Die Entwicklung des Zahnarztberufs (10)

Etablierung der zahnärztlichen Fachpresse

Ein wesentlicher Indikator für den Professionalisierungsgrad eines Berufsstands ist die Ausprägung seiner Fachpresse. Gerade Umfang und Güte der Publizistik lassen deutliche Rückschlüsse auf die wissenschaftliche Entwicklung und den Stand der Spezialisierung zu. Vor diesem Hintergrund erscheint es lohnend, bei der Frage nach der Entwicklung des Zahnärztestands auch auf Anfänge und Ausdifferenzierung des zahnärztlichen Zeitschriftenwesens zurückzublicken.

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Die erste Ausgabe der Zahnärztlichen Mitteilungen © zm-Archiv

Schon in der Gründungsnotiz des Central-Vereins der deutschen Zahnärzte (CVdZ) findet sich der Hinweis, dass man drei Maßnahmen durchführen wollte, um eine „Hebung des zahnärztlichen Standes“ herbeizuführen: die Organisation von Jahrestagungen, die Gründung von Lokalvereinen und die Herausgabe einer vereinseigenen Fachzeitschrift [Deutsche Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, 1875].

Der Vorsitzende des CVdZ, Moritz Heider, sah in der Etablierung einer Fachzeitschrift ein ebenso wichtiges wie aufwendiges Projekt: „[...] wir müssen uns ein großes, gemeinsames Organ schaffen, welches dem Einzelnen das Lesen der vielen Zeitschriften in fremden Sprachen erspart.

Die Gründung einer solchen Zeitschrift ist ein Gegenstand, der [...] die volle Aufopferung und den ganzen Patriotismus der Berufsgenossen in Anspruch nehmen wird“ [Hosch, 1990]. Tatsächlich gelang es dem CVdZ im Jahr 1861 mit der „Deutschen Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde“ ein offizielles Fachorgan zu etablieren. Zuvor waren 1860 übergangsweise sogenannte „Mittheilungen“ des Central-Vereins erschienen.

Alles begann 1846 – „Der Zahnarzt“ erscheint

Allerdings stellte die Vierteljahrsschrift nicht das erste Periodikum der deutschen Zahnärzte dar. Bereits 1846 wurde die Fachzeitschrift „Der Zahnarzt“ gegründet. Sie wurde seitdem monatlich herausgegeben und stand unter der Redaktion von Carl Wilhelm Schmedicke, der das Blatt in Eigenregie – sprich, ohne eine Fachgesellschaft im Hintergrund – herausgab. Das wissenschaftliche Niveau der Zeitschrift galt jedoch von Anfang an als niedrig [Nordheim, 1957]. Zudem war das Verhältnis von Schmedicke und Heider ausgesprochen angespannt. So lobte Heider die Vierteljahrsschrift in Anspielung auf den „Zahnarzt“ als Zeitschrift, die „wenigstens [...] keine Vergangenheit“ habe, „an welche sich eine den deutschen Namen kompromittierende Erinnerung knüpft“ [Deutsche Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, 1862].

Die Erwartungshaltung an das neue Organ war sehr hoch. Man sah in seiner Gründung einen Gegenstand, der „sehr ernste und eindringende Berathungen erfordert“ [Mittheilungen des Central-Vereines deutscher Zahnärzte, 1860]. Doch die Mühen schienen sich zu lohnen: Während „Der Zahnarzt“ bereits 1872 eingestellt wurde, gewann die Vierteljahrsschrift rasch an Bedeutung. Nach Heiders Tod 1866 wurde sie bis 1870 von dem Nürnberger Zahnarzt Adolf zur Nedden redigiert. Unter zur Neddens Schriftleitung nahm die Zeitschrift einen deutlichen Aufschwung. Zur Nedden nutzte seine Fremdsprachenkenntnisse, um den Zahnärzten  Übersetzungen fremdsprachiger Fachbeiträge zu bieten. Im Gegensatz zu Schmedicke bemühte er sich dabei jedoch stets um kritische Kommentierungen. 1871 übernahm der Österreicher Edmund Mühlreiter interimistisch die Redaktion. 1874 ernannte man Robert Baume zum Schriftleiter. Während Baumes Tätigkeit rückten berufspolitische Fragen stärker in den Vordergrund. Im Mittelpunkt stand vor allem die Auseinandersetzung mit den nichtapprobierten Zahnbehandlern.

Was die Auflagenzahlen anbelangt, so verzeichnete die Vierteljahrsschrift im Verlaufe der 1870er-Jahre einen deutlichen Aufwärtstrend: 1871 hatten 458 Zahnärzte ein Abo. Zu Beginn der 1880er-Jahre belief sich die Auflagenhöhe Nordheim zufolge auf 800 [Nordheim, 1957]. Dennoch: Nur wenige Zahnärzte reichten eigene Beiträge ein, so dass der „Pool“ der tatsächlichen Autoren klein blieb [Deutsche Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, 1873]. Im Ausland erfuhr die Vierteljahrsschrift dennoch zunehmend Anerkennung. Das Komitee für zahnärztliche Literatur in New York würdigte die wissenschaftliche Richtung und betonte, dass eine Fachzeitschrift, die ausschließlich von Zahnärzten herausgegeben werde und als Vereinsorgan erscheine, die Interessen der Berufsgruppe am besten vertrete und niveaulose Blätter am zuverlässigsten ausschalte [Deutsche Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, 1874].

1882 entschloss sich der CVdZ angesichts der wachsenden Bedeutung wissenschaftlicher und interessenpolitischer Fragen zur Herausgabe einer „Monatsschrift“. Demgemäß erschienen ab 1883 jährlich statt bisher vier fortan zwölf Ausgaben des Vereinsorgans. Da die Leser der Monatsschrift zudem eine stärkere Berücksichtigung von „Standesangelegenheiten“ wünschten, entschloss sich der Central-Verein, ab 1887 zusätzlich zur Monatsschrift ein „Beiblatt“ herauszubringen, das ausschließlich berufspolitische Fragen behandeln sollte. Nachdem 1891 mit dem „Vereinsbund Deutscher Zahnärzte“ (VbDZ) eine Organisation gegründet worden war, die sich ganz berufspolitischen Fragen widmen wollte, wurde das Beiblatt 1894 kurzerhand zum „Organ des Vereinsbundes“ erklärt. Es erschien nun getrennt von der Monatsschrift. Doch noch im gleichen Jahr wurde sein Erscheinen eingestellt, da sich der VbDZ letztlich zur Herausgabe einer eigenen Zeitschrift entschloss. Sie sollte eine neue Ära einleiten [Nordheim, 1957].

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