Tag der Zahngesundheit 2017

"Eltern müssen Kinderzähne putzen – unbedingt!"

Kinder im Haus der Bundespressekonferenz? Zum Auftakt der bundesweiten Aktionen zum Tag der Zahngesundheit durften Kita-Kinder den Experten Fragen stellen – rund um die Wichtigkeit gesunder Milchzähne.

Eine Berliner Kita mit Betreuerinnen und Eltern zu Gast in der Bundespressekonferenz: Es gab viele Fragen um gesunde Milchzähne: „Wie bekomme ich mein Kind dazu, den Mund aufzumachen?“ „Wieviel Zahnpasta muss ich nehmen, um richtig zu putzen?“ „Was brauchen meine Zähne, um richtig sauber zu werden?“ „Was muss ich zur Hygiene in der Kita beachten?“ Das grüne Krokodil der LAG konnte nicht alle Fragen beantworten, deshalb standen die Experten mit Tipps und Ratschlägen zur Seite. zm-pr

Auf dem Podium (v.l.n.r.): Prof. Dr. Christian Splieth, Dr. Beate Großmann (Moderation), Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Dr. Michael Kleinebrinker. zm-pr
Dr. Michael Kleinebrinker: „Die GKV begrüßt die gesetzlichen Vorgaben, mit denen zahnärztliche früherkennungsuntersuchungen künftig deutlich früher beginnen können als heute.“ zm-pr
Prof. Dr. Dietmar Oesterreich: „Frühkindliche Karies tangiert alle Bevölkerungsgruppen, vor allem aber Familien in sozial schwierigen Lebenslagen." zm-pr
Prof. Dr. Christian Splieth: "Auch ein gesundes Frühstück mit Obst, Milch und Müsli enthält viel Zucker. Was schützt gegen Karies? Fluoride. Und Zähneputzen." zm-pr
Der BZÄK-Vizepräsident vor der laufenden Fernsehkamera: „Es ist nicht entscheidend, wann man putzt, sondern dass man putzt." zm-pr

Die Experten – das waren Prof. Dr. Christian Splieth, Leiter der Abteilung Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde der Universität Greifswald, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, und Dr. Michael Kleinebrinker, Referatsleiter beim GKV-Spitzenverband. Ihre gemeinsamen Botschaften an die Öffentlichkeit:

  • Es ist notwendig, sich noch stärker für die Mundgesundheit der Jüngsten zu engagieren.
  • Die Gruppenprophylaxe muss gestärkt und auf die Jüngsten ausgeweitet werden.
  • Es sind vernetzte Strategien aller Akteure notwendig, um gefährdete Gruppen zu erreichen.

„Eltern müssen Kinderzähne putzen – unbedingt!“ erklärte Splieth vor der Presse. Er verwies auf die Bedeutung gesunder Milchzähne, da sie die Grundlage für ein gesundes bleibendes Gebiss bilden. Splieth wies darauf hin, dass der Zustand der Milchgebisse in Deutschland nicht gut ist: Vom Lebensbeginn bis zum sechsten Lebensjahr sammeln Kinder mehr als dreimal so viel Karies an, wie in den drauf folgenden sechs Jahren im bleibenden Gebiss.

 


In den letzten mehr als 20 Jahren ist es zu einem starken Kariesrückgang gekommen. Der DMFT-Index ist bei den 12-Jährigen von 2,4 im Jahr 1994 auf 0,7 im Jahr 2009 und auf 0,5 im Jahr 2016 gesunken. Über 80 Prozent der 12-Jährigen sind heute kariesfrei.

Dazu hat eine Kombination aus verschiedenen Faktoren beigetragen: die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta, die Inanspruchnahme der Gruppen- und Individualprophylaxe, lokale Fluoridierungen mit Fluoridlack in der Zahnarztpraxis oder im Rahmen der Gruppenprophylaxe sowie ein insgesamt stärkeres Bewusstsein für die Mundgesundheit.

(GKV-Spitzenverband)

Im Jahr 1994 wiesen die 6- bis 7-jährigen Kinder einen DMFT-Wert von 2,9 auf. Dieser ist bis zum Jahr 2009 auf 1,9 gesunken. Damit ist die Karieslast im Milchgebiss mehr als doppelt so hoch wie bei den 12-Jährigen.
Milchzähne sind wichtig zum Kauen, Sprechen und für die zwischenmenschliche Interaktion. Sie sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Gehen sie frühzeitig verloren, brechen die bleibenden Zähne unter Umständen nicht richtig durch und es kann zu Fehlstellungen kommen. Kariöse Milchzähne sind auch häufig der Auslöser von Schmerzen und oftmals nur in Narkose zu behandeln. 

