Medizin

Akute Hepatitis C: Heilung nach sechs Wochen

Eine neue Studie der Deutschen Leberstiftung zeigt erstmals, dass mit den neuen Interferon-freien Medikamenten auch eine akute Hepatitis C ausheilen kann - sogar schneller als die chronische Hepatitis C, die aktuell acht bis zwölf Wochen behandelt werden muss.

An der weltweit ersten Studie zur Interferon-freien Behandlung einer akuten HCV-Infektion mit kompletten Daten nahmen 20 Patienten aus zehn Zentren in ganz Deutschland teil, die eine akute Hepatitis C aufgrund einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus des Genotyps 1 und keine weiteren Infektionskrankheiten wie Hepatitis B oder HIV hatten.

Alle Patienten erhielten eine Kombination der Wirkstoffe Ledipasvir und Sofosbuvir in einer Tablette für sechs Wochen und wurden anschließend zwölf Wochen weiter beobachtet. Alle Patienten konnten geheilt werden und es gab keine nennenswerten Nebenwirkungen.

Die Studie prüfte zum einen, ob eins dieser beiden Medikamente auch bei der akuten Hepatitis C mit sehr hohen Leberwerten sicher eingesetzt werden kann, und zum anderen, ob eine kürzere Behandlungsdauer ausreicht.

Das Hepatitis C-Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. In den ersten sechs Monaten heilt eine akute Hepatitis in zehn bis 50 Prozent der Fälle ohne Behandlung („spontan“) aus. Sie wird nur selten erkannt, weil sie meist keine Symptome verursacht. Deshalb sind Studien zu dieser Erkrankung selten und aufwendig.


Das ABCDE der Hepatitis-Viren

Übertragung: Eine Infektion mit dem Hepatitis A-Virus gilt als „Reisekrankheit“, weil das Virus meistens über verunreinigte Lebensmittel oder kontaminiertes Wasser in den Körper gelangt. Aber auch eine Schmierinfektion durch direkten Kontakt zwischen Menschen ist möglich, selten erfolgt eine Ansteckung über Blut oder Sperma.

Verlauf: Eine Infektion mit dem Virus, die sich in Fieber oder einer „Gelbsucht“ äußert, heilt meistens von alleine aus. Sie wird nie chronisch, kann in seltenen Fällen aber auch zu einem akuten Leberversagen führen.

Behandlung: Gegen Hepatitis A gibt es keine spezifische Therapie. Eine wirkungsvolle Impfung schützt vor Hepatitis A. Sie ist besonders für Menschen zu empfehlen, die in Länder reisen, in denen Hepatitis A weit verbreitet ist, und für Berufsgruppen mit intensivem Kontakt zu anderen Personen, wie Erzieherinnen oder Krankenpfleger.

Übertragung: Das Hepatitis B-Virus ist hochgradig ansteckend und 100 mal infektiöser als HIV. Die Infektion erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel - in den meisten Fällen unbemerkt von Patient und Arzt. Das Virus kann bis zu sieben Tage außerhalb des Körpers überleben.

Häufigkeit: Hepatitis B ist für 80 Prozent der Leberkrebsfälle weltweit verantwortlich. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland 400.000 bis 500.000 Menschen an einer chronischen Hepatitis B erkrankt. Das sind acht- bis zehnmal mehr als HIV-Infizierte/Aids-Kranke. Nur jeder Vierte weiß von seiner Erkrankung.

Verlauf: Bei Erwachsenen heilt die akute Infektion in 90 bis 95 Prozent von alleine aus, bei den anderen - sehr häufig bei Säuglingen und kleinen Kindern - nimmt sie einen chronischen Verlauf. Wird die chronische Entzündung nicht behandelt, kann sie zu Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen.

Behandlung: Mittlerweile kann fast jeder Patient behandelt werden, so dass eine Viruskontrolle erreicht wird.
Eine Impfung schützt vor Hepatitis B. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sie seit 1992. Staaten wie Taiwan, die seit 1984 nationale Impfprogramme durchführen, verzeichnen deutliche Erfolge im Kampf gegen das Virus und seine Folgeerkrankungen. In Deutschland sind etwa 80 Prozent der Schulkinder geimpft, in der Gesamtbevölkerung ist die Rate wesentlich geringer.  Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt über Hepatitis B für Ärzte sowie für Betroffene und ihre Angehörigen an.

Übertragung: Im Unterschied zu Hepatitis B wird das Hepatitis C-Virus fast ausschließlich über Blutkontakte übertragen. Die Hauptinfektionswege verlaufen über die Mitbenutzung von Injektionsnadeln und über Bluttransfusionen, Blutgerinnungsfaktoren, nicht-sterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser.

Häufigkeit: Zwei Prozent der Weltbevölkerung sind schätzungsweise mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert. Es gibt aber deutliche regionale Unterschiede. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als 5 Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Ein erheblicher Teil der geschätzten 500.000 bis 800.000 Virusträger in Deutschland hat sich vor 1990 mit dem Virus infiziert, weil erst zu diesem Zeitpunkt der Erreger entdeckt und Blutprodukte auf das Virus hin getestet wurden.

