Zahnmedizin

Auch Exraucher haben Biomarker

In einer prospektiven Studie wurde ohne Intervention der Effekt einer Raucherentwöhnung auf das Parodontalgewebe anhand von sogenannten Biomarkern untersucht.

Rauchen hat wesentliche Auswirkungen auf das Zahnfleisch: Die Durchblutung ist vermindert, und Parodontalerkrankungen, Zahnfleischschwund, Zahnverlust, Schleimhautschäden sowie Krebs treten vermehrt auf. Wenn Patienten mit dem Rauchen aufhören, ist mit einer besseren Mundgesundheit und positiven Veränderungen des Zahnfleisches und der Oralflora zu rechnen. Dennoch gibt es bislang kaum Untersuchungen, die den Langzeiteffekt einer Raucherentwöhnung auf das Zahnfleisch zum Gegenstand haben. Dentimages

Über ein Jahr hinweg wurden Biomarker im Speichel und in gingivaler Sulkusflüssigkeit von Rauchern, Nichtrauchern und Personen, die eine Entwöhnungskur machten, untersucht. Die Analyse ergab, dass Interleukin-1ß vor allem mit Nikotin und Cotinin im Speichel in einer positiven Korrelation stand.

Da klinische Indikatoren wie Zahnfleischtaschentiefe, epitheliale Haftung und gingivaler Index stark von der Erfahrung des jeweiligen Klinikers abhängig sind, sind diese Parameter nur bedingt valide. Biomarker aus der gingivalen Sulkusflüssigkeit haben deshalb an Bedeutung gewonnen, beispielsweise sind einige Matrixmetalloproteasen (MMP-8 und MMP-9) oder Interleukin-1ß (IL-1ß) positiv mit Zahnfleischentzündungen assoziiert.

Untersuchung

In der prospektiven Studie wurde ohne Intervention der Effekt einer Raucherentwöhnung auf das Parodontalgewebe untersucht. Zwischen September 2009 und Februar 2010 wurden dafür 122 männliche Freiwillige, die an zwei von Kliniken angebotenen Nichtraucherprogrammen teilnahmen, rekrutiert. Die Programme umfassten Beratungen, Motivierungsmaßnahmen sowie eine Nikotinersatztherapie. Als Kontrollgruppe dienten 13 Nichtraucher.

In einer ersten Befragung wurden Daten zum Alter, der allgemeinen und zahnmedizinischen Gesundheit, Mundpflegemaßnahmen sowie Rauch- und Trinkgewohnheiten gesammelt. Anschließend wurden ohne Stimulation Speichelproben gesammelt.

In einer verblindeten klinischen Untersuchung wurden der gingivale Index, der parodontale Index und der Plaqueindex bestimmt. Von fünf interproximalen Regionen der oberen Schneidezähne wurde Sulkusflüssigkeit gesammelt. Nach zwei, vier, sechs und zwölf Monaten wurden nochmals Proben gewonnen. Daraus wurden Il-1ß, MMP-8 und -9 mit Hilfe eines antikörperbasierten Nachweisverfahrens (ELISA) bestimmt. Nikotin, Cotinin und Hydroxycotinin (Nikotin-Abbauprodukte) wurden durch HPLC-MS/MS quantifiziert.

39 Personen nahmen an allen Untersuchungen teil, unter ihnen 13 Nichtraucher, neun Raucher (keine erfolgreiche Entwöhnung), sechs Personen, die im Untersuchungszeitraum mehrfach Abgewöhnungsversuche machten, und elf Probanden, die das Rauchen erfolgreich eingestellt hatten.

Ergebnisse

Hinsichtlich der parodontalen Parameter unterschieden sich die Gruppen zu Beginn der Untersuchung nicht voneinander. Der Plaqueindex nahm im Verlauf bei allen Gruppen ab, während die anderen klinischen Parameter etwa gleichbleibend waren.

Bei den entwöhnten Rauchern waren die Konzentrationen von Nikotin, Cotinin und Hydroxycotinin im Vergleich zur ersten Untersuchung deutlich reduziert. Bei den „Springern“, die im Untersuchungszeitraum mehrfach Abgewöhnungsversuche machten, zeigten sich lediglich Unterschiede in den Cotinin-Konzentrationen.

Signifikante Unterschiede im Vorkommen von MMP-8 und MMP-9 wurden nicht beobachtet. Il-1ß war zu einigen Untersuchungszeitpunkten mit Nikotin, Cotinin und Hydroxycotinin positiv assoziiert. Die Erfolgsrate des Entwöhnungsprogramms war mit 9,0 Prozent in dieser Untersuchung gering.

Liu KH1, Hwang SJ2,3; denthwang@konyang.ac.kr
1College of Pharmacy and Research Institute of Pharmaceutical Sciences, Kyungpook
National University, Daegu, South Korea; 2Laboratory for Systems Biology and Bio-
Inspired Engineering, Graduate School of Medical Science and Engineering, Korea
Advanced Institute of Science and Technology (KAIST), Daejeon, South Korea;
3Department of Dental Hygiene, College of Medical Science, Konyang University, Daejeon,
South Korea.

 
Quelle:
J Periodontal Res. 2016 Jun;51(3):366-75. doi: 10.1111/jre.12316
vermeldet vom Wissenschaftlichen Informationsdienst IME

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