Zahnmedizin

Linkows Blattimplantate

Am 26. Januar starb mit Dr. Leonard I. Linkow einer der Urväter der Implantologie. Der Entwickler der Blattimplantate ist der einzige Zahnarzt, der für den Nobelpreis nominiert wurde.

Die Entwicklung der Blattimplantate 1968 ist ein Meilenstein in der Geschichte der enossalen Implantate. Sie ist fest mit dem Namen Dr. Leonard I. Linkow (1926 – 2017) verbunden und löste weltweit geradezu einen Boom in der dentalen Implantologie aus. Dennoch war es an sich nur eine logische und folgerichtige Entwicklung der damaligen Erkenntnisse. Steffen Fabel

Bis zu Linkows Entwicklung wurden Schrauben und Pins verwendet, die in der Regel durch das mucoperiostale Gewebe gesetzt wurden. Hierbei kam es nicht nur zur Verschleppung von epithelialem Gewebe in den Knochen und damit zur bindegewebigen statt einer knöchernen Einheilung, sondern häufig auch zu Perforationen des Knochens in die umliegenden meist buccalen Weichgewebe. Nicht zuletzt durch die Erfahrung mit subperiostalen Implantaten, bei denen man immer mehr dazu überging, den Abdruck direkt vom blanken Knochen und nicht von der darüber liegenden Schleimhaut zu nehmen, erkannte Linkow, wie oft er von den Weichgeweben getäuscht wurde. Steffen Fabel
Die Insertion der Blattimplantate erfolgt in einer schmalen vorher präparierten Knochenrinne. Die Keilform (apical schmaler als crestal) erfordert ein Einklopfen des Implantatkörpers 1 bis 2 mm subcrestal, zugleich gewinnt dadurch das Implantat stetig an Primärstabilität und verhindert ein nachträgliches Einsinken. Steffen Fabel
Ab 1967 begann Linkow routinemäßig mit der Abklappung des Weichgewebes und Freilegung des Knochens während der Implantationen und realisierte die verschiedenen Stadien der Atrophie der Kiefer. Somit erkannte er das Problem des Knochenabbaus in bucco-labialer beziehungsweise bucco-palatinaler Dimension zu einem schmalen, gratförmigen, oft unter sich gehenden Restknochen. Gerade die dicke Schleimhaut im Oberkiefer täuscht hier oft über die wahren anatomischen Begebenheiten. Steffen Fabel
Diese grafische Darstellung zeigt ein typisches Blattimplantat im Oberkiefer. Neuere Implantat-Versionen sind aber auch zu sehen. Cover des Buchs von Leonard Linkow
Blattimplantate sind in der vertikalen Richtung ausgedehnt, jedoch nur wenige Millimeter dick, weshalb sie früher häufig bei Belastungen gebrochen sind, wie man hier auf dem Röntgenbild deutlich sieht. Hartmann
Hier eine Übersicht der damals zur Verfügung stehenden Linkow-Implantate. Die gerade mal 1,5 mm breiten gefensterten Blätter erfuhren in den Folgejahren sehr viele Modifikationen. Während sie am Anfang noch häufig an der unteren Basis offen waren, setzten sich im Laufe der Zeit basal geschlossene Blattimplantate durch. 1969 führe Linkow die horizontale und vertikale Verschraubung ein. Dies ermöglichte erstmals das gezielte Abnehmen der Prothetik, die bis dahin stets zementiert wurde. 1980 erschien eine dickere, nahezu parallelwandige, speziell für den Oberkiefer entwickelte Variante, das sogenannten „tuber blade“, dessen Design bereits gezielt mit einer Knochenverdichtung arbeitete. Zusätzlichen Halt vermittelten Stabilisierungsausleger in anterior-posteriorer Richtung, die an die Kontur des Kieferkamms angepasst wurden. Hartmann
Die horizontale Ausdehnung ergibt von Anfang an einen großen Knochen-Implantat-Kontakt und stabilisiert es gegen kippende und rotierende Kräfte. Die Blattausdehnung ist dabei bis zu einem gewissen Grad individualisierbar. Der Hals ist im Sinne eines Platform-Switching gegenüber dem Blatt und dem Pfosten dünner und außerhalb des Knochens biegbar. Steffen Fabel
Dr. Steffen Fabel zu Besuch bei Prof. Leonard Linkow (rechts) in New York. Er hatte ihn 2008 im Rahmen der Vorbereitungen zu seiner Masterthese über den Pionier besucht. privat

Prof. Leonard I. Linkow wurde 90 Jahre alt

Prof. Leonard I. Linkow wurde 90 Jahre alt | privat

Dr. Lenoard Linkow ist im Alter von 90 Jahren am 26. Januar 2017 nach langer Krankheit verstorben.
In Brooklyn New York geboren, studierte er an der New York University College of Dentistry, wo 1952 seinen Abschluss machte. Nach knapp drei Monaten seiner Praxistätigkeit setzte er schon sein erstes (subperiostales) Implantat. Er war Präsident der American Academy of Implant Dentistry sowie dem American Board of Oral Implantology. In seinen 50 Jahren als Zahnarzt verfasste er 18 Bücher, über 100 Fachartikel und hält 36 Patente für dentale Entwicklungen. 1
991 erhielt er den weltweit ersten ausgerufenen Lehrstuhl für Implantologie an der New York University College of Dentistry. Linow ist der einzige Zahnarzt, der je für den Nobelpreis nominiert wurde (1972). 2015 wurde er von der American Academy of Implant Dentistry für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Während seiner Karriere behandelte Dr. Leonard Linkow über 100.000 Patienten - vorwiegend einfache Leute von nebenan, darunter aber auch Kardinäle aus Rom und viele Stars und Prominente.

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