Zahnmedizin

Hypomineralisierte Amelogenesis imperfecta

Eine junge Frau stellte sich nach doppelter Umstellungsosteotonie zur definitiven restaurativen Versorgung vor. Sie hatte schon als Kind alio loco die Diagnose einer Amelogenesis imperfecta erhalten.

Abbildung 1: Aufsicht auf den Oberkiefer beim ersten Vorstellungstermin der Patientin. Auffällig sind insbesondere die Schmelzabplatzungen im Bereich der Prämolaren im zweiten Quadrant sowie am Zahn 28. Feierabend

Abbildung 2: Aufsicht auf den Unterkiefer zum gleichen Zeitpunkt. Deutlich zu erkennen sind die vielfachen Restaurationen, die in verschiedene Zähne inseriert sind, ebenso der Verlust der Restauration an Zahn 37. Feierabend
Abbildung 3: seitliche Ansicht. Die Verfärbungen des Schmelzes können die (Differenzial-)Diagnostik erschweren. Feierabend
Abbildung 4: Typisches Bild einer Dentinogenesis imperfecta. Die farbliche Veränderung der Zähne ist wesentlich gleichmäßiger als bei der vorgestellten Patientin, ebenso ist die Farbe hier eher bräunlich-bersteinfarben, was zumeist bei der Dentinogenesis imperfecta auftritt. Feierabend
Abbildung 5: Erworbene Strukturanomalie. Zustand nach Trauma (Intrusion/Luxation) im Milchgebiss. Feierabend
Abbildung 6: Seltene Ausnahme bei einer Amelogenesis imperfecta. Nur die Frontzähne sowie die Prämolaren sind klinisch betroffen, die bleibenden Molaren dagegen nicht. Feierabend
Abbildung 7: Oberkiefer-Präparation. Insbesondere approximal im Bereich der Prämolaren kam es zu Schmelzabplatzungen, so dass hier teilweise neben einer Stufenpräparation auch eine Tangentialpräparation vorliegt. Feierabend
Abbildung 8: Frontalansicht nach Einsetzen der Restaurationen im Oberkiefer Feierabend
Abbildung 9: Aufsicht auf den Oberkiefer nach Einsetzen der Restaurationen Feierabend
Abbildung 10: Frontalansicht nach Einsetzen aller Restaurationen Feierabend
Abbildung 11: Aufsicht auf den Unterkiefer nach Einsetzen der Restaurationen Feierabend
Abbildung 12: Jugendliche Patientin mit hypoplastischer Amelogenesis imperfecta. Die Molaren wurden ohne Präparation versorgt, da aufgrund des hypoplastischen Schmelzes keine Approximalkontakte vorhanden waren (ebenso im Prämolarenbereich). Feierabend
Abbildung. 13: dieselbe Patientin. Die Frontzähne wurden mit Komposit aufgebaut, ebenfalls ohne vorherige Präparation. Auch hier waren zuvor keine Approximalkontakte vorhanden. Feierabend

Bisher war die Patientin größtenteils mit provisorischen Maßnahmen behandelt worden. Eine Ausnahme bildeten hier die Sechsjahrmolaren, die ihrzufolge sehr zeitnah nach vollständigem Durchbruch mit Goldteil- beziehungsweise -vollkronen versorgt wurden. Im Oberkiefer wurden später auch für die zweiten bleibenden Molaren Vollkronen gewählt (Abbildungen 1 und 2).  

Klinischer Befund

Die Patientin wies ein vollständiges bleibendes Gebiss auf, inklusive der Zähne 28, 38 und 48. Sämtliche Zähne waren restaurativ vorbehandelt, der Zustand der Restaurationen war teils suffizient, teils insuffizient - dies sicherlich vor dem Hintergrund, dass nicht alle Versorgungen als definitiv anzusehen waren. Seit der Umstellungsosteotomie waren einige Monate vergangen und sie berichtete, ihre einzige verbleibende Schwierigkeit nach der OP sei, dass sie immer wieder den Eindruck habe, bei jedem Schließen in einer anderen Position zuzubeißen.

Abbildung 1 gibt einen guten Überblick darüber, dass teils mehrere Restaurationen pro Zahn durchgeführt wurden und die dazwischen verbliebenen Bereiche aus Zahnschmelz oft nur gering waren (insbesondere an den Frontzähnen). Gleichzeitig zeigt aber auch der Vergleich der kontralateralen Prämolaren, wie anfällig dieser verbliebene Schmelz für Abplatzungen war. Im Unterkiefer ist gerade an Zahn 37 deutlich zu erkennen, wie großflächig die Schmelzverluste sein können, wenn auch die Restauration nicht mehr intakt oder vorhanden ist.

Im Bereich der Schleimhäute waren die Narben der Umstellungsosteotomie am Übergang von befestigter Gingiva zu Mukosa deutlich zu erkennen, die Ausheilung war überaus gut. Entsprechend ihrer eigenen Aussage war es der Patientin tatsächlich nicht möglich, in eine sicher reproduzierbare Interkuspidation zu finden. 

Diagnose

Hypomineralisierte Amelogenesis imperfecta. Die Wahrscheinlichkeit einer genetischen Ursache für die Erkrankung ist sehr hoch, da alle Zähne in ähnlicher Weise betroffen sind. Die Amelogenesis imperfecta wird häufig grob in drei Untergruppen eingeteilt: hypoplastisch, hypomineralisiert (hypomaturiert) und hypocalcifiziert.

Im vorliegenden Fall handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Hypomineralisation der Zähne, da die Zähne in ihrer Morphologie normal sind, der Schmelz aber leicht abplatzt. Näheres dazu im Abschnitt „Erläuterungen zum Therapieentscheid“ [Crawford et al., 2007 und Feierabend, 2014a].

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