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Wie Zahnärzte Anzeichen von Gewalt erkennen

Es sind erschreckende Zahlen, die der Unicef-Report "Gewalt gegen Kinder" zusammengetragen hat. Auch Zahnärzte können entscheidend zur Gewaltprävention beitragen.

Zahnärzte sind oft in der Lage, Anzeichen von Gewalterfahrungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen. proDente e.V.

Kinder und Jugendliche sind weltweit in ihrem näheren Lebensumfeld in erschreckendem Ausmaß körperlichen, sexuellen und seelischen Misshandlungen ausgesetzt. Bis heute sind Einstellungen, die Gewalt rechtfertigen, sie stillschweigend hinnehmen oder als nicht schädlich ansehen, weit verbreitet. Dies ist das Ergebnis der bis heute umfassendsten Datensammlung zu Gewalt gegen Kinder, die Unicef am Donnerstag in New York veröffentlichte.

Unbequeme Tatsachen

„Dies sind unbequeme Tatsachen – keine Regierung, keine Eltern hören dies gerne“, sagt Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake. „Aber wenn wir nicht die verzweifelte Wirklichkeit hinter den Statistiken zur Kenntnis nehmen, werden wir niemals die verbreitete Haltung verändern, dass Gewalt gegen Kinder normal und zulässig ist.“ Für den Report „Hidden in Plain Sight“ untersuchte Unicef systematisch Daten zu Gewalt gegen Kinder durch Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde oder Mitschüler aus 190 Ländern.

Zahnärzte können das Thema enttabuisieren

Neben Ärzten und Pflegern können laut der Koordinierungsstelle Signal e.V. auch Zahnärzte zur Gewaltprävention beitragen. "Zahnärzte sehen mögliche Folgen von Misshandlungen, Vernachlässigung und Belastungen und genießen in aller Regel ein hohes Maß an Vertrauen", erklärt Karin Wieners, Referentin des Vereins. Zahnärzte könnten außerdem dazu beitragen das Thema zu enttabuisieren, indem sie Flyer und Plakate auslegen und Betroffenen Wege ins Hilfenetz aufzeigen.

"Entscheidend ist, dass sich Zahnärzte mit dem Thema Gewalt in familiären Beziehungen und sexueller Gewalt befassen und dass sie Anzeichen für ein mögliches Vorliegen von Gewalterfahrungen erkennen können", führt Wieners aus. Neben physischen, psychosomatischen und psychischen Folgen sind hier auch die Interaktion zwischen Kind und Eltern, das Gewaltgeschehen in der elterlichen Beziehung und eine mögliche „doppelte“ Gewaltbetroffenheit von Bedeutung.

Hotlines helfen weiter

Kinder, die regelmäßig Gewalt ausgesetzt sind, haben häufig Lernprobleme. Sie entwickeln nur ein geringes Selbstvertrauen und leiden öfter unter Depressionen. Kinder, die in einer solchen Umgebung aufwachsen, setzen die gelernten Strategien in Konfliktsituationen später häufig gegen ihre eigenen Partner oder Kinder ein. Bei einem Verdacht auf Gewalt bieten laut Wieners spezialisierte Einrichtungen wie die BIG-Hotline bei häuslicher Gewalt und die Hotline Kinderschutz in Berlin kollegiale Beratung an, zum Beispiel in der Frage, ob eine Meldung erfolgen muss.