Umfrage

Wenn Ärzte einen Bias haben

Befangenheit, Voreingenommenheit und Vorurteile gegenüber Patienten? Ein absolutes No-Go für Ärzte. Trotzdem passiert es. Welche Facharztgruppen am meisten betroffen sind, wie sie reagieren und welche Faktoren eine Rolle spielen, zeigt eine US-Umfrage unter über 15.000 Medizinern.

"Da mich meine unbewussten Einstellungen und Wahrnehmungen beeinflussen können, überprüfe ich diese an der Sprechzimmertür und gebe mein Bestes, empathisch zu sein." Über 15.800 Ärzte aus 25 Fachgebieten in den USA nahmen an der Umfrage zum Bias gegenüber Patienten teil - und gaben überraschende Antworten. davidteamen-Fotolia.com

Auf die Frage, ob sie glauben, dass sie bestimmten Patientengruppen mit Vorurteilen begegnen, antworteten 40 Prozent der Ärzte mit Ja. Unter den Top 10 der voreingenommenen Ärzte sind Mediziner, die direkten Kontakt mit Patienten haben: Notfallmediziner (62 Prozent), Orthopäden (50 Prozent) und Psychiater (48 Prozent), gefolgt von Hausärzten und Gynäkologen (jeweils 47 Prozent). Die Spezialisten mit der niedrigsten Wahrscheinlichkeit, einen Bias zu melden, sind auch diejenigen, die am wenigsten mit den Patienten direkt zu tun haben: Pathologen (10 Prozent) und Radiologen und Kardiologen (je 22 Prozent). Eine Einschränkung dieser Umfrage betrifft die Frage nach dem impliziten Bias, der unbewusst auftritt, häufig im Widerspruch zu den persönlichen Überzeugungen steht und Unterschiede unwissentlich verfestigt. Ein an der Umfrage beteiligter Arzt kommentierte: "Da mich meine unbewussten Einstellungen und Wahrnehmungen beeinflussen können, überprüfe ich diese an der Sprechzimmertür und gebe mein Bestes, empathisch zu sein." Medscape
Insgesamt 62 Prozent der Ärztinnen und Ärzte nannten emotionale Probleme bei ihren Patienten als entscheidenden Trigger für den Bias. Übergewicht, das in anderen Studien oft als wesentlicher Faktor für einen ärztlichen Bias zitiert wird, kam erst an zweiter Stelle, wobei mehr Männer (56 Prozent) als Frauen (48 Prozent) den Bias auf das Gewicht bezogen. Für die meisten anderen Charakteristika waren die Prozente zwischen Männern und Frauen ähnlich verteilt, obwohl einige Unterschiede beobachtet wurden, etwa beim Versicherungsschutz (19 Prozent der Frauen vs. 26 Prozent der Männer) und Einkommensniveau (8 Prozent der Frauen vs. 17 Prozent der Männer). Der Gender-Bias scheint für Frauen und Männer nur eine untergeordnete Rolle zu spielen (8 Prozent vs. 7 Prozent). Wenn man die Mediziner nach anderen Eigenschaften gefragt hat, die einen Bias hervorrufen, nannten sie am häufigsten Drogensucht und Missbrauch. Sehr häufig wurden auch Simulantentum, ein Titel, und Non-Compliance erwähnt. Patienten mit chronischen Schmerzen rufen ebenfalls bei vielen Ärzten Verzerrungen hervor. Medscape
Emotionale Probleme, Übergewicht und Intelligenz waren die Bias-Kategorien, auf die die Ärzte mit den längsten Antworten reagierten. Insgesamt 72 Prozent beziehungsweise 61 Prozent der Ärzte berichten, dass emotionale Probleme und Übergewicht eine negative Wirkung auf die Behandlung hatten. Das Ergebnis bestätigt frühere Studien, aus denen hervorgeht, dass Ärzte oft gerade bei adipösen Patienten eine negative Haltung einnehmen und keine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen. Medscape
