Zahnmedizinische Bildgebung

Ist MRT das neue Röntgen?

Am Universitätsklinikum Freiburg haben Ärzte und Forscher eine Dental-MRT-Methode entwickelt, mit der sich Hart- und Weichgewebe präzise in 3-D darstellen lassen. Die bisherigen Limitationen von MRT-Aufnahmen scheinen damit überwunden. Möglich werden dadurch ein schonenderes Vorgehen bei Operationen und eine bessere Kontrolle des Heilungsverlaufs.

Histologischer Schnitt (A), MRT-Schnittbild (B) und DVT-Schnittbild (C) durch den zweiten Prämolaren im humanen Unterkieferpräparat: Im DVT sind weniger Strukturen erkennbar, als im MRT und in der Histologie. © Flügge et al

Sagittales Schnittbild in der MRT (links) und in der DVT (rechts) des Unterkieferpräparats: Die Zahnpulpa, die Gingiva, der spongiöse Knochen und der N. alveolaris inferior sind im MRT dargestellt, während die DVT die knöcherne Begrenzung des Nervkanals, die Begrenzungen der Pulpakammer und den kortikalen Knochen abbildet. © Flügge et al
Die induktiv gekoppelte intraorale Spule ohne Isolierung mit festen Kondensatoren (a), mit verstellbaren Kondensatoren ohne Isolierung (b), mit Isolierung (c), auf dem Gipsmodell des Patienten (d) und angepasst für den intraoralen Einsatz (e) © Flügge et al
Darstellung der intraoralen Spule auf einem porcinen Unterkieferpräparat ex vivo © Flügge et al
DVT und MRT eines porcinen Unterkieferpräparats ex vivo: Die Darstellungen der DVT sind in den Bildern A – C und I und die MRT-Schnittbilder sind in den Bildern D – H dargestellt. Die Konturen der Zahnkronen sind mit den gepunkteten Linien umrissen. © Flügge et al

Die bereits zum Patent angemeldete Methode funktioniert so: Eine kleine kabellose Doppelspule aus Metall wird über die entsprechenden Zahnbereiche gestülpt und verstärkt das MRT-Signal um das bis zu Zehnfache. Die Spule ist mit allen MRT-Geräten kompatibel und wird in Freiburg bereits bei der Operationsplanung eingesetzt.

Ein Team um PD Dr. Jan-Bernd Hövener, Emmy-Noether-Gruppenleiter an der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Freiburg, hat die kabellose Spule entwickelt. Und Ärzte um Prof. Katja Nelson, Oberärztin an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am gleichen Klinikum, wiesen den Nutzen in der Diagnostik und Planung vor einer Operation nach. Das Forscherkollektiv selbst spricht von einem „Durchbruch in der zahnmedizinischen Bildgebung“.

Neu ist die Darstellung der Weichgewebe

„Die neue Methode trägt wesentlich dazu bei, dass die Magnetresonanztomografie in Zukunft die konventionelle Röntgendiagnostik in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ersetzen wird“, sagt Nelson. „Vor einer Operation können wir Kieferknochen, Gefäß-Nerven-Stränge und das umgebende Weichgewebe darstellen und so bei der Operation besonders schonend vorgehen, ohne den Nerv zu treffen.“ Außerdem: Da für die Patienten keine Strahlenbelastung besteht, könnten Ärzte die Bildgebung erstmals auch zur regelmäßigen Kontrolle des Heilungsverlaufs einsetzen.

Eine Doppelspule verstärkt die MRT-Signale

Kernstück der Dental-MRT-Methode ist eine etwa ein Zentimeter hohe Spule aus zwei parallel angeordneten Metallringen. Aufgrund ihrer elektrophysikalischen Eigenschaften verstärkt die Doppelspule die MRT-Signale des umschlossenen Gewebes. Dadurch wird eine Auflösungsgenauigkeit von etwa einem Drittel Millimeter erreicht, was der des Röntgens nahekommt. Die Spule funktioniert ohne Energie und ist für den Patienten absolut ungefährlich. „Unsere Lösung für ein altes Problem der Zahnheilkunde ist an sich technisch recht einfach – und trotzdem eine echte Innovation“, sagt Studienleiter Hövener.

„Bilder von wesentlich höherer Qualität“

Mithilfe der entwickelten drahtlosen, intraoralen, induktiv-gekoppelten Spulen kann demnach ein MRT in einer ausgewählten Region mit hoher Auflösung in einer klinisch möglichen Zeit von etwa vier Minuten erstellt werden. In der Vergangenheit war den Forschern zufolge schon mehrmals versucht worden, das MRT-Signal mit Einzelspulen zu verstärken – allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Die jetzt verwendete Doppelspule aber erlaube nun Bilder von wesentlich höherer Qualität. Dass die Spule kein Kabel benötigt, erleichtere zudem den Einsatz für den Patienten.

Original-Publikationen: Dental MRI using wireless intraoral coils; Scientific Reports, DOI: 10.1038/srep23301Magnetic resonance imaging of intraoral hard and soft tissues using an intraoral coil and FLASH sequences; European Radiology DOI: 10.1007/s00330–016–4254–1

64832736455793645580364558046483274 6483275 6455807
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen