Der Umgang mit alten und dementen Patienten

Empathie in der Praxis

Alte und besonders demente Patienten funktionieren nicht wie der Standardpatient: Sie sind oft langsam, ängstlich und vergesslich. In der durchgetakteten Zahnarztpraxis kommt es dadurch schnell zu Verzögerungen, Konflikten oder Missverständnissen. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie die Termine stressfreier gestalten und besser kommunizieren.

Wer sich Zeit nimmt für ein Gespräch mit älteren Patienten und gewisse Kommunikationsregeln beachtet, wird durch einen harmonischeren Praxisalltag belohnt. © Andrey Popov

Die Situation ist bekannt und durch zahlreiche Studien und Statistiken belegt: Deutschlands Bevölkerung schrumpft, gleichzeitig steigt der Anteil älterer Menschen stetig. Diese doppelte Altersdynamisierung stellt eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft dar und zeigt sich auch bei der Behandlung alter und hochbetagter Menschen in ärztlichen und zahnärztlichen Praxen.

Generell müssen wir uns klar machen: Die Lebensumstände und die Bedürfnisse ändern sich. Alte Menschen unterliegen seelischen und körperlichen Veränderungen, haben oft altersspezifische Ängste oder Unsicherheiten, ihre kognitiven Fähigkeiten verschlechtern sich, ebenso wie die Auffassungsgabe und die manuellen Fertigkeiten. Oft beginnt die Schwierigkeit im Umgang schon beim Kontakt am Telefon oder in der Praxis selbst, indem Informationen oder Termine nicht genau verstanden werden oder in Vergessenheit geraten.

Der alte Patient

In einer gemeinsamen Schulung können im Team Verhaltensweisen erarbeitet und etabliert werden, die einfach, aber hilfreich im Alltag sind:

• Sprechen Sie klar und deutlich – unter Umständen auch langsam.

• Wiederholen Sie, was der Patient gesagt hat, um sich zu vergewissern, dass er alle Informationen verstanden hat.

• Rufen Sie den Patienten am Vortag noch einmal an, um den Termin zu bestätigen oder um die Angehörigen zu erinnern.

• Unterstützen Sie den alten Patienten gegebenenfalls schon am Empfang bei der Abgabe der Versichertenkarte oder der Garderobe.

• Begleiten Sie ihn ins Wartezimmer und in den Behandlungsraum, warten Sie, bis er auf dem Behandlungsstuhl Platz genommen hat.

• Ein persönliches Wort oder ein Lächeln helfen immer, um Ängste und Unsicherheiten zu mindern!

Sind ältere Patienten noch in der Lage, in einem regelmäßigen Recall-Rhythmus in die Praxis zu kommen, sind Kooperation, Mundhygiene und Kontrolle durch den Zahnarzt weitestgehend gewährleistet, somit ist die Voraussetzung für eine gute Mundgesundheit auch im höheren Alter gegeben.

Pflegebedürftige oder demente Patienten hingegen können die zahnärztliche Praxis meist nicht mehr selbstständig aufsuchen, sondern benötigen aufwendige Transporte oder die Hilfe von Betreuern und Angehörigen. In dieser Phase behandelt der Zahnarzt die Patienten zunehmend beschwerdeorientiert, wobei der subjektiv empfundene Behandlungsbedarf der älteren Patienten deutlich nachlässt.

Da die Übergänge in die unterschiedlichen Stadien der Demenz fließend sind, ist es für den Zahnarzt und das Team nicht immer einfach zu erkennen, ob ein Patient dement ist oder nicht und in welchem Stadium der Erkrankung er sich befindet. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass inzwischen rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an einer Demenzerkrankung leiden, stellt die Versorgung dieser Patientengruppe die Zahnarztpraxen in Zukunft vor große Herausforderungen.

