Probiotika gegen Karies

Lactobacillus rhamnosus GG wirkte kariespräventiv

In einer chilenischen Studie entwickelten Kleinkinder mit hohem Kariesrisiko, die mit Probiotika angereicherte Milch tranken, signifikant weniger Karies als ihre Altersgenossen in der Kontrollgruppe.

In die chilenische Studie wurden 42 zwei- bis dreijährige Kinder mit hohem Kariesrisiko und ohne Milchunverträglichkeiten oder Nahrungsmittelallergien eingeschlossen.

Lactobacillus rhamnosus GG zählt zu den gut auf ihre Wirkung im Mundraum untersuchten Probiotika. Die Ergebnisse der Forschung fallen bislang allerdings ambivalent aus.

Während die Autoren der kürzlich veröffentlichten chilenischen Studie aktuelle internationale Arbeiten zitieren, die Lactobacillus rhamnosus GG positive Wirkungen gegen Karies und Parodontitis bescheinigen [Banna et al., 2017; Pace et al., 2015; Vandenplas et al., 2015], haben deutsche Autoren auf das prinzipiell kariogene Potenzial der Laktobazillen hingewiesen – schließlich verstoffwechseln sie ebenso wie bekannte kariogene Keime Zucker zu Milchsäure. In einer Studie konnten sie am Biofilmmodell zeigen, dass Lactobacillus rhamnosus GG bei gleichzeitiger Zuckerzufuhr einen signifikanten Mineralverlust in Dentinkavitäten erzeugen konnte [Schwendicke et al., 2014]. Da Probiotika häufig zuckerhaltigen Joghurts zugesetzt werden, ist das Szenario von Schwendicke et al. durchaus nahe an der Realität.

Material und Methoden

In der vorliegenden Studie wurden 42 gesunde, zwei- bis dreijährige Kinder mit hohem Kariesrisiko und ohne Milchunverträglichkeiten oder Nahrungsmittelallergien eingeschlossen. Die Kinder stammten aus 16 Kindertagesstätten im Nordwesten der Metropolregion Santiago de Chile und wurden jeweils zur Hälfte einer Interventions- und Kontrollgruppe zugewiesen.

Die Interventionsgruppe erhielt an den Wochentagen 150 ml nach einer feststehenden Rezeptur aus Milchpulver hergestellte Milch mit einem Zusatz von Lactobacillus rhamnosus GG (107 KBE/ml). Die Kinder der Kontrollgruppe erhielten Milch mit Placebozusatz.

Alle Probanden wurden jeweils zu Studienbeginn und am Ende der über zehn Monate laufenden Untersuchung klinisch zahnärztlich untersucht. Das Auftreten von Karies wurde mittels ICDAS dokumentiert. Zusätzlich wurden zu den gleichen Terminen Speichelproben von nicht stimuliertem Speichel entnommen.

Neben der Entwicklung der Kariesprävalenz wollten die Forscher auch die Konzentration des antimikrobiellen Peptides hβD-3 im Speichel der Probanden von Interventions- und Kontrollgruppe vergleichen. Dieses natürliche Antibiotikum ist in den Mundschleimhäuten weit verbreitet und es sollte herausgefunden werden, ob der probiotische Zusatz den hβD-3-Spiegel im Speichel beeinflusst.

Ergebnisse und Diskussion

Im Laufe der zehnmonatigen Studiendauer entwickelten die Kinder der Kontrollgruppe signifikant mehr kariöse Läsionen als die Kinder, die die mit Lactobacillus rhamnosus GG angereicherte Milch erhalten hatten. Der probiotische Zusatz scheint also einen kariespräventiven Effekt bewirkt zu haben. Inwieweit sich in der Interventionsgruppe auch die oralen Mikrobiota verändert haben, wurde allerdings nicht untersucht. Schwendicke et al. hatten 2014 keine Hemmung von Streptococcus mutans feststellen können.

Die Messungen des hβD-3-Spiegels im Speichel zeigten ebenfalls eine Veränderung: Während die Konzentration des Beta-Defensins-3 in der Kontrollgruppe unverändert blieb, sank er in der Interventionsgruppe ab. Die Forscher diskutieren verschiedene Zusammenhänge für diesen Effekt, unter anderem auch die Möglichkeit, dass Probiotika über den Umweg über den Darm auf die orale Mikroflora Einfluss nehmen.

Angesichts der Tatsache, dass die mikrobiologischen Wirkmechanismen von Probiotika und die Interaktionen mit dem Immunsystem des Wirtes noch weitgehend unaufgeklärt sind, verweisen die Forscher hier auf ein interessantes Forschungsfeld.

Studie: Sandoval, F., Faleiros, S., Cabello, R. et al. The consumption of milk supplemented with probiotics decreases the occurrence of caries and the salivary concentration of hβD-3 in children. Clin Oral Invest (2021). doi.org/10.1007/s00784-020-03712-8

Literatur:

43461964344188434418943441904327093 4346197 4344193
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