(GKV-Spitzenverband)


Hinzu kommt, dass die Kariesrückgänge im Milchgebiss nur halb so hoch sind wie im bleibenden Gebiss und die Zahl der Sanierungen unter Narkose bei kleinen Kindern nicht abnimmt. Bei der Hälfte der Fälle von Milchzahnkaries handelt es sich um unbehandelte Defekte. Hingegen finden sich im bleibenden Gebiss gute Sanierungsraten.

Für Splieth spielt der Fluoridgehalt in Kinderzahnpasten eine große Rolle. Die hierzulande vergleichsweise niedrig konzentrierte Kinderzahnpasta sollte – wie in anderen Ländern auch – im Fluoridgehalt angehoben werden. Ferner sollte eine Gruppenprophylaxe greifen, die auch die Kleinsten beim Zähneputzen erreicht. Außerdem sollten in diesem Rahmen Prophylaxeleistungen vom ersten Zahn an in der zahnärztlichen Regelversorgung erstattet werden. Splieth fordert dazu ein Aktionsprogramm „Gesunde Milchzähne“.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich verwies auf die Bevölkerungsgruppen, die an der umfassenden Präventionsarbeit zu wenig partizipieren. Betroffen seien zum Beispiel Kleinkinder, Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen, mit Migrationshintergrund oder auch mit einer Behinderung. Deutschlandweit sind bei den unter Dreijährigen schon 15 Prozent von Karies betroffen. Ursachen für die frühkindliche Karies sind exzessives Trinken von zucker- und säurehaltigen Getränken aus Saugerflaschen und Trinkhilfen – verbunden mit einer nicht ausreichend durchgeführten Mundhygiene im frühen Kindesalter.

Mittlerweile sind auch Kinderuntersuchungen für die Kleinsten verbessert, erläutert der Vizepräsident. Im Rahmen des gelben Untersuchungshefts sollen Kinderärzte Eltern rechtzeitig zum Besuch eines Zahnarztes auffordern. Derzeit bestimmt der G-BA über Art und Umfang der Leistungen sowie Altersgrenzen und Häufigkeit der neuen Untersuchungen vor dem 30. Lebensmonat.

Oesterreich verwies auf die Empfehlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege von 2016, die speziell auf die Zielgruppe der unter Dreijährigen in der Gruppenprophylaxe gerichtet ist. Eine der zentralen Forderungen dort ist, dass diese Altersgruppe täglich nach einer Hauptmahlzeit gemeinsam mit ihren Bezugspersonen in der Kita die Zähne putzt. Wichtig ist es vor allem, die Bezugspersonen zu erreichen.

Vor dem Hintergrund, dass seit dem Präventionsgesetz eine systematische zahnärztliche Betreuung von Kleinkindern ab Durchbruch des ersten Zahns möglich ist, hätten nun alle Beteiligten das Rüstzeug für die Gesunderhaltung der Milchzähne erhalten, zeigte sich der Vertreter des GKV-Spitzenverbandes Kleinebrinker überzeugt. Dennoch: Der derzeitige Beginn der systematischen zahnärztlichen Betreuung ab 2,5 Jahren liege deutlich zu spät. Die GKV mache sich für eine frühzeitige und systematische Betreuung stark. Er nannte hierzu die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen, die Gruppenprophylaxe und die unterschiedlichen Fluoridierungsmaßnahmen.

Schwer dürfte es seiner Meinung nach sein, bei Eltern und Erziehungsberechtigten ein Bewusstsein für die Milchzähne und die Mundgesundheit der Kleinsten zu wecken und zu beeinflussen. Hier seien vor allem Zahnärzte in der Pflicht, weil sie zuerst von Eltern mit ihren Kindern aufgesucht werden. Auch weitere Personen, die an der Betreuung der Kleinsten mitwirken – etwa Hebammen, Kinderärzte oder Prophylaxekräfte – seien in der Verantwortung, ebenso die Krankenkassen.

Der Tag der Zahngesundheit findet jedes Jahr rund um den 25. September statt und macht bundesweit mit bunten Aktionen auf Themen der Mundgesundheit aufmerksam. Im Zentrum steht die Prävention von Zahn, Mund- und Kiefererkrankungen und die breite Aufklärung in der Bevölkerung. Träger ist der „Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit“, dem rund 30 Mitglieder aus Gesundheitswesen und Politik angehören.

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