Kompositfüllungen im Milchgebiss

Welche Faktoren entscheiden über Verlust oder Erfolg?

Viele Aspekte beeinflussen Erfolg oder Misserfolg von Kompositfüllungen im Milchgebiss. Fallen sie heraus, können – unter anderem – eine unzureichende Trockenlegung, das verwendete Haftsystem, die fehlende Erfahrung des Behandlers, aber auch die mangelnde Compliance des Kindes ursächlich sein.

Abbildungen 1a-c: Approximalkaries der Zähne 84 und 85 (a) bei einem Fünfjährigen mit Kompositrestauration (b,c). © Bücher

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Frühkindliche Karies bei einem 24 Monate alten Kleinkind. © Bücher

Karies ist trotz Rückläufigkeit noch immer die weltweit häufigste chronische Erkrankung des Kindes- und Jugendalters und hat messbar negative Folgen für die Allgemeingesundheit und Lebensqualität der betroffenen Kinder [Böncker et al., 2012].

Die Anzahl von Kindern, die von einer frühkindlichen Karies in Deutschland betroffen sind, wird regional unterschiedlich mit 5,2 bis 20,3 Prozent angegeben. Damit wird die durchschnittliche Prävalenz auf etwa 10 bis 15 Prozent geschätzt [Splieth et al., 2009]. Typischerweise zeichnet sich diese Form der Karies, die bereits im Kleinst- und Kleinalter auftritt, durch eine rasch voranschreitende Zerstörung der Oberkieferinzisiven und -molaren der ersten Dentition aus (siehe Abbildung auf Seite 52). Dies kann bei besonders ausgeprägter Form alle Milchzähne betreffen. Als Ursache ist ein kariogenes Ernährungsverhalten mit hochfrequenter Zufuhr insbesondere zucker- und säurehaltiger Getränke in Kombination mit einer unzureichenden Mundhygiene zu nennen. Häufig ist damit auch die Zufuhr lokal verfügbarer und protektiv wirksamer Fluoride ungenügend [Splieth et al., 2009].

Im Kindergarten- und Vorschulalter entstehen weitere Kariesprädilektionsstellen. Durch die physiologische Annäherung der Milchmolaren steigt das Risiko im reifen Milchgebiss und frühen bleibenden Gebiss an einer Approximalkaries zu erkranken (Abbildung 1a-c]. Anamnestisch ist auch hier der hochfrequente Konsum zucker- und säurehaltiger Getränke sowie süßer Snacks zu identifizieren. Daher gewinnt die Diagnostik im Bereich der Zahnzwischenräume spätestens ab einem Alter von etwa fünf Jahren an Bedeutung [Espelid et al., 2003]. Damit steht die Karies an Milchzähnen auch weiter im klinischen Fokus.

Ziel der Versorgung kariöser Zähne der ersten Dentition ist es, den Milchzahn möglichst bis zu seiner physiologischen Exfoliation zu erhalten. Der Langzeiterfolg der gewählten Therapieform, beziehungsweise des Materials stehen damit an erster Stelle. Meist werden für das Milchgebiss direkte Restaurationen bevorzugt.

Indikationsstellung für Kompositrestaurationen

Die zu erwartende Lebensdauer des Zahnes, die Ausdehnung der Kavität sowie das individuelle Kariesrisiko und Möglichkeit einer adäquaten Trockenlegung sind für die Indikationsstellung von Bedeutung. Im Bereich der plastischen Füllungsmaterialien hat sich über die letzten Jahrzehnte auch in der Kinderzahnheilkunde ein Wandel voll- zogen. Aus umweltmedizinischer und pharmakologischer Sicht soll heute bei Kindern und anderen vulnerablen Patientengruppen auf die Verwendung von zahnärztlichen Amalgamen verzichtet werden [Robert-Koch-Insitut, 2007]. In einigen europäischen Ländern ist ihr Einsatz sogar verboten. Die als Alternative angebotenen Glasionomerzemente sind wegen ihrer ungünstigen mechanischen Eigenschaften nur im Bereich der einflächigen Füllungen mit adhäsiven Restaurationsmaterialien konkurrenzfähig [Hickel et al., 2005]. Für das Milchgebiss ist das klinische Verhalten von Kompositfüllungen weniger gut untersucht als von Füllungen mit Glasionomerzemente und Kompomere [Käkilehto et al., 2013; Qvist et al., 2010]. Dennoch gewinnen Komposite aufgrund ihrer vorteilhaften ästhetischen, biologischen und mechanischen Eigenschaften für die Füllungstherapie im Milchgebiss an Bedeutung (Abbildung 1a-c) [Bürkle et al., 2005].

Bedenken sind immer wieder hinsichtlich der Freisetzung von Bisphenol A, sowie Überempfindlichkeiten nach Applikation von Kompositen geäußert worden. Im Allgemeinen gilt es den Herstellerempfehlungen für eine korrekte Applikation, sowie Polymerisation und Ausarbeitung zu befolgen. In seltenen Fällen muss eine alternative Versorgung in Erwägung gezogen werden [aapd, 2012].

Komposit wird im Milchgebiss neben der Nutzung als Versiegelungsmaterial hauptsächlich im Rahmen der Füllungstherapie von kariösen oder auch hypoplastischen Zähnen verwendet. Dabei gibt es keine Einschränkung auf den Zahntyp. Die Indikationsbreite umfasst alle Black- Klassen.

Einschränkende Empfehlungen werden für Klasse II Kavitäten gegeben. Extendiert die Füllung nach oral oder vestibulär oder liegt gar eine vielflächiger Defekt an einem Milchmolaren vor, so ist die Verwendung von konfektionierter Kronen empfohlen.

Im Frontzahnbereich werden Komposite für die sogenannte Stripkronentechnik verwendet, bei der Komposit mithilfe von Form- gebern als vollständiger Kronenersatz ausgeformt wird. Auch hier stehen Alternativen mit konfektionierten Kronen zur Verfügung [aapd, 2012].

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Seite 2: Füllungsverluste
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