Corona-Hilfe

"Endlich mal zusammenhalten"

Mit Kollegen diskutiere ich, Zahnärztin und Inhaberin einer Einzelpraxis, seit 25 Jahren, auch die immer wieder geäußerte Forderung nach einem Rettungsschirm für Zahnärzte.

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Leserbrief zum Beitrag „Zum COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz: Auch die Zahnärzte brauchen einen Schutzschirm“, zm 8/2020, S. 22.

Wie die Politik darüber denkt, wurde in einem Radiointerview mit Karl-Josef Laumann, NRW-Gesundheitsminister, am 12.5.2020 im WDR deutlich. Dort stellte ein Zahnarzt die Frage, ob es in Anbetracht seiner täglichen Verluste in der Praxis Aussicht auf Hilfe gebe.

Die Antwort war:

  1. Es gebe ja jetzt doch auch für ZÄ Anspruch auf Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (Mein Gedanke: Stimmt, aber schlimm genug, dass es zunächst erst in Frage gestellt wurde.)
  2. Es gab ja jetzt Pressemitteilungen, wonach Patienten aufgefordert werden, Behandlungen nicht mehr aufzuschieben. (Mein Gedanke: Das Vertrauen der Patienten ist jedoch gestört und sie sind sehr verunsichert nach den vielen Medien‧berichten über die angeblich so große Gefahr in ZA-Praxen. Es wird lange dauern, bis das Vertrauen wieder da ist.)

Das war alles zum Thema Hilfe für Zahnärzte. Ich bin stolz darauf, dass ich in meiner Praxis bisher Kurzarbeit für die Mitarbeiter vermeiden konnte. Gleichzeitig leidet auch meine Praxis unter erheblichen Einbußen. Mit diesen Aussagen von Herrn Laumann ist jedoch klargestellt, dass es für uns Zahnärzte keine „Rettung von oben“ geben wird. Ich persönlich warte auch nicht auf einen Rettungsschirm, sondern bin der Meinung, dass wir stattdessen endlich uns gemeinsam für Veränderungen zusammenschließen und kämpfen sollten. Wann, wenn nicht jetzt! Lasst uns die Krise als Chance nutzen, um überfällige Veränderungen anzustoßen. Dazu ist es notwendig, dass wir zusammenhalten und mit einer Stimme sprechen. Von unseren Standesvertretungen und den großen zahnärztlichen Verbänden hört man wenig. Da fühle ich mich in keiner Weise unterstützt. Wir können uns also nur selber helfen.
Was brauchen wir? Aus meiner Sicht gibt es diese Punkte, für die wir uns einsetzen sollten:

  1. Auch in der GKV Einführung einer Corona-Hygienepauschale pro Sitzung, wie sie jetzt für PKV-Patienten eingeführt wurde. Der deutlich erhöhte Aufwand und die extrem gestiegenen Beschaffungskosten betreffen schließlich alle Patienten und ein Absinken auf die Vor-Corona-Zeit ist nicht zu erwarten.
  2. Aufhebung der Befristung der PKV-Hygienepauschale. Auch nach dem 31.7.2020 besteht der Bedarf natürlich weiterhin.
  3. Aufhebung aller Kürzungen und Einschränkungen in der Leistungsvergütung für GKV-Leistungen, wie z. B. Budgets, Degressionen, Wirtschaftlichkeitsprüfungen o. Ä.: In den letzten Wochen kam es ja durch die verringerte Patientenzahl und gleichzeitig hauptsächliche Erbringung von Schmerzbehandlungen zu einem verzerrten Leistungsspektrum in der Abrechnung. Das führt automatisch zu Auffälligkeiten bei den diversen Prüfmechanismen und wir werden durch Nichtvergütung und Kürzungen nochmals und doppelt bestraft!
  4. Endlich eine Neuregelung der zahnärztlichen Honorare im Privatleistungsbereich. Noch immer erhalten wir für die Mehrheit aller Leistungen das Honorar von 1988 und liegen mit einer erschreckend hohen Zahl von Leistungen unterhalb der GKV-Honorare! Einen Denkanstoß zu diesem Thema bietet die Online-Petition an den Dt. Bundestag „Für eine faire Neuregelung zahnmedizinischer Gebühren und Erstattungen“, zu finden unter openpetition.de/!neuregelung. Das wäre immerhin ein Anfang, um uns Gehör zu verschaffen, wenn eine ausreichende Zahl von Kollegen sich für eine Änderung einsetzt.

