Italienische Studie zum zahnärztlichen Berufsrisiko

Kein COVID-19-Fall bei Zahnärzten im Hotspot Lombardei

Wissenschaftler haben das COVID-Risiko von Zahnärzten und ihrem Personal zu Pandemie-Beginn in der damals schwer betroffenen Lombardei in Norditalien untersucht.

Eine italienische Studie zeigt, dass das Berufsrisiko für zahnärztliches Personal, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, in Norditalien zu Beginn der Pandemie null Prozent betrug. Adobe Stock_Andy Dean

Die italienische Studie belegt, dass das Berufsrisiko in der besonders betroffenen Region Norditalien während der ersten Welle bis Mitte März „null Prozent für Zahnärzte und Zahnarzthelferinnen betrug, während es bei 7,7 Prozent für Krankenschwestern lag" (95 Prozent Konfidenzintervall, 1,4 bis 33,3 Prozent).

Für die Studie „Berufliches COVID-19- Risiko für zahnärztliches Personal, das in einer öffentlichen Zahnarztpraxis im Epizentrum des Ausbruchs arbeitet“ wurden die Zahnarztbesuche je nach Aerosolproduktion in Untersuchungen (geringe bis keine Aerosolproduktion) und Behandlungen (mittlere bis hohe Aerosolproduktion) unterteilt.

Hintergrund: die Lage im Gesundheitswesen

Zum Hintergrund: Am 20. Februar wurden in der Lombardei die ersten Personen mit COVID-19 identifiziert. Seitdem wurde eine Reihe von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit durchgeführt, die darauf abzielten, die Ausbreitung der Infektion einzudämmen und das Gesundheitssystem umzugestalten, um den größten Teil der Ressourcen für die Behandlung von COVID-19-Patienten bereitzustellen.

Am 16. März wurden die Beschäftigten im Gesundheitswesen aufgefordert, ihren Einsatz auf Notfälle zu beschränken. Spezifische Richtlinien für die Zahnmedizin wurden jedoch erst am 30. Mai veröffentlicht - Maßnahmen, die  auf persönlichen Meinungen von Experten beruhten und nicht validiert wurden. Davor gab es keine Anleitung für zahnärztliche Einrichtungen in Italien, obwohl die Zahnarztpraxen geöffnet blieben.

Das größte Problem waren wenige und widerprüchliche Infos

"So kam es zu der paradoxen Situation, dass die Zahnärzte und Zahnärztinnen als
Angestellte im Gesundheitswesen im nicht-stationären Sektor gebeten wurden, weiter zu praktizieren, obwohl sie keine Anleitung und zusätzliche Ressourcen für die Infektionskontrolle hatten", berichten die Forscher. Daher seien die Leiter der Zahnarztpraxen im öffentlichen Gesundheitswesen quasi gezwungen gewesen, ihre eigenen Richtlinien zu entwerfen - eine Aufgabe, die durch die spärlichen und oft widersprüchlichen Informationen erschwert wurde. Dabei bestanden die größten Probleme darin, Kriterien für bestätigte COVID-19-Fälle, Übertragungsmuster und Todesursache infolge des Virus zu definieren.

Untersucht wurde der Raum Mailand

Protokolliert wurde die zahnärztliche Versorgung in der Territorialen Gesundheits- und Sozialbehörde (ASST) „Melegnano und Martesana“. Die Behörde stemmt im Südosten von Mailand und in 53 Städten der gleichnamigen Provinz die Gesundheitsversorgung für rund 650.000 Menschen. Der ASST erbringt Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen in Krankenhäusern, Ambulatorien und Bezirken. Für die zahnärztliche Abteilung des ASST arbeiten elf Zahnärzte, drei Zahnarzthelferinnen und 13 Krankenschwestern.

Insgesamt 256 Zahnbehandlungen fanden statt

Die Untersuchungen umfassten zahnärztliche Kontrollen, postoperative Medikamentenvergabe und Anpassungen kieferorthopädischer Apparaturen. Zahnextraktionen, konservative und endodontische Behandlungen sowie professionelle Mundhygiene wurden als Behandlungen klassifiziert. Die durchschnittliche Zeit für Untersuchungen und Behandlungen betrug 20 beziehungsweise 30 Minuten. An jedem Zahnarztbesuch waren zwei zahnärztliche Leistungserbringer beteiligt. Innerhalb der 50 Arbeitstage wurden 256 Zahnbehandlungen durchgeführt.

Keiner der Mitarbeiter, die ausschließlich für die zahnmedizinische Versorgung zuständig waren, entwickelte COVID-19-Symptome, wohingegen dies bei einer Krankenschwester nach dem 16. März der Fall war. Die Krankenschwestern waren überwiegend im nicht-zahnärztlichen Einsatz tätig. Die Wahrscheinlichkeit, asymptomatische Patienten aufzusuchen, stieg von 1,2 Prozent in der ersten Periode (20. Februar bis 15. März 2020) und auf 11,1 Prozent in der zweiten Periode (16. März bis 30. April).

Das Risiko für Krankenschwestern war höher

Zahnärzte und Zahnarzthelferinnen erkrankten nicht an COVID-19. Eine Krankenschwester hatte das Virus, wobei ihr Berufsrisiko unklar war, da sie überwiegend in der nicht-zahnärztlichen Gesundheitsfürsorge arbeitete. Die Wahrscheinlichkeiten für die Entwicklung von COVID-19 pro Arbeitsstunde und Person unter Ausschluss und Einbeziehung dieser unsicheren Situation betrugen 0,0 Prozent (95 CI, 0,0 bis 3,2 Prozent) und 0,9 Prozent (95 CI, 0,1 bis 4,7 Prozent).

In der Lombardei gab es zum 15. März insgesamt 1.218 Todesfälle, zum Zeitpunkt 15. April waren bereits 11.377 Menschen Virus-bedingt gestorben. Die geschätzte Zahl der mit COVID-19 infizierten Personen betrug 209.496 am 15. März und 1.956.844 am 15. April.

Michele Nardone et al., „Occupational COVID‐19 risk to dental staff working in a public dental unit in the outbreak epicenter“, published 3 September 2020 in Oral Diseases, doi.org/10.1111/odi.13632

 

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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Klaus-Peter Jurkat
Die "Studie" ist bestenfalls eine Fallbeschreibung. Mit einer so kleinen Stichprobe lässt sich leider nichts für Zahnärzte im Allgemeinen ableiten. Auch ist die Aussage "keine Infektionen" ist falsch. Dazu hätten asymptomatisch Verläufe
mehr anzeigen ...
der Behandler ausgeschlossen werden müssen. Nach meiner Kenntnis geht das nur mit einer Kombination von PZR und Antikörpertest. Um aber dennoch in der Logik der Studie zu bleiben: Hier wurden rund 10 % unentdeckte Fälle errechnet. Das müsste dann auch für die ZA anzunehmen sein. Folge: Rund 10 % der Zahnärzte haben sich infiziert (was, natürlich auch Quatsch ist). Summary: Das ganze Studiendesign gibt nichts Verwertbares her.

Vor 1 Monat 1 Woche
1603368465
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