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Australische Krebsforscher sammeln Indizien für Karzinogenität

Vaper haben ein erhöhtes Krebsrisiko

mg
Medizin
Eine umfassende australische Studie hat ergeben, dass Vaping wahrscheinlich Lungen- und Mundhöhlenkrebs verursacht – noch bevor Langzeitstudien das genaue Risiko bestätigen können.

Die Studie, die eine Vielzahl globaler Forschungsarbeiten analysiert, wurde von Prof. Bernard Stewart von der Universität Neusüdwales (UNSW) geleitet. Beteiligt waren außerdem Forschende der Universität Queensland, der Flinders University, der University of Sydney sowie der Krankenhäuser Royal North Shore, The Prince Charles und der Sunshine Coast University. Das Team brachte Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammen, darunter Apotheker, Epidemiologen, Thoraxchirurgen und Forschende im Bereich der öffentlichen Gesundheit, schreibt die UNSW.

Unter Berücksichtigung aller Erkenntnisse aus klinischer Beobachtung, Tierstudien und mechanistischen Daten verursachen E-Zigaretten wahrscheinlich Lungenkrebs und Mundhöhlenkrebs.

Studienleiter Prof. Bernard Stewart

„Nach unserem Kenntnisstand ist diese Übersicht die bislang eindeutigste Feststellung, dass Vaper im Vergleich zu Nicht-Vapern ein erhöhtes Krebsrisiko haben“, sagt Prof. Stewart. Diese Übersicht zur Karzinogenität argumentiert, dass Forschende sich zwar lange Zeit auf das Vapen als Einstieg in das Rauchen konzentriert haben, der Frage, ob die Geräte selbst Krebs verursachen könnten, jedoch weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Nach Angaben der UNSW handelt es sich um einen der bislang detailliertesten Versuche, festzustellen, ob das Dampfen an sich – unabhängig vom Tabakrauchen – Krebs verursachen kann. Die Analyse fasst klinische Studien, Tierversuche und Laboruntersuchungen zusammen, in denen die von E-Zigaretten freigesetzten Chemikalien untersucht wurden.

Das quantitative Risiko werden erst Langzeitstudien liefern können

Stewart merkt an, dass die Übereinstimmung der Ergebnisse über alle Disziplinen hinweg zwar auffällig sei, die genaue Zahl der darauf zurückzuführenden Krebsfälle jedoch unklar bleibe. „Unsere Bewertung ist qualitativ und beinhaltet keine numerische Schätzung des Krebsrisikos oder der Krebsbelastung. Das genaue Risiko können wir erst bestimmen, sobald Langzeitstudien vorliegen.“

„E-Zigaretten sind nicht unbedenklich“

„Allgemein anerkannte Bewertungen der Karzinogenität von Substanzen auf Basis der wissenschaftlichen Datenlage werden üblicherweise von Expertengruppen vorgenommen, die von der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (International Agency for Research on Cancer, IARC) eingesetzt werden. Eine solche Bewertung für E-Zigaretten liegt bislang nicht vor, es ist aber zu erwarten, dass die IARC in den kommenden Jahren eine solche Bewertung beauftragen wird", sagt Prof. Dr. Ute Mons, Leiterin der Abteilung Primäre Krebsprävention, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einem Statement zur Studie.

Würde man die in der australischen Studie dargestellte Evidenz nach der Logik der IARC bewerten, wäre die derzeitige Datenlage am ehesten mit einer Einstufung als „möglicherweise karzinogen für den Menschen“ (Gruppe 2B) vereinbar, sagt Mons, „da Hinweise auf Tumorentwicklung aus Tierstudien sowie Befunde aus Tier- und Laborstudien vorliegen, die verschiedene krebserzeugende Mechanismen stützen. Für eine höhere Einstufung scheint die Datenlage noch nicht konsistent genug und nicht ausreichend stark.“

Bislang fehlten überzeugende epidemiologische Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko bei Personen belegen, die ausschließlich E-Zigaretten verwenden. Dafür gebe es zwei wesentliche Gründe: "Zum einen sind die Beobachtungszeiträume oft noch zu kurz, da Krebsentstehung ein komplexer Prozess ist, der sich über viele Jahre bis Jahrzehnte erstreckt. Zum anderen haben die meisten Personen, die regelmäßig E-Zigaretten nutzen, zuvor über längere Zeit herkömmliche Zigaretten geraucht. Daher lassen sich die Effekte des E-Zigarettenkonsums nur schwer von denen des Zigarettenrauchens trennen.“

Da die Menge und Konzentration krebserzeugender Substanzen im Aerosol von E-Zigaretten in der Regel deutlich geringer ist als im Rauch herkömmlicher Tabakzigaretten, argumentiert Mons, „ist davon auszugehen, dass auch das karzinogene Potenzial von E-Zigaretten geringer ist als das von Tabakzigaretten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass E-Zigaretten als unbedenklich einzustufen sind.“

E-Zigaretten kamen Anfang der 2000er Jahre auf den Markt und waren ab etwa 2008 in Australien erhältlich. In der frühen Vermarktung wurden sie als „sicherere“ Alternative zu Tabakzigaretten sowie als mögliche Hilfe zur Raucherentwöhnung dargestellt. Doch die bunten, aromatisierten Geräte von heute haben sich schnell und weit verbreitet, insbesondere unter jungen Menschen.