Mir ist völlig klar, dass wir Zahnärzte Individualisten sind und es ganz unterschiedliche Meinungen gibt. Sicher gibt es auch Kollegen, die mir widersprechen möchten. Ich habe auch nicht die Patentlösung. Was ich mir wünsche, ist, statt in Einwänden und Bedenken zu verharren, besser gemeinsam mit Kollegen Ideen und Lösungen zu entwickeln sowie Veränderungen anzustoßen. Schaffen wir es endlich mal zusammenzuhalten?


Alle Leserbriefe zum Thema COVID-19

Dass die Zahnheilkunde sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren gesundheitspolitisch selbst marginalisiert hat, (...) kann nur die beteiligten Dentisten selbst noch verwundern.

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Seit Jahresbeginn sieht die Welt auf Corona, reibt sich ungläubig die Augen, redet und schreibt unablässig über alle erdenklichen Aspekte. (...) Aber wo bleibt die Prävention in der Mundhöhle?

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Vielen Dank für den überaus gelungenen Leserbrief meines Kollegen, Herrn Dr. Manfred Gast. Wir Zahnärzte ertragen ja wirklich viel ohne zu murren und zu knurren, aber Corona hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

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Mit Kollegen diskutiere ich, Zahnärztin und Inhaberin einer Einzelpraxis, seit 25 Jahren, auch die immer wieder geäußerte Forderung nach einem Rettungsschirm für Zahnärzte.

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In Krisenzeiten sollte man Bestehendes hinterfragen und Neues unter anderen Gesichtspunkten begutachten. Hier mal eine Anmerkung zu unseren „geliebten“ MVZ...

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Letzte Woche habe ich beim Gesundheitsamt Niedersachsen nachgefragt, ob es nicht sinnvoll wäre, die nicht-nötigen zahnärztlichen Behandlungen einzustellen. Es passt nicht zusammen, die Schulen zu schließen und die Praxen für nicht-ernsthaft-Erkrankte offen zu halten. Noch habe ich die versprochene Antwort nicht erhalten, aber ständig denke ich darüber nach – und ich persönlich habe den Eindruck, dass, gerade in Hinblick auf die exponentielle Verbreitung des Virus schnelles, nicht nur konsequentes, sondern auch rigoroses und durchdachtes Handeln von Nöten ist.

Haben wir aus den Erfahrungen der anderen Länder denn gar nichts gelernt? Ja, die Universitäten, Schulen, Kindergärten und Freizeitaktivitäten haben seit Montag (16. März) geschlossen – warum nicht mit sofortiger Wirkung nach dem Beschluss? Und warum haben die Gesundheitsämter (zumindest in Osterholz-Scharmbeck und Hannover) keine 24/7– Telefonhotline, sondern nur Bandansagen, die auf die Geschäftszeiten hinweisen?

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Allein die Lesebriefe sind immer interessant zu lesen. Da ist einerseits jemand, der frustriert ist, immer noch nicht als echtes Mitglied der Ärzteschaft angesehen zu werden, andererseits entdeckt jemand anders gerade erst die Belastung des Aerosols mit Keimen und weiß nicht, was man da so machen kann, um sich und die Mitarbeiter zu schützen.

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Sehr geehrter Herr Richter, in Ihrem Leitartikel, leider nicht auf der Titelseite, weisen Sie im Fließtext darauf hin, z. B. auf PZRs zu verzichten: Es fehlt der überfällige, dringende Hinweis, zum Schutz der Patienten, der Mitarbeiter und der ZA/ZÄ auch auf Zahnpräparationen (Sprühnebel im Behandlungsraum) für einen gewissen Zeitraum zu verzichten! 

Das gesundheitliche und das wirtschaftliche Risiko. Da angeblich sowieso 70 Prozent der Bevölkerung am Coronavirus erkranken werden, ist die Frage weniger ob, sondern lediglich, wann jemand erkrankt. Meine Mitarbeiterinnen treibt vor allem die Sorge vor der Kurzarbeit um. Die Partner habe häufig auch bereits Einbußen, Kredite können nicht mehr bedient werden. Empfehlungen zur Selbsteinschränkung kommen nur aus Quellen, die für die Konsequenzen nicht gerade stehen. 