Verlauf: Der weitaus größte Teil der Infizierten verspürt während der akuten Infektionsphase keine Symptome. Deshalb nehmen die meisten Infizierten ihre Infektion nicht wahr. Die Verläufe nach einer Ansteckung sind sehr unterschiedlich: Bei einem kleinen Teil von rund 20 Prozent der Patienten heilt die Infektion spontan aus. Die übergroße Mehrheit entwickelt aber einen unterschiedlich schweren chronischen Verlauf: Bei 15 bis 20 Prozent der betroffenen chronisch Kranken degeneriert die Leber zu einer Zirrhose, von ihnen bekommt wiederum ein Fünftel Leberkrebs.

Behandlung: Es gibt heute sehr gut wirkende Therapien gegen eine Hepatitis C-Virusinfektion. Innerhalb der ersten vier Monate nach Ansteckung ist die Heilungswahrscheinlichkeit am höchsten. Eine Therapie kann hier in 90 Prozent der Fälle eine Chronifizierung verhindern. Dank der Arbeit der Deutschen Leberstiftung und der Forschung des "Kompetenznetz Hepatitis" (Hep-Net) können heute die meisten Patienten mit einer chronischen Hepatitis C geheilt werden. Eine Impfung gibt es gegen Hepatitis C noch nicht. Auch für die Hepatitis C bietet die Deutsche Leberstiftung ein Informationsfaltblatt über Hepatitis C für Ärzte sowie für Betroffene und ihre Angehörigen an.

Übertragung: Eine HDV-Infektion kommt nur zusammen mit einer HBV-Infektion vor, da das Hepatitis D-Virus das Hüllprotein des Hepatitis B-Virus für seine Vermehrung braucht. Hepatitis D wird über Blut, Blutprodukte, seltener durch Geschlechtsverkehr übertragen.

Häufigkeit: Mit dem Hepatitis D-Virus sind weltweit rund zehn Millionen Menschen infiziert. Weit verbreitet ist HDV unter anderem in Teilen Afrikas, Südamerikas, Asiens und Ost- und Südosteuropas. In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 30.000 bis 50.000 Menschen betroffen.

Verlauf: Die chronische Hepatitis D ist die schwerwiegendste aller Virushepatitis-Erkrankungen. Die Entwicklung zur Leberzirrhose verläuft schnell.

Behandlung: Das Kompetenznetz Hepatitis hat die weltweit bislang größte Studie zur Therapie der Hepatitis D durchgeführt. Immerhin können jetzt rund 25 Prozent der Patienten erfolgreich behandelt werden. Einen aktiven Schutz bietet die Impfung gegen Hepatitis B.

Übertragung: Die Übertragung erfolgt über kontaminierte Nahrungsmittel und verseuchtes Wasser.

Häufigkeit: Hepatitis E ist die häufigste akute Hepatitis in einigen Ländern Asiens und Afrikas, zum Beispiel in Indien und im Sudan. Während der Regenzeiten kann sich Hepatitis E in den betroffenen Ländern deshalb zu einer Epidemie entwickeln. In Deutschland kommt Hepatitis E nur vereinzelt vor, meist als Folge einer importierten Erkrankung.

Verlauf: Eine Infektion mit dem Hepatitis E-Virus ist klinisch nicht von einer Infektion mit dem Hepatitis A-Virus zu unterscheiden. Sie verläuft häufig jedoch schwerer. Eine große Gefahr stellt das Hepatitis E-Virus für Schwangere dar. Ein Fünftel bis ein Viertel der infizierten Schwangeren stirbt an der Infektion.
Hepatitis E wird in der Regel nicht chronisch. In Ausnahmefällen können Patienten mit Immunsuppression nach einer Organtransplantation bilden. Bei ihnen wurden schon chronische Fälle beschrieben.

Behandlung: Eine Impfung befindet sich derzeit in der klinischen Testphase.


Seit 2014 stehen für die Behandlung der chronischen Hepatitis C neue Medikamente zur Verfügung, die direkt in die Vermehrung des Hepatitis C-Virus eingreifen und  ohne das bisher immer notwendige Interferon, das viele Nebenwirkungen verursacht, auskommen.

„Mit dieser Studie konnten wir zeigen, dass die neuen Medikamente auch bei Patienten mit einer akuten Hepatitis C sicher eingesetzt werden können. Das ist für die Betroffenen ein wichtiges Ergebnis“, erläutert Dr. Katja Deterding, Erstautorin der Publikation. Durch eine frühe Ausheilung der Erkrankung könne außerdem die Ansteckung weiterer Personen verhindert werden.

“Ledipasvir plus sofosbuvir fixed-dose combination for 6 weeks in patients with acute hepatitis C virus genotype 1 monoinfection (HepNet Acute HCV IV): an open-label, single-arm, phase 2 study” (Deterding K et al.)´, in: „The Lancet Infectious Diseases“ (doi: dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(16)30408-X, epub)

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