Integration von Flüchtlingen

Praxis mit Patenschaft

Helfen heißt tun - wie das im Berufsstand umgesetzt werden kann, zeigt der Leipziger Zahnarzt Udo J. Wybories, der seinerzeit selbst aus der DDR geflüchtet ist. In seiner Praxis lernen momentan der syrische Zahnarzt Mousa Hasan und der Afghane Habibullah Ahmadi den Alltag einer deutschen Zahnarztpraxis kennen. Wir haben mit allen dreien über Integration, Sprachbarrieren und ihre Berufswünsche gesprochen.

Zahnarzt Udo J. Wybories (Mitte) aus Leipzig macht mit bei der Integration von Flüchtlingen. Er beschäftigt seinen syrischen Kollegen Mousa Hasan (links). Und der Afghane Habibullah Ahmade (rechts) hospitiert in der Connewitzer Zahnarztpraxis. © privat

Zahnarzt Udo J. Wybories aus Leipzig will Flüchtlingen beim Start in ihr neues Leben helfen und übernimmt Patenschaften für Flüchtlinge. © privat
Der syrische Zahnarzt Mousa Hasan ist seit August 2014 in Deutschland. Mit einem Studium der Oralchirurgie würden sich seine beruflichen Pläne verwirklichen. Später möchte sich Hasan als Implantologe niederlassen. © privat
Der Afghane Habibullah Ahmadi stammt aus der Stadt Maidan Wardak. Er ist seit Oktober 2015 in Deutschland. Der 22-Jährige würde gern eine Ausbildung zum Zahnmedizinischen Fachangestellten machen. © privat

Der deutsche Zahnarzt: "Auch ich habe mal bei null angefangen".

Herr Wybories, wie haben Sie und der syrische Zahnarzt Mousa Hasan zueinander gefunden?
Die Leipziger Volkszeitung hatte im Frühjahr 2014 einen Aufruf gemacht, Patenschaften für Flüchtlinge zu übernehmen. Ich habe mich beim Flüchtlingsrat in Leipzig gemeldet und eine Patenschaft für einen Flüchtling übernommen. Im Rahmen der Betreuung habe ich Mousa Hasan kennengelernt. In einem Leipziger Flüchtlingsheim habe ich später improvisierte Deutschkurse gegeben, an denen Mousa auch teilgenommen hat. Es ergab sich, dass er in meine Praxis gekommen ist, um zu sehen, wie es in einer deutschen Zahnarztpraxis zugeht.

Seit wann bieten Sie Flüchtlingen die Chance an, in Ihrer Praxis zu hospitieren?
Seitdem ich die Patenschaft für Flüchtlinge übernommen habe, schlage ich – bei Interesse – eine Hospitation vor.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Ihrem syrischen Kollegen gemacht?
Nur gute! Mousa hat eine sehr gute Ausbildung in Kiew gehabt, wo er auch seinen Abschluss gemacht hat. Danach hat er zwei Jahre in einer eigenen Praxis in Syrien gearbeitet, bis die Bomben seine Praxis zerstörten.

Seit wann hospitiert Herr Hasan in Ihrer Praxis?
Seit Dezember 2014 hospitiert er bei mir. Seit dem 1. März hat er einen Arbeitsvertrag von mir bekommen und arbeitet nun stundenweise als Zahnarzt. Ende Mai möchten wir uns noch einmal beraten, wie es weitergehen soll.

Wie schätzen Sie die fachliche Qualität Ihres syrischen Kollegen ein?
Sein Studium in der Ukraine war – meines Erachten – sehr gut. Es steht dem Zahnmedizinstudium in Deutschland in nichts nach. Er ist fachlich sehr kompetent.

Wie stehen Herrn Hasans Chancen, als anerkannter Zahnarzt in Deutschland Fuß zu fassen?
Seine Chancen in Deutschland als Zahnarzt zu arbeiten, schätze ich als sehr gut ein. Er ist ein engagierter junger Zahnarzt. Mousa möchte noch ein Studium der Oralchirurgie mit Schwerpunkt Implantologie machen. Dafür hat er sich deutschlandweit beworben.

Wenn er einen Studienplatz bekommt, wird er Leipzig verlassen. Sollte das nicht der Fall sein, möchte er als niedergelassener Zahnarzt arbeiten.

Inwieweit schlüpfen Sie in die Rolle eines Mentors/Begleiters für Ihren syrischen Kollegen?
Indem ich ihm erkläre, wie die zahnmedizinische Betreuung in Deutschland funktioniert. Angefangen bei der Patientendokumentation bis hin zum Abrechnungswesen. Aber auch in privaten Fragen stehe ich ihm zur Seite, wie zum Beispiel bei bürokratischen Angelegenheiten.

Was motiviert Sie sich für die Integration von Flüchtlingen zu engagieren?
Meine eigene Geschichte: Mein Vater war Kriegsflüchtling. Ich selbst bin aus der ehemaligen DDR unter sehr gefährlichen Umständen in den Westen geflüchtet. Genau wie Mousa habe auch ich bei null angefangen. Für mich war auch alles fremd, ich kannte niemanden, wurde aber sehr nett in Freiburg aufgenommen. Mir wurde damals auch die Chance gegeben, zu hospitieren.

In Ihrer Praxis werden nun mehrere Sprachen gesprochen. Welche sind das und was ist Ihrer Meinung nach der größte Vorteil daran?
Ich spreche deutsch, spanisch und englisch. Mousa Hasan spricht kurdisch, arabisch und russisch und der Hospitant Habibullah Ahmade spricht afghanisch. Der größte Vorteil ist, dass wir keine Sprachbarrieren haben. Syrische Flüchtlinge werden von meinem Kollegen Mousa behandelt und Habibullah dolmetscht vom Afghanischen ins Deutsche.

Wie sieht die Begleitung nach Herrn Hasans Zeit in Ihrer Praxis aus? Welche Pläne gibt es?
Irgendwann wird er sich so gut integriert haben, dass er meine Hilfe nicht mehr benötigt. Es wird jedoch neue Flüchtlinge geben, die meine Hilfe brauchen können und die werde ich dann gern wieder unterstützen.

Welche Ratschläge geben Sie Herrn Hasan für seine Arbeit als Zahnarzt in Deutschland mit auf den Weg?
Wichtig ist, dass er seine Kompetenzen in Verwaltungsangelegenheiten ausbaut. Spätestens wenn er sich mit einer eigenen Praxis niederlässt, sollte er sich einen guten Überblick erarbeitet haben.

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