Nach Datenhack

Niedersächsische Zahnärzte fordern Verzicht auf zentrale Datenspeicherung

Die Zahnärzte für Niedersachsen e.V. (ZfN) fordern von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), auf die "zwangsweise und mit Sanktionen belegte zentrale Speicherung" durch die Telematik-Infrastruktur (TI) zu verzichten. Hintergrund: die am Freitag bekanntgewordene illegale Veröffentlichung persönlicher Daten von Politikern, Künstlern und Social-Media-Influencern.

Wie persönliche Daten geschützt werden können, betrifft jeden, Patienten wie (Zahn-)Ärzte. Adobe Stock/peshkova

Den Angriff auf Politiker und Prominente durch einen Hacker nahm der Verein zum Anlass, auf Warnungen von ärztlichen Verbänden und Datenschützern zum mangelhaften Datenschutz bei der TI hinzuweisen. Der mutmaßliche Täter nannte sich selbst "G0d"; sein Twitteraccount @_0rbit, den er zur Veröffentlichung der vertraulichen Daten nutzte, wurde am Freitag gesperrt.

ZfN: Die von Spahn favorisierten Apps für die Gesundheitsakte haben große Sicherheitsdefizite!

Der Mitteilung zufolge dränge Bundesgesundheitsminister Jens Spahn trotz zahlreicher Bedenken "alle Beteiligten im Gesundheitswesen permanent und mit ständig noch zunehmendem Nachdruck dazu, die zentrale Speicherung von digitalisierten Gesundheitsdaten weiter voranzutreiben, ohne die fatalen, irreversiblen Folgen eines mit Sicherheit zu erwartenden Datenmissbrauchs im Blick und Handeln voranzustellen".

Auch die von Spahn geforderten und favorisierten Apps für die Gesundheitsakte wiesen erhebliche Sicherheitsdefizite auf. Spätestens jetzt müsse dem Gesetzgeber die Brisanz einer zentralen Datenspeicherung bewusst werden. "Wir fordern den Bundesminister und den Gesetzgeber daher auf, sich auf die Erfordernisse eines sicheren Datenschutzes zu fokussieren und ein Umdenken einzuleiten, das nur im Verzicht auf eine zentrale Datenspeicherung münden kann", wird der ZfN-Vorstandsvorsitzende Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida, zitiert.

Ein Datenabfluss wäre irreversibel!

Das bedeute nicht den Verzicht auf Digitalisierung dort, wo die Vorteile offensichtlich und die Gefahren überschaubar bleiben, betont Bunke, der in Wietze bei Celle praktiziert. "Das bedeutet aber den Verzicht auf zwangsweise und mit Sanktionen belegte zentrale Speicherung durch die vom Bundesministerium für Gesundheit forcierte Telematik-Infrastruktur und die damit verbundene Möglichkeit des Datenabflusses und Datenmissbrauchs des gesamten bundesdeutschen Gesundheitsdatenbestandes."

Denn ein "Datenabfluss, der einer Vielzahl von daran Interessierten wirtschaftliche Vorteile verschaffen würde, wäre irreversibel" und würde den Versicherten für Jahrzehnte Schaden allein im persönlichen Umfeld zufügen.

Bunkes Stellvertreterin Zahnärztin Silke Lange unterstreicht den grundsätzlichen Modernisierungswillen von Heilberuflern: "Es trifft auch nicht zu, dass sich Deutschlands Ärzte der Digitalisierung und der Transparenz verweigern, wie es immer gerne von daran interessierter Seite unterstellt wird". Das Gegenteil sei der Fall. "Und das gilt für Zahnärztinnen und -ärzte ebenso wie für deren Körperschaften."

Wenn die Politik jetzt nicht umdenke, habe sie nach Eintritt eines "Daten-Gaus" später kein Recht auf die dann sicherlich erfolgende Erklärung, dass man solch eine Entwicklung zum Zeitpunkt des TI-Netzwerk-Rollouts nicht habe wissen können, urteilen Bunke und Lange.

"Jetzt besteht die letzte Möglichkeit, die Weichen zur Vermeidung eines Daten-Super-Gaus zu stellen!"

Sie appelieren an den Bundesgesundheitsminister: "Herr Minister Spahn, jetzt besteht die letzte Möglichkeit, die Weichen zur Vermeidung eines Daten-Super-Gaus zu stellen. Nutzen Sie diese Chance!"

Gassen: Datensicherheit fängt beim Nutzer an

Zu den jüngst bekannt gewordenen Hackerangriffen erklärt der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen:

"Das ist ein Albtraum: Hacker knacken digitale Konten und veröffentlichen große Datenmengen mehr oder minder prominenter Persönlichkeiten. Diese Geschehnisse zeigen deutlich, dass Digitalisierung kein Allheilmittel ist. Und nur, weil wir Dinge hinterfragen, sind wir nicht automatisch Blockierer, wie uns gerne von der Politik vorgeworfen wird.

Das sage ich insbesondere in Richtung der Staatsministerin Dorothee Bär. Sie hatte vor dem Jahreswechsel unter anderem erklärt, es gebe Mediziner, die jedwede Digitalisierung ablehnten, weil sie sich vor Transparenz fürchten würden. Mal abgesehen davon, dass dies Unsinn ist, denke ich mir: Diese Art von Transparenz, wie sie jetzt durch Hacker geschaffen worden ist, kann die Staatsministerin nicht gemeint haben.

Die niedergelassene Ärzteschaft unterstützt die Digitalisierung dort, wo sie für Praxen und Patienten nützlich ist. Doch wir haben es mit Gesundheitsdaten zu tun, also sehr sensiblen und sehr persönlichen Angaben.

An die Adresse der digitalbegeisterten Politiker sei gesagt: Wollen Sie irgendwann ihre Gesundheitsdaten in den Medien wiederfinden? Zudem muss bei allem digitalen Hype erst einmal ein leistungsfähiges Netz in ganz Deutschland geschaffen werden. Es reicht nicht, einfach Digitalisierung zu fordern ohne Konzepte.

Auch die Forderung nach einer Cyberpolizei, die nun reflexartig von einzelnen Politikern ins Spiel gebracht wird, ist konzeptlos. Jeder einzelne von uns ist hier gefragt: Wir sollten sinnvoll und sparsam mit unseren digital veröffentlichten Daten umgehen."

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