Der demente Patient

In der Regel ist es notwendig, die Angehörigen oder Betreuer eng in die Behandlung einzubinden, damit Termine eingehalten und insbesondere die Hinweise zur häuslichen Pflege beachtet werden. Das Team sollte sich darauf einstellen, dass ein erhöhter und immer wiederkehrender Erklärungsbedarf durch den Patienten besteht und somit auch mehr Zeit bei jedem Behandlungsschritt eingeplant werden muss.

Diese Hinweise können dem Team im Umgang mit Demenzpatienten helfen:

• Muten Sie den Patienten nur kurze Wartezeiten zu!

• Vermeiden Sie Unruhe durch viele Menschen, sondern führen Sie den Patienten sofort ins Behandlungszimmer.

• Lassen Sie den Patienten generell nicht allein im Behandlungszimmer.

• Nähern Sie sich dem Patienten nie von hinten, sondern immer von vorne oder von der Seite. Lächeln und fragen Sie, ob die Serviette umgelegt werden darf

• Legen Sie in der Vorbereitungszeit keine Handschuhe an, ziehen Sie den Mundschutz nicht hoch und lächeln Sie den Patienten immer wieder beruhigend an.

• Machen Sie während der Behandlung eindeutige und eher langsame Bewegungen und behandeln Sie nicht unter Zeitdruck!

• Planen Sie generell längere Zeiten für die Behandlung ein.

• Wenn der Patient unruhig wird, machen Sie kurz Pause!

So kommunizieren Sie richtig

Nicht nur bei der Behandlung, gerade auch bei der Gesprächsführung mit dementen Patienten ist spezielles Wissen und sehr viel Empathie gefragt. Dabei muss dem Team bewusst sein, dass Demenzkranke nicht generell aggressiv oder ablehnend sind, sondern in ihren mentalen Funktionen gehandicapt. Beim Zahnarzt reden in ihrer Wahrnehmung fremde Menschen auf sie ein und schreiben ihnen unter Umständen Dinge vor, die sie nicht verstehen. Oft empfinden Demenzpatienten das als Angriff – beispielsweise das Nähern des Saugers im Mund – und sie retten sich, indem sie den Kopf wegziehen oder aufstehen wollen.

Vor diesem Hintergrund können Sie auf folgende Verhaltensweisen achten:

• Sprechen Sie beruhigend mit dem Patienten und lenken Sie ihn – wenn möglich – von seinen Ängsten ab.

• Verwenden Sie einfache und vertraute Wörter.

• Reden Sie in kurzen Sätzen (5-Wort- Sätze).

• Nennen Sie die Dinge beim Namen, statt sie zu umschreiben.

• Achten Sie auf eine positive Körpersprache: Seien Sie zugewandt, lächeln Sie, schauen Sie den Patienten an, legen Sie eventuell kurz die Hand auf seinen Arm, um Zuneigung und Wärme zu bezeugen.

• Wichtig: Widersprechen Sie Menschen mit Demenz nicht, sondern sprechen Sie stattdessen ein anderes Thema an: Wählen Sie die Strategie der Ablenkung!

• Binden Sie die Angehörigen eng in die Behandlung ein und erfragen Sie alle Daten zwecks Kontaktaufnahme.

• Planen Sie die Termine gemeinsam mit Angehörigen und Betreuern.

• Besprechen Sie die Pflegehinweise zur Mundhygiene mit der Betreuungsperson und vereinbaren Sie wenn möglich regelmäßige Prophylaxe-Termine in der Praxis.

Wenn dem Zahnarztteam die Hintergründe der Erkrankung bewusst sind, kann es auch in schwierigen Situationen besser und vor allem vorbereiteter mit den täglichen Herausforderungen umgehen. Denn vor allem eine positive Form der Kommunikation unterstützt das Team im Umgang mit Demenzpatienten und schenkt Patienten und Mitarbeitern mehr Sicherheit.

Ute Winterer
Praxis- und Gesundheitsmanagerin
Kommunikationswissenschaftlerin
praxis@winterer.info

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