Studie mit Parodontitispatienten

Zungenreinigung verringert nicht die Bakterienlast

br
Zahnmedizin
Ob im Haushalt oder im Mund: Reinigen reduziert die Zahl der Bakterien. Was als unhinterfragt selbstverständliches Paradigma daherkommt, scheint aber nicht für die Zungenreinigung zu gelten.

Die Zunge beherbergt über die Hälfte aller Bakterien im Mundraum. Beläge auf der Zunge sind in vielen Fällen hauptverantwortlich für Mundgeruch, denn sie enthalten – ähnlich wie Zahnbeläge – viele Keime, darunter auch solche, die über ihren Stoffwechsel übelriechende flüchtige Schwefelverbindungen produzieren. Die Zungenreinigung ist bei Mundgeruch eine der am häufigsten empfohlenen Maßnahmen, um das Problem einzudämmen.

Zungenreinigung reduziert weder Bakterienlast noch das Potenzial zur Rekolonisierung von Zahnfleischtaschen

Im Bereich der Parodontitistherapie ist es wünschenswert, dass die von Zahnbelägen gesäuberten Taschen möglichst nicht wieder sofort mit pathogenen Keimen rekolonisiert werden und so das Entzündungsgeschehen neu anfachen. Da die Zungenschleimhaut ein bedeutendes Reservoir von Bakterien bildet, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die Bakterienlast und damit auch das Potenzial zur Rekolonisierung von Zahnfleischtaschen mit der Zungenreinigung reduziert werden könnte. Einen solchen Zusammenhang konnten aber belgische Wissenschaftler in einer Untersuchung nicht bestätigen.

Studie

Die Forscher hatten 22 Probanden mit Zungenbelag und mittelschwerer/schwerer Parodontitis für eine 14-tägige Untersuchung rekrutiert, von denen 18 in die Auswertung aufgenommen werden konnten. Die Studienteilnehmer waren Nichtraucher und systemisch gesund. Sie hatten bislang keinen Zungenreiniger verwendet, in den letzten sechs Monaten keine systemischen Antibiotika genommen und sich in den letzten drei Jahren keiner Parodontaltherapie unterzogen.

Die Probanden wurden randomisiert in zwei Gruppen und sollten täglich nach einem vorgeschriebenen Protokoll die Zunge reinigen – eine Gruppe mit einem Zungenschaber (Halita® Zungenschaber, Dentaid, Spanien), die andere Gruppe mit einer Oral-B® Indicator® medium-Zahnbürste. Die Patienten wurden darauf hingewiesen, ihre Mundhygiene mit Ausnahme der Zungenreinigung während des 14-tägigen Studienzeitraums nicht zu ändern.

Zu Beginn der Untersuchung und nach 14 Tagen wurden Proben vom Zungenrücken und von unstimuliertem Speichel entnommen. Zwischen der Gruppe, die den Zungenschaber verwendete, und der Gruppe, die die Zahnbürste zur Reinigung der Zunge verwendete, wurden keine Unterschiede in der Keimzahl gefunden - weder zu Beginn der Studie, noch nach 2 Wochen Zungenreinigung. Auch die mikrobiologische Zusammensetzung hatte sich nicht signifikant verändert. Beide Feststellungen trafen auch unabhängig von der Art des Zungenreinigers zu, obwohl der Zungenbelag der Probanden nach 14 Tagen signifikant verringert war und die Patienten subjektiv über eine „sauberere Zunge“ berichteten.

Ergebnis

Das Ergebnis ist durchaus überraschend, gilt doch die Zungenreinigung in der Halitosistherapie als die wichtigste Maßnahme, um die geruchsbildenden Bakterien zu beseitigen – die überwiegende Mehrzahl der Fälle von Mundgeruch wird ursächlich auf Zungenbeläge zurückgeführt. Die Autoren weisen in Ihrer Arbeit darauf hin, dass es in der Forschung widersprüchliche Ergebnisse zum Einfluss der Zungenreinigung auf die Bakterienbelastung gebe. Während einige Autoren nach mechanischer Zungenreinigung verminderte Bakterienzahlen fanden, konnten andere nur eine Verminderung des Substrates, nicht der Bakterienzahlen feststellen.

Schlussfolgerung

Als Schlussfolgerung halten die Autoren fest: „Obwohl die Zungenreinigung bei Patienten mit Parodontitis zu einer sichtbaren Verringerung der Zungenschicht führt, beeinflusst sie weder die bakterielle Belastung des Zungenrückens noch des Speichels.“ Damit könne die Zunge bei Patienten mit Parodontitis auch dann als Reservoir für Parodontopathogene wirken, wenn sie mechanisch gereinigt wird. I. Laleman, R. Koop, W. Teughels, C. Dekeyser, M. Quirynen, „Influence of tongue brushing and scraping on the oral microflora of periodontitis patients“, in: Journal of periodotal Research, Volume 53, Issue 1, Februar 2018, pages 73-79, first publisched: 17. Oktober 2017

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