Das Dampfen ist mittlerweile vor Schulen, Bars und Bahnhöfen nicht nur in Australien ein alltäglicher Anblick. Die australische Regierung hatte bereits 2023 neue Gesetze zur Regulierung von E-Zigaretten eingeführt. Einweg-E-Zigaretten und nicht-therapeutische E-Zigaretten sind seitdem verboten, während therapeutische E-Zigaretten nur in Apotheken verkauft werden dürfen – und zwar ausschließlich, um Menschen bei der Raucherentwöhnung zu helfen.

„E-Zigaretten sind ein Einstieg in Krebserkrankungen“

„E-Zigaretten gelten als Einstieg in das Rauchen und damit in Krebserkrankungen“, sagt Mitautor Freddy Sitas, Associate Professor an der UNSW. „Inwieweit sie jedoch selbst Krebs verursachen können, hat in der Forschung bisher nicht so viel Beachtung gefunden“, sagt er. Die Beweislage sei über alle Bereiche hinweg bemerkenswert konsistent gewesen, erklärt er. „Sie ergab bereits jetzt eine eindeutige Erkenntnis, auch wenn es Jahrzehnte dauern wird, bis sich Studien am Menschen angesammelt haben, die das Risiko abschätzen.“

Das Rauchen wird seit mehr als einem Jahrhundert untersucht. Obwohl E-Zigaretten relativ neu sind, wird das Einatmen nikotinhaltiger Aerosole bereits mit Sucht, Vergiftungen, Atemwegsverletzungen und Verbrennungen in Verbindung gebracht. Während Forscher auf langfristige Bevölkerungsstudien warten, die zeigen, ob Menschen, die dampfen, ein erhöhtes Krebsrisiko haben, müssen sie sich auf zahlreiche andere Arten von Belegen stützen.

Statt erfolgreicher Entwöhnung bringt Vapen oft Dual-Use

Das Team identifizierte zahlreiche krebserregende Verbindungen in E-Zigaretten-Aerosolen, darunter flüchtige organische Chemikalien und Metalle, die aus den Heizspiralen freigesetzt werden. Sie untersuchten verschiedene Arten von Belegen: Biomarker bei Menschen, die auf DNA-Schäden, oxidativen Stress und Gewebeentzündungen hindeuten; Experimente an Mäusen, die Lungentumore auslösten; sowie Laborstudien, die Zellschäden und gestörte biologische Signalwege im Zusammenhang mit Krebs nachweisen.

Es gibt zudem immer mehr Hinweise darauf, dass viele Raucher, die auf E-Zigaretten umsteigen, nicht mit dem Rauchen aufhören, schreibt die UNSW. „Die meisten, die E-Zigaretten nutzen, um mit dem Rauchen aufzuhören, landen in einer ‚Dual-Use-Limbo‘, unfähig, sich von einer der beiden Gewohnheiten zu lösen“, sagt Sitas.

Forschung sollte schneller arbeiten als beim Thema Rauchen

Sitas und Stewart stellten Parallelen zwischen den frühen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Rauchen mit Krankheiten in Verbindung brachten, und den aufkommenden Bedenken hinsichtlich des Vapings fest: Es dauerte fast ein Jahrhundert wissenschaftlicher Forschung – von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum wegweisenden Bericht des US-Gesundheitsministerium im Jahr 1964 – bevor Rauchen offiziell als Ursache für Lungenkrebs anerkannt wurde. In dieser Zeit wurden frühe Warnzeichen oft abgetan oder übersehen.

Er sagt, dass sich nun beim Vapen möglicherweise dasselbe Muster abzeichnet – und dass Forscher die Verzögerung, die beim Rauchen auftrat, nicht wiederholen sollten. „E-Zigaretten wurden vor etwa 20 Jahren eingeführt. Wir sollten nicht weitere 80 Jahre warten, um zu entscheiden, was zu tun ist.“

Stewart et al., The carcinogenicity of e-cigarettes: a qualitative risk assessment, Carcinogenesis, Volume 47, Issue 1, 2026, bgag015, https://doi.org/10.1093/carcin/bgag015

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