20 Prozent der Ärzte sagten, dass der Bias ihre Behandlung beeinflusst - jedoch nicht unbedingt negativ: Stattdessen berichteten sie auch, dass ihr eigener Bias zu positiven Effekten führt. In der Umfrage wurde den Ärzten zu den Folgen ihrer Vorurteile zwei Fragen gestellt: (1) Ob der Bias bei ihnen eine Überkompensierung und eine besondere Behandlung (zusätzliche Zeit, freundliche Ansprache) mit sich bringt oder (2) ob er sich negativ auf die Behandlung auswirkt (weniger Zeit, weniger freundliche Ansprache). Ein Viertel antwortete, dass ihre Vorurteile zu einer Überkompensierung und besonderen Behandlung führen, während knapp 30 Prozent zugaben, dass sie sich negativ auf die Behandlung auswirken. Fast ein Fünftel glaubt, dass ihre Vorbehalte beide Effekte haben könnten, und weitere 22 Prozent antworteten: weder noch. Medscape
Die diesjährige Medscape-Umfrage legt wie andere kürzlich in den USA publizierte Umfragen nahe, dass Burnout bei US-Ärzten ein kritisches Niveau erreicht hat. Burnout wird hier definiert als Verlust der Begeisterung für die Arbeit, begleitet von zynischen Regungen und einer geringen Achtung der eigenen persönlichen Leistung. Prozentual betrachtet leiden mit 55 Prozent am meisten die Intensivmediziner, Urologen und Notfallmediziner an Burnout-Symptomen. Familienmediziner und Internisten folgen mit 54 Prozent. Auch 2013 fanden sich die meisten Betroffenen in der Intensiv- (53 Prozent) und Notfallmedizin (52 Prozent). Bemerkenswert ist allerdings, dass die Burnout-Raten bei allen Spezialisten gestiegen sind: Zwischen 2011 und 2014 beobachten die Autoren eine Zunahme des Anteils der Ärzte mit mindestens einem Burn-out-Symptom von 45,5 auf 54,4 Prozent. Medscape
Die Ärzte wurden gebeten, die Ursachen ihres Burnouts auf einer Skala von 1 bis 7 zu bewerten, wobei 1 "Trägt überhaupt nicht dazu bei" bedeutet und 7 "Trägt deutlich dazu bei“. Ganz oben mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,8 stehen „zu viele bürokratische Aufgaben“, gefolgt von „zu viele Arbeitsstunden“ (4.1) und die „zunehmende Computerisierung“ (4,0). Dies waren auch die Top 3 im vergangenen Jahr, aber die Rankings fielen niedriger aus (4,7, 4,0 und 3,7). In diesem Jahr ergänzten die Autoren die Umfrage um die Option "Fortbildungspflicht", die auf dem fünften Platz landete und in dem "Gefühl wie in einem Hamsterrad" Ausdruck findet. Viele Ärzte nannten hier auch eigene Beispiele und fügten weitere Faktoren hinzu, die aus ihrer Sicht zum Burnout beitragen: Bei weitem am häufigsten genannt wurden dabei Versicherungsfragen. Aber auch das Risiko von Fehlverhalten, die Veränderungen der neuen Ausgabe der ICD-10 sowie der Mangel an Respekt und Wertschätzung seitens der Patienten sind für sie ausschlaggebend. Etliche Ärzte gaben auch Stress in der Familie als Faktor an. Medscape
In dieser Umfrage gab es geringe Korrelationen zwischen dem spirituellen Glauben und der Voreingenommenheit der befragten Mediziner. Ärzte mit spirituellem Glauben (61 Prozent) oder ohne (57 Prozent) machten ähnliche Angaben (kein Bias). Medscape
Die Umfrage legt nahe, dass je länger man in den Vereinigten Staaten lebt, desto voreingenommener wird man. Nur 27 Prozent der Ärzte, die in die Vereinigten Staaten als Erwachsene kamen, sagten, sie seien voreingenommen, verglichen mit den 38 Prozent, die in den USA seit ihrer Kindheit leben und den 43 Prozent, die in diesem Land geboren wurden. Medscape
17987481783896178388717838881793213 1798749 1783891
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen