Uniklinikum Würzburg

Zungenschrittmacher als weitere Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe

An der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg wurde vor wenigen Wochen dem ersten Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe ein Zungenschrittmacher implantiert. Das System sorgt dafür, dass dessen Atemwege während des Schlafs offen bleiben.

Der Zungenschrittmacher besteht aus drei funktionalen Elementen, die alle nach der Implantation unter der Haut getragen werden. Geht der Patient ins Bett, aktiviert er das System mit einer Fernbedienung per Knopfdruck - am Morgen nach dem Erwachen schaltet er es wieder aus. Michael Bogár / Uniklinikum Würzburg

 

Das neuartige Gerätesystem wurde am 14. Dezember dem ersten Patienten der HNO-Klinik des Uniklinikum Würzburg (UKW), einem 62-jährigen Mann, erfolgreich implantiert. Den mikrochirurgischen Eingriff nahm Prof. Dr. Rudolf Hagen (Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des UKW) gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Philipp Schendzielorz (Leiter des dortigen Schlaflabors) vor. Der Eingriff dauerte eineinhalb Stunden und verlief ohne Komplikationen. Dies teilte das UKW jetzt mit.

Elektrische Impulse im Atemrhythmus

Prof. Dr. Rudolf Hagen, Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, präsentiert den Neurostimulator des Zungenschrittmachers. | Michael Bogár / Uniklinikum Würzburg

Der Zungenschrittmacher besteht aus drei funktionalen, miteinander durch Leitungen verbundenen Elementen, die alle nach der Implantation unter der Haut getragen werden. Ein Sensor am Brustkorb erkennt den Atemrhythmus des Patienten und gibt diesen an einen Neurostimulator mit integriertem Generator weiter. Dieses Modul verarbeitet die Atemsignale und sendet im passenden Takt elektrische Impulse an eine Stimulationselektrode, die auf dem Unterzungen-Nerv (Hypoglossus-Nerv) platziert wurde. Die leichte elektrische Anregung des Nervs aktiviert die Zungenmuskulatur, so dass die Zunge nicht mehr zurückfallen kann.

Der Patient schaltet das System mit einer Fernbedienung per Knopfdruck vor dem Zubettgehen ein und am Morgen nach dem Erwachen wieder aus. Über die Fernbedienung lässt sich außerdem die Stärke der Stimulation vom Patienten selbst regulieren.

„Bei unserem Pilotpatienten konnten wir bei einer intraoperativen Stimulation sehr gut dokumentieren, dass der Atemweg durch die Zungenbewegung nach vorne schön erweitert wird“, berichtet Hagen. Nach einer Einheilungs- und Eingewöhnungsphase ist eine ärztliche Feineinstellung des Systems erforderlich. Beim ersten Zungenschrittmacher-Patienten des UKW findet diese im Januar 2019 im Schlaflabor statt.

Nach Herstellerangaben nehmen die Patienten die Stimulation in der Regel nur gering oder gar nicht wahr. Für gewöhnlich werde ein leichtes Kribbeln oder eine leichte Kontraktion der Zungenmuskulatur gefühlt. Die Batterie des Generators hält normalerweise acht bis elf Jahre und muss dann mit einer kurzen Operation ausgetauscht werden.

Eine Alternative zur Therapie mit Maske

„Der Zungenschrittmacher ist eine geprüfte und sichere Behandlungsoption“, sagt Schendzielorz. Nach seinen Worten profitieren die Implantatträger nicht nur von einer nachhaltigen Reduktion der nächtlichen Atemaussetzer, sondern auch von einer dauerhaft verbesserten Lebensqualität sowie letztlich auch von einer höheren Lebenserwartung.

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter obstruktiver Schlafapnoe. Bei diesem Syndrom erschlafft die Zungenmuskulatur und das umliegende Gewebe während des Schlafes. Dabei werden die oberen Atemwege verschlossen und die Atmung setzt aus. Der daraus folgende Sauerstoffmangel führt unter anderem zu häufigen Aufwachreaktionen während der Nacht. Als Standardtherapie können die Betroffenen eine spezielle Maske während des Schlafs tragen. Bei diesem als CPAP („Continuous Positive Airway Pressure“) bekannten Verfahren stabilisiert der Überdruck das im Schlaf entspannte Gewebe im Nasen- und Rachenraum und hält diesen offen.

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) stellt aufgrund der hohen Prävalenz und den individuellen Beeinträchtigungen ein Krankheitsbild von zunehmender Bedeutung dar.

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