Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen

Studienprognose: 2030 sind nur noch vier Prozent der Senioren zahnlos

Unter den Senioren zwischen 65 und 74 Jahren hat die Prävalenz von Zahnlosigkeit in Deutschland binnen 17 Jahren um die Hälfte abgenommen. Besonders bemerkbar macht sich dieser Trend bei Nichtrauchern und Personen mit geringem Bildungsniveau.

Frauen sind zu 40 Prozent häufiger von Zahnlosigkeit betroffen als Männer, ein höheres Risiko haben auch Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau und Raucher. Adobe Stock_deagreez

Anhand von Daten aus nationalen Mundgesundheitsstudien der Jahre 1997, 2005 und 2016 prognostizieren die Studienautoren, dass bis 2030 nur noch etwa vier Prozent der Personen in dieser Altersgruppe zahnlos sein werden. Der gesunkene Zahnverlust bei den Senioren spiegelt die verbesserte Mundgesundheit der Bevölkerung insgesamt wider.

In Deutschland fehlten bislang Langzeitdaten zum Zahnverlust

In den USA hat Zahnlosigkeit von 19 Prozent in den 1950er Jahren auf fünf Prozent in den späten 2000er Jahren abgenommen, wobei der Effekt soziale Ungleichheiten zeigte und Zusammenhänge mit dem Haushaltseinkommen aufwies. In Deutschland fehlten bislang Langzeitdaten zum Zahnverlust. Um diese Lücke zu schließen, beschreiben die Autoren dieser Studie Trends der Prävalenz von Zahnlosigkeit bei Senioren zwischen 1997 und 2014 und projizieren diese bis 2030.

Für diese Analyse wurden Daten von 3.449 jüngeren Senioren im Alter von 65 bis 74 Jahren aus den letzten drei deutschen Mundgesundheitsstudien verwendet (DMS III 1997: n = 1.367; DMS IV 2005: n = 1.040; DMS V 2016: n = 1.042). In binär-logistischen Regressionsmodellen wurden Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Rauchen und die Kohorte auf Zusammenhänge mit Zahnlosigkeit hin bewertet.

Prognosen zur Zahnlosigkeit der 60- bis 80-Jährigen im Jahr 2030 wurden aus Monte-Carlo-Simulationen abgeleitet. Dabei wurde angenommen, dass sich 2030 in dieser Altersgruppe 54 Prozent Frauen und 46 Prozent Männer befinden, 30 Prozent einen geringen, 41 Prozent einen mittleren und 29 Prozent einen hohen Bildungsgrad haben sowie 20 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen rauchen. Prognosen für Senioren über 74 Jahren konnten nicht erstellt werden, weil diese Altersgruppe erst in der letzten Mundgesundheitsstudie (2014) aufgenommen wurde.

Zahnlosigkeit sinkt zwischen 1997 und 2014 um die Hälfte

Zwischen 1997 und 2014 sank die Prävalenz von Zahnlosigkeit von 24,8 auf 12,4 Prozent. Die Veränderung erfolgte hauptsächlich zwischen 2005 und 2014, in dieser Zeit ging die Prävalenz von 22,1 auf 12,4 Prozent zurück. Mit jedem Lebensjahr stieg das Risiko zahnlos zu werden um durchschnittlich elf Prozent (p < 0,001). Bei einzelner Betrachtung von Ober- und Unterkiefer zeigte sich, dass Zahnlosigkeit im oberen Zahnbogen häufiger auftrat.

Frauen waren zu 40 Prozent häufiger betroffen als Männer (p = 0,001), ein höheres Risiko haben auch Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau (bis zu 2,6-fach häufiger, p < 0,001). Als ein wesentlicher modifizierbarer Risikofaktor wurde Rauchen identifiziert: Bei ehemaligen und gegenwärtigen Rauchern war die Wahrscheinlichkeit für Zahnverlust bis zu 2,6-fach erhöht (p < 0,001).

Prognose: Bis 2030 geht Zahnlosigkeit nochmals um fast zwei Drittel zurück

Die Autoren gehen davon aus, dass die Prävalenz von Zahnlosigkeit bis 2030 auf 4,2 Prozent sinkt (95 % CI 2,8-5,8). Bezogen auf die steigende Anzahl der 60- bis 80-Jährigen wird die Zahl der zahnlosen Personen im Jahr 2030 gegenüber 1997 um 80 Prozent zurückgehen. Im Vergleich zu 2014 wird sich ihre Anzahl bis 2030 um fast 70 Prozent reduzieren (von 2,7 auf 0,9 Millionen Betroffene). Dies wird der Prognose nach vor allem bei Männern, Nichtrauchern und Personen mit geringem Bildungsgrad der Fall sein.

Dennoch werden 2030 immer noch viermal so viele Menschen mit geringem Bildungsniveau zahnlos sein wie solche mit einem hohen Bildungsgrad. Das könnte mit Einkommensunterschieden zusammenhängen, die dazu führen, dass selbst zu zahlende Behandlungen wie beispielsweise professionelle Zahnreinigungen nicht wahrgenommen werden. Ein weiterer Grund könnten unterschiedliche Kenntnisse zur Mundgesundheit sein, die zu anderen Verhaltensweisen führen.

Der Rückgang der Prävalenz von Zahnlosigkeit in Deutschland steht im Einklang mit Ergebnissen der letzten 20 bis 40 Jahre aus anderen Ländern: In Großbritannien ist die Prävalenz um 84 Prozent gesunken, in Finnland um 57 Prozent, in Australien um 61 Prozent und in Schweden um 84 Prozent. Aus den USA liegt eine Prognose vor, die von 2020 bis 2030 einen Rückgang der Zahnlosigkeit von 44 Prozent vorhersagt, also 4,4 Prozent jährlich.

Fazit

Zahnlosigkeit ist in den letzten Jahren bei Senioren in Deutschland stetig zurückgegangen, was eine deutliche Verbesserung der Mundgesundheit in Deutschland widerspiegelt. Dieser Rückgang wird voraussichtlich bis 2030 anhalten.

Schwendicke F, Nitschke I, Stark H, Micheelis W, Jordan RA; Epidemiological trends, predictive factors, and projection of tooth loss in Germany 1997-2030: part II. Edentulism in seniors. Clin Oral Investig. 2020 Apr 3. doi: 10.1007/s00784-020-03265-w.

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