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Ich bin angestellte Zahnärztin und jetzt auf Kurzarbeit. Habe mich umgehend beim Gesundheitsamt (Kreis Kleve) gemeldet, um mich dem völlig überlasteten übrigen Gesundheitswesen in der jetzt zwangsweise freien Zeit zur Verfügung zu stellen.

Ich bin z.B. gelernte Rettungssanitäterin, kann Blut abnehmen oder dergleichen. Ich bin mir auch nicht zu schade, eigenhändig den Desinfektionslappen zu schwingen oder in der Pflege eingesetzt zu werden. Bekomme aber die Antwort: "Wat sollen 'wer denn mit ner ZAHNärztin anfangen?!" (Zahnärztin so betont, als handle es sich um Hundekacke am Schuh).

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Aber wer uns dazu verpflichtet, muss auch dafür Sorge tragen, dass wir den Infektionsschutz auch einhalten können, und zwar so, wie man ihn von uns fordert! Das KZV-System muss dann aber auch dafür sorgen, dass wir uns selbst, unsere Familien, das Personal und nicht zuletzt die Patienten schützen können! 

"In meiner Praxis wird jährlich die Keimbelastung der wasserführenden Systeme der Dentaleinheiten überprüft. Ergebnis: Keimzahl in den Dentaleinheiten gleich NULL..."

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In dieser für uns alle außergewöhnlichen Zeit der SARS-CoV-2-Pandemie sollten wir unsere Kräfte bündeln, um diese Krise gemeinsam bewältigen zu können. Viele selbstständige Zahnärzte und Fachärzte führen Betriebe, welche aufgrund von fehlenden Mitteln (adäquate Schutzkleidung, Mundschutze, Desinfektionsmittel) und Abwesenheit der Patienten zur Eindämmung der Infektion wirtschaftlich kaum noch aufrechterhalten werden können. Zum einen besteht das hohe Infektionsrisiko für die MitarbeiterInnen – die Weitergabe des Virus, solange der Praxisbetrieb normal weiterlaufen soll, aber auch die medizinische und moralische Verpflichtung, den Patienten und Patientinnen zu helfen.

„Alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, brauchen gerade jetzt unsere volle Unterstützung“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Aber bekommen sie diese auch? Leser Dipl.-Psych. Michael Heckeroth stellt diese Frage in einem offenen Brief an Spahn, der den zm auch als Leserbrief vorliegt – und versucht eine Beantwortung.

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Ich habe den Leserbrief von Kollegin Wenningkamp gelesen und ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein erfahrener Zahnarzt soll nicht in der Lage sein, sich sinnvoll bei der Bewältigung der Corona-Krise einzubringen?

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Vernebelt das Aerosol die Sicht auf das RKI oder werden wir im Nebel stehen gelassen? So kann und müssen wir es doch wohl sehen! Das sonst mit erhobenem Zeigefinger agierende Institut schweigt. Wie kann es denn sein, dass beim „Coronatest“ in voller Schutzmontur gearbeitet werden muss, um ein Wattestäbchen in den Mund zu führen, und im Gegensatz dazu für uns keine Empfehlung zu hören ist, wie wir uns schützen können oder was überhaupt zu tun ist? Systemrelevanz oder Himmelfahrtskommando? Der einzige Berufsstand mit Nähe und Aerosol sind wir.

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Sehr geehrter Minister Spahn, mit Dankbarkeit und Überzeugung stelle ich mich jeden Tag auf den Balkon und klatsche all denjenigen zu, die in diesen, für uns alle schwierigen Corona-Zeiten Hilfsbereitschaft zeigen, sich für unsere Mitmenschen einsetzen, ihrer Arbeit im Rahmen des Sicherstellungsauftrags nachgehen und Großartiges für unsere Gesellschaft leisten!

Ich klatsche aber auch inbrünstig für all diejenigen, die keine Solidarität erfahren, die einfach vergessen werden und die bewusst neben dem hochgepriesenen Rettungsschirm platziert werden. Dazu gehören auch meine wunderbaren Mitarbeiter, die sich trotz Sorge um ihre Familien, um sich selbst und um ihre Umgebung täglich bei mir in der Praxis einfinden, um Schmerzen zu lindern, Patienten nicht allein zu lassen und ihrer Versorgungsverpflichtung nachzukommen.

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Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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