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Künstliche Intelligenz in der Patientenversorgung

Welche Fragen stellen Ärzte der KI?

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Praxis
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Eine große US-Studie hat erstmals untersucht, wie häufig und wofür Mediziner künstliche Intelligenz in der Patientenversorgung einsetzen, aus welchen Fachgruppen sie kommen und wie dieser Trend zu deuten ist.

Die US-Querschnittsstudie erfasste im Zeitraum vom 1. Januar 2024 bis zum 30. Juni 2026 Ärzte in den USA, die über verifizierte Konten bei der weit verbreiteten KI-gestützten klinischen Informationsplattform „OpenEvidence“ verfügten. Mithilfe eines großen Sprachmodells wurden der klinische Zweck und die Themenbereiche einer geschichteten Zufallsstichprobe von 38,8 Millionen Suchanfragen klassifiziert.

Insgesamt reichten 952.008 medizinische Fachkräfte in den USA während des 2,5-jährigen Untersuchungszeitraums 271 Millionen KI-gestützte klinische Abfragen ein. Mehr als die Hälfte der Nutzer in der Stichprobe (556.200) waren Ärzte. Sie stellten durchschnittlich 37 Gesuche pro Monat. Ärzte am Anfang ihrer Karriere (Nutzungsquote: 2,54) sowie Ärzte in den Fachgebieten Onkologie und Hämatologie (2,00), Innere Medizin (1,88) und Allgemeinmedizin (1,80) hatten einen überdurchschnittlich hohen Anteil an den Abfragen. Ein Drittel (33,1 Prozent) der Erkundigungen betrafen Behandlung und Management, knapp ein Siebtel (13,9 Prozent) die Diagnose.

Laut der Studie stieg die Zahl der monatlich aktiven OpenEvidence-Nutzer zwischen Januar 2024 und Juni 2026 von 355 auf 703.265. In diesem Zeitraum stellten die an der Studie beteiligten Fachkräfte 270 Millionen Anfragen an die Plattform.

Spiegelt der Zugriff auf KI den Generationswechsel wider?

Die Wissenschaftler um Vishal Patel vom Mass General Brigham in Massachusetts verglichen auch die Anzahl der Anfragen einzelner Fachrichtungen im Vergleich zur gesamten Ärzteschaft. Einige Fachrichtungen generierten überproportional viele Anfragen. So stellten Onkologen und Hämatologen 3,8 Prozent der Anfragen, obwohl ihr Anteil an der Ärzteschaft lediglich 1,9 Prozent beträgt. Internisten kamen auf 27,3 Prozent der Gesuche, wiewohl sie nur 14,5 Prozent ausmachen. Andere Fachrichtungen, darunter Radiologie, Orthopädie und Augenheilkunde, fragten die KI dagegen weniger als ihnen zuzurechnen war.

Im Ergebnis setzt eine Vielzahl von Medizinern KI in der Klinik ein. Die Forscher stellten fest, dass die Nutzung sowohl hinsichtlich der Geschwindigkeit als auch des Ausmaßes der Einführung dramatisch zugenommen hat. Dies stand im Gegensatz zu den Forschungsergebnissen zu elektronischen Patientenakten, bei denen das Tempo der Einführung langsam war und erst nach staatlichen Vorschriften wirklich in Gang kam.

„Jeder ist sich des enormen Potenzials der KI bewusst, die Art und Weise der medizinischen Praxis zu verändern, doch derzeit liegen uns nur begrenzte Informationen darüber vor, wie viele Ärzte sie einsetzen, wofür sie sie nutzen und wie sich dies auf die Patienten auswirkt“, erläutert der korrespondierende Autor Anupam Jena, Professor für Medizin an der Harvard Medical School und am Massachusetts General Hospital.

KI wird oft bei Therapiefragen jenseits des eigenen Fachs konsultiert

KI-gestützte klinische Informationsplattformen werden demnach besonders oft von Assistenzärzten, jungen Fachärzten und Spezialisten ohne interventionelle Spezialisierung, besucht – eine Verteilung, die den Autoren zufolge einen Generationswechsel im Such- und Zugriffsverhalten von Ärzten auf klinisches Wissen widerspiegeln könnte. Dabei suchten sie vorwiegend Informationen zu Behandlungs- und Medikamentenentscheidungen.

Die Daten zeigten zudem, dass die Anfragen häufiger der Unterstützung von Behandlungsentscheidungen als der Diagnose dienten und dass die Fragen oft Themen betrafen, die außerhalb des Fachgebiets des jeweiligen Arztes lagen. Häufig wollten sie dabei alternative oder neue Behandlungsmöglichkeiten erkunden. So stellten Chirurgen beispielsweise oft Fragen, die nichts mit Operationen zu tun hatten, wie das Forschungsteam herausfand. Der Umfang der Nutzung variierte je nach Art des Klinikers, Fachgebiet und Karrierestufe. „Zwei wichtige Erkenntnisse sind, dass eine enorme Anzahl von Ärzten KI für die klinische Versorgung einsetzt und dass sie diese oft in Bereichen nutzen, in denen sie über keine spezifischen Fachkenntnisse verfügen", berichtet Jena.

„Diese Muster unterscheiden sich von den diagnostischen Aufgaben, die in aktuellen Evaluierungen klinischer KI im Vordergrund stehen“, resümieren die Autoren. „Diese Ergebnisse unterstreichen die wachsende Bedeutung KI-gestützter klinischer Informationsplattformen in der klinischen Praxis und legen nahe, dass Erkenntnisse zur Evaluierung, Vermittlung und Integration von KI in die klinische Medizin durch empirische Studien zu deren Anwendung in der Praxis gestützt werden sollten.“

KI integriert sich unvergleichlich schnell in den klinischen Alltag

„KI-Tools haben sich schneller in den klinischen Alltag integriert als fast jede andere Technologie, die wir bisher gesehen haben, aber bisher lagen uns nur sehr wenige Daten darüber vor, wie Ärzte sie tatsächlich einsetzen“, bilanziert Patel. „Diese Studie vermittelt uns einen ersten Eindruck davon, wo diese Tools in die klinische Entscheidungsfindung passen und wo wir als Nächstes ihre Genauigkeit und ihre Auswirkungen auf die Patientenversorgung untersuchen müssen.“

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden daher untersuchen, ob der Einsatz dieser Instrumente die klinische Versorgung verbessert.

Patel VR, Finlayson SG, Liu-Hass M, et al. Clinician Use of an Artificial Intelligence–Enabled Clinical Information Platform. JAMA. Published online October 15, 2026. doi:10.1001/jama.2026.21868

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