Ab 1. Juli

Mehrwertsteuersenkung: Das ändert sich für Zahnarztpraxen!

Mit dem Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket sinkt die Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte Satz von 7 auf 5 Prozent. Was müssen Zahnarztpraxen beachten und wo können sie sparen?

Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 wird im Rahmen des Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets die Mehrwert- beziehungsweise Umsatzsteuer gesenkt. Adobe Stock_drypix

Zunächst muss der neue Steuersatz in der Praxissoftware angepasst und jede ein- und ausgehende Rechnung auf darauf geprüft werden. Bei Unklarheiten ist es ratsam, noch einmal Rücksprache mit dem Steuerberater zu halten.

Wann die Leistungen bezahlt werden, spielt dabei keine Rolle

Allgemein gilt: Soweit nichts anderes bestimmt ist, gilt der neue Umsatzsteuersatz für Lieferungen und Leistungen, die ab Juli ausgeführt beziehungsweise erbracht werden (§ 27 Abs. 1 Satz 1 UStG).

Wann die betreffenden ausgeführten Leistungen bezahlt werden, spielt dabei keine Rolle, auch der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses oder das Datum der Rechnung sind nicht entscheidend. Relevant ist nur der Zeitpunkt der Leistungsausführung. Das ist zum Beispiel bei Warenlieferungen die Übergabe und bei der Erbringung von Dienstleistungen der Zeitpunkt ihrer Vollendung.

Relevant ist nur der Zeitpunkt der Leistungsausführung.

Für alle bis zum 30. Juni ausgeführten Umsätze beträgt der Regelsteuersatz 19 Prozent - zum Beispiel für kosmetische Leistungen, Botox ohne Heilbehandlung oder dem Verkauf von Prophylaxe-Artikeln. Für die in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember ausgeführten Leistungen wird der Regelsteuersatz auf 16 Prozent gesenkt und ab dem 1. Januar 2021 wieder auf 19 Prozent erhöht.

Für alle bis zum 30. Juni ausgeführten Umsätze, für die der ermäßigte Steuersatz - zum Beispiel für Prothetik - zur Anwendung kommt, gilt der Steuersatz von 7 Prozent. Für alle in der Zeit vom 1. Juni bis 31. Dezember ausgeführten Leistungen wird der ermäßigte Steuersatz auf 5 Prozent gesenkt und ab dem 1. Januar 2021 wieder auf 7 Prozent angehoben.

Details in der Zahnarztpraxis

a) Zahnarztpraxis mit Eigenlabor
Ärztliche und zahnärztliche Heilbehandlungen sind gemäß § 4 Nr.14 a UStG von der Umsatzsteuer befreit. Das gilt nicht für die Lieferung von Zahnprothesen und kieferorthopädischen Apparaten, soweit sie der Zahnarzt in seinem Unternehmen im eigenen Labor hergestellt hat. Die Überlassung von kieferorthopädischen Apparaten ist dennoch steuerfrei, wenn der Umsatz insgesamt durch die Dienstleistung des Kieferorthopäden (Heilbehandlung) geprägt wird, da es sich dann um eine einheitliche (medizinische) Dienstleistung handelt, bei der die Lieferung des kieferorthopädischen Apparats quasi unentbehrlich ist.

Diese einheitliche Betrachtung kommt für die Lieferung von Zahnprothetik durch den Zahnarzt nicht zum Tragen, vielmehr gilt hier ein Aufteilungsgebot. Danach kommt es zu einer steuerpflichtigen Lieferung von Zahnprothetik einerseits, und andererseits zu einer steuerfreien zahnärztlichen Heilbehandlung. Erst durch diese zahnärztliche Heilbehandlung, der Eingliederung der Prothetik in das Gebiss des Patienten wird der Umsatz vollendet und die Umsatzsteuer entsteht im Zeitpunkt der Eingliederung der prothetischen Arbeit (Verschaffung der Verfügungsmacht). Das heißt, sofern die Eingliederung erst nach dem 1. Juli 2020 erfolgt, kommt auch für die Eigenlaborleistung der Steuersatz von 5 Prozent zum Tragen.

b) Zahnarztpraxis mit Fremdlabor
Die Herstellung und Lieferung der Prothetik erfolgt in diesem Fall durch das gewerbliche Fremdlabor an den Zahnarzt. Die Steuer für das Fremdlabor entsteht mit der Lieferung vom Labor an den Zahnarzt. Alle Lieferungen ab dem 1. Juli erfolgen folglich mit 5 Prozent Umsatzsteuer. Der Zahnarzt erbringt in diesem Fall keine Umsatzsteuer-pflichtigen Leistungen, da es sich um einen durchlaufenden Posten handelt.

c) kosmetische Leistungen und Verkauf von Prophylaxe Artikeln
Die Umsatzsteuer entsteht für die Erbringung von kosmetischen Leistungen mit 16 Prozent, sofern die Leistung nach dem 1. Juli 2020 gegenüber dem Patienten erbracht und vollendet ist. Für Prophylaxeartikel, die ab dem 1. Juli 2020 verkauft werden, gilt der Umsatzsteuersatz von 16 Prozent.

d) Anzahlungen
Anzahlungen sichern keinen Steuersatz. Beispiel: Anzahlungen, die im November 2020 vom Patienten für prothetische Leistungen gezahlt werden, die erst nach dem 31. Dezember 2020 beendet werden. Hier ist die Leistung mit dem dann wieder gültigen Steuersatz von 7 Prozent abzurechnen.

e) Was ist sonst zu beachten?

  • Anpassung der Praxissoftware an die jeweiligen Steuersätze
  • Prüfung der Rechnungseingänge ab 1. Juli 2020 auf die Richtigkeit des Steuersatzes: Bei falschem Steuerausweis sollten Sie Rücksprache mit dem Lieferanten halten.
  • Überprüfung der Daueraufträge bzw. Rücksprache mit Vertragspartner (umsatzsteuerpflichtige Miete, Leasingraten) bezüglich der Anpassung der Zahlungsbeträge. Lassen Sie sich vom Vertragspartner eine neue Dauerschuldrechnung mit dem derzeitig gültigen Steuersatz ausstellen.

f) Kleinunternehmerregelung
Die Grenze für die Kleinunternehmer ist ab dem Jahr 2020 von 17.500 auf 22.000 Euro angehoben worden. (§ 19 (1) UStG)

Quelle: KZV Land Brandenburg, Dipl.-Oec. Frank Pfeilsticker, Steuerberater

Anders als die meisten wirtschaftlichen Betriebe sind Zahnarztpraxen nicht oder nur teilweise zum Vorsteuerabzug berechtigt. Die Umsatzsteuer ist hier ein Kostenposten. Die Umsatzsteuersenkung ist daher nur spürbar, wenn Lieferanten die Reduzierung an die Praxen weitergeben. Weitere Kostenersparnisse können aber Material-, Anschaffungs-, Werbe- und Fortbildungskosten betreffen und auch die Miete, insofern diese mit der Mehrwertsteuer berechnet wird. Im Eigenlabor sind also Ersparnisse für das Material drin.

Beim Eigenlabor sind Ersparnisse drin

Bei Fremdlaborleistungen kommt es zu keiner Ersparnis, da diese durchlaufende Posten in der Praxis darstellen (siehe Kasten). Die Patienten spüren hier natürlich die Kostenreduktion.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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