Arztgruppengleiche MVZ in der Zahnmedizin

"Die Heuschrecken machen sich bereit, die Praxen zu fressen!"

Die Zahnmedizin wird zum Markt gemacht und vom Kapital erobert: Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände Deutschland (IGZ), Dr./RO Eric Banthien, appelliert an die Politik, den Irrweg arztgruppengleicher MVZ in der Zahnmedizin aufzugeben oder die Gründungsvoraussetzungen zu ändern.

Nicht nur Klinikkonzerne gründen MVZ, sondern reine Geldanlage-Fonds, stellt der IGZ-Vorsitzende Dr./RO Eric Banthien ernüchtert fest: "Deshalb appelliert die IGZ erneut und dringlicher denn je an die Politik: Schützen Sie die niedergelassenen Zahnärzte, die die Versorgung in der Fläche bis heute sicherstellen!" fotomek

Die IGZ warnt seit Jahren vor den Bestrebungen von Politik und Krankenkassen, die Zahnmediziner in Großstrukturen zusammenzufassen, um die Leistungen in der Zahnmedizin billiger einzukaufen. 

Ein Auszug aus den Beschlüssen der Hauptversammlung von 2009

"Gesundheitsleistungen sind kein Spekulationsobjekt: Mit Sorge beobachtet die IGZ die seit langer Zeit laufenden Bestrebungen von Wirtschaft und Politik, die Heilung von Menschen in Arztpraxen in eine Erbringung von Gesundheitsleistungen umzuwandeln, die man am wirtschaftlichsten in großen Einheiten organisieren kann. Nicht mehr der Kranke bzw. der Patient steht da im Mittelpunkt der Bemühungen, sondern der effiziente Ablauf innerhalb einer Betriebsorganisation.

Hier sollen die vielbeschworenen Wirtschaftlichkeitsreserven gehoben werden. Vereinheitlichung aller Abläufe (einschließlich der therapeutischen) ist da wichtiger, als die Individualität des Kranken. Die Konzentration auf wenige, aber große Zentren hilft bei der wirtschaftlichen Organisation der Abläufe.

Hier geht es darum, Ärzte in Medizinischen Versorgungszentren zusammenzufassen, und die ambulante Versorgung, so weit wie es sich wirtschaftlich lohnt, an die Kliniken heranzuziehen. Das führt dazu, dass die Gesundheitsversorgung in die Hand von Kapitalgesellschaften fällt, nur weil die Politik sich davon eine Ersparnis bei den Gesundheitsausgaben verspricht.

Ganz davon abgesehen, ob die erwartete Ersparnis je eintreten wird, oder wenn doch, von Dauer sein kann, hält die IGZ diesen Weg für einen Irrsinnsweg. Unsere Patienten haben den Anspruch auf eine flächendeckende, wohnortnahe medizinische Versorgung. Außerdem ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient von entscheidender Bedeutung für den Heilerfolg.

Die IGZ fordert darum die Politik auf, für den Erhalt der freien Praxen mit niedergelassenen (Zahn)Ärzten einzutreten und auch die dafür erforderlichen Bedingungen zu schaffen, oder zumindest aufzuhören, den kapitalgestützten Ketten-und Großpraxen Wettbewerbsvorteile zuzuschanzen."

Den Einschätzungen von damals ist wenig hinzuzufügen. Nur dass die Bedingungen seither noch vorteilhafter geworden sind für Kapitalgesellschaften, durch das arztgleiche MVZ und die Möglichkeit, durch den Kauf einer noch so kleinen und vor allem fachfremden Klinik, zahnärztliche MVZ gründen zu können. Auch hat es sich gezeigt, dass die arztgruppengleichen MVZ keineswegs die Versorgung in der Fläche verbessern.

"Sie sind angekommen in Deutschland, die Heuschrecken, und machen sich bereit, die Praxen zu fressen"

Ganz im Gegenteil halten sie die nachwachsenden Zahnärztinnen und Zahnärzte davon ab, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen. Die Verlockung ist einfach zu groß, angestellt in bester innerstädtischer Lage ohne großen eigenen Organisationsaufwand und Kapitaleinsatz schnell gutes Geld zu verdienen. Und es muss konstatiert werden, dass sie nun da sind, die Kapitalgesellschaften. Nicht nur Klinikkonzerne gründen Medizinische Versorgungszentren, sondern reine Geldanlage-Fonds. Sie sind angekommen in Deutschland, die Heuschrecken, und machen sich bereit, die Praxen zu fressen.

Deshalb appelliert die IGZ erneut und dringlicher denn je an die Politik: Schützen Sie die niedergelassenen Zahnärzte, die die Versorgung in der Fläche bis heute sicherstellen! Beraten Sie gemeinsam mit den zahnärztlichen Verbänden und Körperschaften über Wege aus dieser selbstgestellten Falle. Zum Beispiel den Irrweg des arztgruppengleichen MVZ zumindest in der Zahnmedizin wieder aufzugeben, oder die Berechtigung zur Gründung eines zahnärztlichen MVZ daran zu knüpfen, dass der Gründer selbst zahnärztlich ausgebildet und tätig ist, so dass eine reine Kapitalgesellschaft nicht zahnärztliche MVZ gründen kann!

Dr./RO Eric Banthien
Hamburg, den 19. Juli 2018

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