untersuchungswelle der neuen Bevölkerungsgruppe SHIP-NEXT abgeschlossen. Seit Mai 2021 wurden dabei 4.395 Probandinnen und Probanden im Alter von 20 bis 85 Jahren untersucht.
Ein besonderer Schwerpunkt lag erstmals auf dem One-Health-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet. Insgesamt rund 34 Prozent der Studienteilnehmenden hielten Haustiere. In knapp 600 Hausbesuchen konnten mehr als 1.000 Tiere untersucht werden, darunter etwa 400 Hunde, 450 Katzen sowie rund 250 Geflügel wie beispielsweise Hühner, Enten, Gänse und Tauben. Neben tiermedizinischen Untersuchungen und Interviews zur Tierhaltung wurden umfangreiche Blut- und Abstrichproben entnommen. Die Untersuchungen erfolgten direkt in den Haushalten der Teilnehmer. Ziel ist es, die Häufigkeit und Risikofaktoren von Zoonosen besser zu verstehen.
„Mit dem One-Health-Ansatz erweitern wir die klassische Bevölkerungsmedizin um eine wichtige Dimension“, erklärte Prof. Dr. Carsten Oliver Schmidt, Stellvertretender Leiter der Abteilung SHIP – Klinisch-epidemiologische Forschung am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. „Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Empfehlungen für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Haus- und Nutztieren zu entwickeln.“
Die umfangreichen Daten aus SHIP-NEXT werden derzeit überprüft und aufbereitet. Die wissenschaftlichen Analysen sollen voraussichtlich im Mai 2026 beginnen und erste Ergebnisse liefern. Eine erste Folgeuntersuchung der SHIP-NEXT-Teilnehmenden ist in etwa drei bis vier Jahren angedacht. Ob dabei erneut Tieruntersuchungen stattfinden können, wird derzeit noch geprüft.
Langzeitstudie mit internationaler Bedeutung
Das SHIP-Projekt zählt zu den umfangreichsten bevölkerungsbezogenen Gesundheitsstudien weltweit. Die Daten werden in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsprojekten genutzt. „Unser Ziel ist es, aus den gewonnenen Daten Erkenntnisse zu entwickeln, die sowohl der Wissenschaft als auch direkt der Bevölkerung zugutekommen“, so Studienleiter Prof. Dr. Henry Völzke. „Langzeitstudien wie SHIP sind unverzichtbar, um Ursachen von Krankheiten zu verstehen und wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln.“



