Studie zeigt

Lebensmittel: Eltern unterschätzen Zuckergehalt - und verdoppeln Übergewichtsrisiko ihrer Kinder!

Wie viel Zucker steckt im Erdbeerjoghurt? Eine aktuelle Studie zeigt, dass die meisten Eltern den Zuckergehalt von beliebten Lebensmitteln massiv unterschätzen und dass diese Unterschätzung mit einem doppelt so hohen Übergewichtsrisiko für die Kinder einhergeht.

Der Zuckergehalt eines handelsüblichen 250-Gramm-Erdbeerjoghurts liegt bei rund elf Zuckerwürfeln - und wurde durchschnittlich von den befragten Eltern auf vier geschätzt. Fotolia - alexeg84

Die aktuell im International Journal of Obesity veröffentlichte Studie zeigt, dass sich die Eltern besonders bei den Nahrungsmitteln und Getränken vertun, die allgemein für gesund gehalten werden - wie Joghurt oder Orangensaft. Lediglich bei Müsliriegeln und Ketchup überschätzten mehr Eltern den tatsächlichen Zuckergehalt.

Durchgeführt wurde die Studie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Universität Mannheim. Die Forscher fragten, wie gut Eltern den Zuckergehalt von verschiedenen Nahrungsmitteln und Getränken einschätzen können und setzten die Ergebnisse dann in Relation mit dem Body-Mass-Index (BMI) der Kinder.

Insgesamt nahmen 305 Eltern-Kind-Paare an der Studie teil, die Kinder waren zwischen 6 und 12 Jahre alt. Das Ergebnis der Untersuchung: Mit der elterlichen Zuckerunterschätzung verdoppelt sich das Übergewichtsrisiko ihrer Kindern.

Die Eltern absolvierten Zuckerschätzaufgaben am Computer, bei denen ihnen Bilder von sechs gängigen Nahrungsmitteln und Getränken gezeigt wurden: Orangensaft, Cola, Pizza, Joghurt, Müsliriegel und Ketchup. Aufgabe war, den Zuckergehalt jedes Lebensmittels in Zuckerwürfeln zu schätzen.

Es zeigte sich, dass 74 Prozent der Eltern den Zuckergehalt der meisten Nahrungsmittel und Getränke teils erheblich unterschätzten. Bei Joghurt zum Beispiel unterschätzten sogar 92 Prozent den Zuckergehalt – und das im Schnitt um sieben Würfel. Das entspricht 60 Prozent der Gesamtzuckermenge des Fruchtjoghurts.

„Eltern vermuten häufig deutlich weniger Zucker in Lebensmitteln als tatsächlich enthalten ist. Dies ist ein potenzieller Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern. So hatten die Eltern, die den Zuckergehalt unterschätzten auch häufiger übergewichtige Kinder“, sagt Erstautorin Mattea Dallacker, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich „Adaptive Rationalität“ des MPIB.

Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation:

Der Zuckerkonsum sollte laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Kinder wie auch Erwachsene nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Erwachsenen etwa 16 Zuckerwürfeln à 3 Gramm Zucker; bei sieben- bis zehnjährigen Kindern etwa 15 Zuckerwürfel. In Deutschland ist die verzehrte Menge fast doppelt so hoch.

Die Studienergebnisse sind laut Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs „Adaptive Rationalität“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, alarmierend, wenn man bedenke, dass Eltern 70 Prozent der Nahrungsmittel steuern, die Kinder konsumieren.

Eltern müssen als Ernährungsentscheider über den Zuckergehalt im Essen und Trinken Bescheid wissen!

„Es ist wichtig, dass Eltern als Ernährungsentscheider über den Zuckergehalt von Lebensmitteln und Getränken Bescheid wissen", betont Hertwig. "Nur so können sie den kindlichen Zuckerkonsum regulieren und eine gesunde Ernährung bieten."

Transparente und auf den ersten Blick verständliche Kennzeichnungen, könnten Eltern dabei helfen, den jeweiligen Zuckergehalt ohne große Mühen zutreffend einzuschätzen: "Dies könnte beispielsweise durch ein Ampelsystem – was sicher noch nicht perfekt ist – oder das aus Skandinavien bekannte Keyhole-Siegel, welches Produkte mit weniger Fett, Zucker und Salz kennzeichnet, geschehen.“

Dallacker, M., Hertwig, R., & Mata, J. (2018). Parents’ considerable underestimation of sugar and their child’s risk of overweight. International Journal of Obesity. doi:10.1038/s41366-018-0021-5

35 Kilogramm Zucker essen die Deutschen pro Jahr und Kopf – mehr als doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Der Wert bildet jedoch nur den Konsum von Haushaltszucker ab. Hinzu kommt ein steigender Verbrauch von Mono- und Disacchariden, die Lebensmitteln zugesetzt werden – und zunehmend zum Problem werden.

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