Motive für den Weg in die Selbstständigkeit

Freie Berufe: Unabhängigkeit bestimmt das Koordinatensystem

Acht von zehn Freiberuflern, die sich selbstständig gemacht haben, würden diesen Schritt nochmals gehen. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes der Freien Berufe. Ihr wichtigstes Motiv: die Selbstbestimmtheit.

Selbstbestimmtheit ist für Freiberufler das wichtigste Motiv für den Schritt in die Selbstständigkeit. Adobe Stock_madedee

Dabei schneiden die Freien Berufe bei der Gründungsintensität merklich besser ab als die übrige Wirtschaft, ergab die Umfrage, die das Institut für Freie Berufe (IFB) Nürnberg im Auftrag des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) durchgeführt hat.

BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer: „Selbstbestimmtheit ist für die Befragten das wichtigste Motiv für ihren Schritt in die Selbstständigkeit. Das spiegelt ein wesentliches Element des Koordinatensystems Freier Beruf: die Unabhängigkeit.“

Aber: Knapp zwei Drittel fühlen sich durch ihre Ausbildung nicht gut auf die Gründung vorbereitet

Auf eine Gründung als Erwerbsoption fühlten sich knapp zwei Drittel der Befragten durch ihre Ausbildung allerdings nicht gut vorbereitet, kommentiert Ewer die Ergebnisse weiter. Hier müssten die Weichen richtig gestellt werden. Wichtig sei vor allem, bei Examenssemestern anzusetzen und die angehenden Absolventen über die Option der Selbstständigkeit zu informieren.

Bei der Gründungsintensität schneiden die Freien Berufe merklich besser ab als die übrige Wirtschaft. Ewer: Wir Freiberufler agieren dynamisch am Markt und scheuen die Verantwortung, die mit einer Gründung einhergehen, nicht. Dieser Wert bildet letztlich auch die steigende Nachfrage nach freiberuflichen Dienstleistungen ab.“

Die Umfrage widmet sich auch dem Thema Nachfolge. In der Akut-Phase hatten 42 Prozent der Übergabewilligen Schwierigkeiten, knapp 3 Prozent wollten zwar, konnten die Nachfolge aber nicht umsetzen. Ewer zufolge besteht Handlungsbedarf, da sich die Situation durch den Fachkräftemangel und den Trend zum Angestelltensein weiter verschärfen wird: „Insgesamt bleibt es Aufgabe aller Akteure – der Politik, der Berufsorganisationen – Selbstständigkeit als Erwerbsform weiter zu stärken.“

Ergebnisse der Auswertung

Das Institut für Freie Berufe (IFB) Nürnberg hat für den Bundesverband der Freien Berufe im zweiten Quartal 2019 eine repräsentative Umfrage unter knapp 1.700 Freiberuflern durchgeführt. Der Sonderteil zu „Gründungen und Nachfolgen“ wurde jetzt gesondert ausgewertet. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Zum Thema Gründung

Art der Gründung: Fast 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie neu gegründet haben, zehn Prozent übernahmen einen bestehenden Betrieb, 6 Prozent stiegen als Partner bei ihrem bisherigen Arbeitgeber ein und knapp 3 Prozent folgten im eigenen Familienbetrieb nach.

Startpunkt der Gründung: Jeder Vierte machte sich direkt nach dem Ausbildungsabschluss selbstständig. Von den übrigen Gründern war rund ein Drittel Prozent bis zu drei Jahren angestellt, fast 23 Prozent zwischen vier und fünf Jahren, 36 Prozent zwischen sechs und zehn Jahren und 8 Prozent mehr als zehn Jahre.

Zufriedenheit: 86 Prozent würden nochmals gründen.

Top 5 Gründe für Selbstständigkeit: Wichtig war für 87 Prozent die Selbstbestimmtheit, für 58 Prozent eine freiere Zeiteinteilung, für 52 Prozent die Konzentration auf die eigenen Fachkenntnisse sowie die Verwirklichung der eigenen Potenziale, 47 Prozent wollten etwas Eigenes aufbauen und 43 Prozent eigene Ideen realisieren sowie eine Marktlücke nutzen.

Gründungsberatung: 42 Prozent wandten sich an ihre zuständige Berufsorganisation, 41 Prozent an einen beratenden Freiberufler, 11 Prozent an die Agentur für Arbeit und 10 Prozent informierten sich noch während der Ausbildung beispielsweise bei universitären Career Centern.

Vorbereitung: 63 Prozent gaben an, dass sie sich durch ihre Ausbildung nicht gut für die Selbstständigkeit gewappnet fühlten.

Top 5 der Probleme bei der Gründung: 38 Prozent identifizieren fehlendes betriebswirtschaftliches Wissen, 38 Prozent kämpften mit der zeitlichen Belastung, für 23 Prozent war es problematisch, passende Mitarbeiter zu finden, über bürokratische Hindernisse berichten 22 Prozent und 16 Prozent hatten Schwierigkeiten, einen geeigneten Standort zu finden.

Sondererhebung zur Gründungsintensität:  Für das Jahr 2016 ermittelte das IFB im Auftrag des BFB zudem die Gründungsintensität – also den Anteil der neu gegründeten Unternehmen an allen am Markt tätigen Unternehmen. Hier liegt der Wert für Deutschland insgesamt bei 6,7 Prozent, 6,6 Prozent sind es, rechnet man die Freien Berufe heraus, die für sich genommen sieben Prozent erreichen

Zum Thema Nachfolge

Gruppe 1: Kurzfristige Übergabe binnen fünf Jahren

Schwierigkeit dabei, Nachfolger zu finden: 58 Prozent und damit rund die Hälfte der Befragten geben an, dass es nicht schwierig war, einen Nachfolger zu finden. Für 42 Prozent indes schon.

Schwierigkeiten bei der Suche: Zu wenig potenzielle Kandidaten sind für Übergabewillige die größte Herausforderung, das gaben 83 Prozent der Befragten an. Bei knapp jeder dritten Übergabe, 31 Prozent der Befragten, stimmte die Vorstellung der Kandidaten (beispielsweise Übergabezeitpunkt) nicht mit der des Anbietenden überein. 27 Prozent gaben finanzielle Gründe, wie zu hohe Erlöserwartungen, an. 25 Prozent konstatierten, dass Bewerber nicht die passenden Kompetenzen besaßen. 18 Prozent ist schlicht der Nachfolgekandidat abgesprungen und 7 Prozent haben die Vorlaufzeit unterschätzt.

Nachfolger: In 35 Prozent der Fälle ist der Nachfolger ein bisher im Betrieb angestellter Berufsträger, 32 Prozent übergeben an eine externe Person, bei 22 Prozent erfolgt die Nachfolge durch ein Familienmitglied/eine verwandte Person. 3 Prozent gaben an, das Unternehmen an eine bestehende Gesellschaft angeschlossen zu haben.

Gruppe 2: Übergabe ab 2025 geplant

Erfolgsaussicht: 72 Prozent rechnen damit, einen Nachfolger zu finden.

Gewünschte Unternehmensnachfolge: 44 Prozent der Befragten wollen einen jungen Berufsträger anstellen, der dann die Nachfolge antreten soll, 33 Prozent planen die Aufnahme eines Partners. Für 13 Prozent kommt eine verwandte Person in Betracht. 13 Prozent stellen sich die Nachfolge durch verwandte Personen vor. 7 Prozent planen den Anschluss an eine bestehende Gesellschaft. Und 3 Prozent erwarten eine Schließung ohne Nachfolge.

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