Gesellschaft

Schmuck aus menschlichen Zähnen

Lucie Majerus ist eine junge Designerin aus Luxemburg. Sie entwirft Human Ivory: Schmuck aus menschlichen Zähnen. Die meisten Leute finden ihre Kunst ästhetisch, hat sie uns erzählt. Nur wenige gruseln sich. Was ist mit Ihnen?

Zähne am Ohr oder Schmuckstück aus menschlichem Elfenbein? Ob man die Entwürfe von Lucie Majerus als Kunst oder mit Grausen wahrnimmt, hängt von der eigenen Perspektive ab. Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers

Extravagante Manschetten Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Weiß auf Elfenbein Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Dezente Krawattennadel Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Dekorative Brosche Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Exotik am Ohr Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Ästhetik aus Knochen und Stahl Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Filigran gearbeitete Einzelstücke Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Human Ivory-Variationen Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers
Human-Ivory-Lucie-Majerus-photo-Matan-Bellemakers

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schmuck aus menschlichen Zähnen zu entwerfen?

Lucie Majerus: Während meiner Recherche zu "knappen und im Überfluss vorhandenen Materialien" stieß ich auf den Widerspruch zwischen den Abfallbergen in der Fleischindustrie einerseits und dem Elfenbeinmangel andererseits - das hat mich fasziniert. Schließlich haben nicht nur Elefanten Zähne, aber die Zähne von Kühen oder Schweinen schätzen wir nicht. Als ich dann meine eigene Weisheitszähne verlor, erinnerte mich an die Idee mit dem menschlichen Elfenbein. Und fragte mich: Warum schätzen wir nicht unser eigenes Material?.

Was hat es mit Ihrer Kunst auf sich?

Mit diesem Projekt möchte ich die konventionelle Vorstellung von Kostbarkeit infrage stellen - und lade dazu ein, unser eigenes Material wertzuschätzen. Die Idee ist auch, einen Moment des Verlusts zu einer positiven Erfahrung zu machen. "Human Ivory" ist eine egalitäre Schmuckkollektion, bei der der Körper durch seine eigenen Juwelen verziert wird - und zwar mit als solche erkennbaren Zähnen in Perlenform. Durch die sorgfältige Transformation in ein Schmuckstück ruft der Zahn beim Betrachter keinen Ekel hervor, sondern wirkt als ästhetischer Schmuck.

Wo nehmen Sie die Zähne her?

Für den Ring habe ich meine eigene Weisheitszähne verwendet. Zwei meiner Lehrer von der Design Academy Eindhoven gaben mir außerdem ihre aufbewahrten Zähne - für sie habe ich als Test persönlichen Schmuck entworfen. Und ich fragte meinen Zahnarzt, ob er adulte Zähne für mich sammelt. Die Idee ist aber, dass die Menschen mir ihre eigenen Zähne schicken, und ich daraus für sie persönlichen Schmuck mache.

Wie wird der Schmuck hergestellt?

Früher habe ich alle Zähne verwendet: Unsere Molaren sind groß genug, um daraus Perlen in allen möglichen Formen anzufertigen, und da Schneidezähne länger sind, eignen sie sich für tropfenartige Formen. Ich reinige die Zähne in Bleichmittel, bevor ich sie mit einem Steinpoliermaschine glätte. Löcher repariere ich - wie ein Zahnarzt - mit einem weißen Füllstoff. Inspiriert von der japanischen Philosophie über die Schönheit des Unvollkommenen spiele ich mit dem Gedanken, dass wir noch schöner durch unsere eigene Unvollkommenheit werden. Eine Perle ist nach wie vor schön, wenn sie eine sichtbare Reparatur aufweist.

Die Zähne sind der härteste Teil des menschlichen Körpers, aber sie sind weicher als Steine. Da sie sehr klein sind, braucht man viel Geduld und Liebe zum Detail, um an ihnen zu arbeiten. Auch ist jeder Zahn verschieden in Form, Größe und Stärke - das muss ich jedes Mal bedenken.

Mögen die Leute Ihren Schmuck?

Meine Lehrer als Tester fanden die Transformation vom Zahn zum Schmuckstück wirklich spannend. Im Oktober habe ich mein Projekt auf der Dutch Design Week vorgestellt. Überraschenderweise waren die meisten Menschen nicht durch den Anblick des Zahnschmucks angeekelt, sondern sie mochten die Idee. Einige bedauerten, dass sie ihre Zähne nicht aufbewahrt hatten und andere, denen eine Zahnextraktion bevor stand, freuen sich nun auf diese positive Perspektive.

Und was kommt als Nächstes?

Ich möchte das Projekt fortsetzen und mich um Aufträge für maßgeschneiderten Schmuck bemühen. Vielleicht könnte dieses Konzept auch die traumatischen Aspekte einer Zahnextraktion verringern? Außerdem treibt mich die Frage um, wie ich als Designer menschliche Zähnen außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes im Mund einen Wert geben kann. Vielleicht könnte diese neue Haltung auch ein Statement gegen die illegale Wilderei von Elefanten-Elfenbein sein.
 
 
 

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