MRT statt CT oder DVT

Kieferorthopädische Untersuchungen sind ohne Röntgenstrahlung möglich

Forschern des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS und des Universitätsklinikums Erlangen ist es gelungen, die Magnetresonanztomografie (MRT) in der Kieferorthopädie erfolgreich einzusetzen. So soll künftig beispielsweise die Position von verlagerten oder retinierten Zähnen ohne Röntgenstrahlung diagnostizierbar sein.

Die Studie zeigt, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen Aufnahmen der Magnetresonanztomografie (MRT) ohne Röntgenstrahlung und der Computertomografie (CT) gibt. Fraunhofer IIS

Die Wissenschaftler haben gezeigt, dass die MRT in vielen Bereichen der Kieferorthopädie genauso erfolgreich eingesetzt werden kann wie die bisher üblichen Verfahren mit ionisierender Strahlung.

Der Vorteil des MRT-Verfahrens ist neben einem gutem Kontrastverhältnis die völlige Abwesenheit von ionisierender Strahlung. "Das Hauptklientel für kieferorthopädische Untersuchungen sind Kinder und Jugendliche. Bei dieser Personengruppe ist das Risiko für Schäden durch ionisierende Strahlung höher als bei Erwachsenen", erklärt Dr. Daniel Haddad vom Fraunhofer-Institut.

"In einer australischen Studie wird berichtet, dass das Risiko generell an Krebs zu erkranken, für Personen in der untersuchten Gruppe um 24 Prozent höher war, wenn bei ihnen in den Jahren vor dieser Erkrankung eine Computertomografie-Untersuchung durchgeführt worden war, als bei Personen ohne eine solche Untersuchung. Wenn wir also künftig durch alternative Untersuchungsmöglichkeiten die Strahlenbelastung dieser Untersuchungen in der Kieferorthopädie komplett vermeiden könnten, wäre das großartig."

Kein signifikanter Unterschied zwischen MRT und anderen Verfahren

In der durchgeführten Studie bewerteten und verglichen Zahnärzte Schichtbilder und 3-D-Rekonstruktionen von Schweineköpfen, die mittels klassischer bildgebender Verfahren wie der CT oder der digitalen Volumentomografie (DVT) erstellt wurden mit Pendants der MRT.

Das Ergebnis: Generell unterschied sich die MRT hinsichtlich der meisten Parameter nicht signifikant von anderen Methoden. Bei der Beurteilung der Lage von Zahnkeimen wurde die MRT sogar besser bewertet.

"Auch bei den 3-D-Rekonstruktionen der Zähne aus MRT-Daten konnten wir - außer bei der Oberflächendarstellung der Zahnwurzeln - keine signifikanten Unterschiede gegenüber herkömmlichen Verfahren feststellen. Mit Standardparametern aufgenommene MRT-Daten scheinen den heute verwendeten Röntgen- beziehungsweise DVT-oder CT-Aufnahmen in vielen Bereichen ebenbürtig," fasst Kieferorthopäde Dr. Andreas Detterbeck vom Universitätsklinikum Erlangen zusammen. "Im Bereich der Knochendarstellung, in dem die Röntgenstrahl-basierten Methoden zurzeit noch besser abschneiden als die MRT, bieten neue schnelle MRT-Verfahren die Chance, auch diese Lücke zukünftig zu schließen."

Für die Studie "MRI vs.CT for orthodontic applications: comparision of two MRI protocols and three CT (multislice, cone-beam, industrial) technologies" wurde das Forschungsteam am 11. Oktober 2017 in Bonn von einer unabhängigen Jury auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. mit dem Jahresbestpreis für die J Orofac Orthop-Publikation 2016 prämiert.

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