Leitlinie instrumentelle zahnärztliche Funktionsanalyse – Teil 4

Oberflächen-Elektromyographie der Kaumuskulatur

Die ersten drei Abschnitte der Leitlinie zur instrumentellen zahnärztlichen Funktionsanalyse waren den Themen Bewegungsanalyse, Kondylenpositionsanalyse sowie dem Stützstift-Registrat gewidmet. Dieser vierte und abschließende Teil der Leitlinie beschäftigt sich der Elektromyographie der Kaumuskulatur.

Abbildung 1: Aufzeichnung der Ruheaktivität des rechten und des linken M. masseter (rot) und des rechten und des linken M. temporalis ant. (grün). Einheit der EMG-Werte: Mikrovolt. Die aufgezeichneten Ruheaktivitäten liegen in einem physiologischen Bereich. Quelle: Hugger

Abbildung 2: Aufzeichnung der Muskelaktivität des rechten und des linken M. masseter (rot) und des rechten und des linken M. temporalis ant. (grün) bei maximalem Aufbiss in habitueller Okklusion. Einheit der EMG-Werte: Mikrovolt. Bei dreimaligem Aufbeißen in habitueller Okklusion finden deutliche Aktivitätssteigerungen in den untersuchten Muskeln statt, die als physiologisch zu bewerten sind. Innerhalb der Muskelgruppen liegt die Muskelaktivität im Rechts-Links-Vergleich recht balanciert vor. Quelle: Hugger
Abbildung 3: Verhalten der Kiefermuskulatur (Masseter rot, Temporalis ant. grün) im sog. Fatiguetest (bei anhaltendem maximalen Aufbiss); dargestellt werden Veränderungen der mittleren Frequenz (in Hertz) des Power-Spektrums zur Beurteilung des Erschöpfungszustandes der Muskulatur. Die leichte Abnahme der mittleren Frequenz ist bei anhaltendem maximalen Aufbeißen als physiologisch anzusehen. Quelle: Hugger

Die Methode zur Ableitung bioelektrischer Signale der Muskulatur wird als Elektromyographie (EMG) bezeichnet. Die Aufnahme der Signale kann mittels auf der Haut angebrachter Oberflächenelektroden oder unter Verwendung von Nadel- oder Drahtelektroden, die direkt in den Muskel eingestochen werden, durchgeführt werden. Die Ableitung der Signale erfolgt für gewöhnlich in uni- oder bipolarer Form [Schindler/Hugger, 2006]. Das Elektromyogramm gestattet die Beurteilung der Innervation von motorischen Einheiten und Muskelgruppen, da die Stärke der Muskelkontraktion von der Zahl der innervierten Muskelfasern und der Anzahl der Aktionspotenziale pro Zeiteinheit abhängt. Die aufgezeichneten Aktionspotenziale spiegeln die neuromuskuläre Erregung der untersuchten Muskulatur wider und sind ein indirektes Maß für die mechanische Aktivität des Muskels [Hugger et al., 2008]. Die Elektromyographie liefert Informationen anhand metrischer Daten über die Funktion der Aktivität einzelner Muskeln. Sie registriert zeitabhängige intra- oder intermuskuläre Aktivierungsmuster und gibt Hinweis auf die zugrundeliegenden zentralen Kontrollmechanismen [Freiwald et al., 2007].

Das mithilfe bipolarer Oberflächenelektroden gemessene Elektromyogramm ist die am häufigsten angewandte Technik der Elektromyographie, da sie schnell und atraumatisch angewandt werden kann und zuverlässige, weitgehend reproduzierbare Ergebnisse liefert. Bei Ableitungen der Kaumuskulatur für die zahnärztliche Funktionsanalyse ist diese nicht-invasive Technik Mittel der Wahl, da die aus klinischer Sicht wichtigsten Muskeln – M. masseter und M. temporalis – relativ oberflächlich liegen.

Ziele und Verfahrensbewertung

Im Rahmen der zahnärztlichen Tätigkeit ist die Anwendung der Oberflächen-EMG mit bipolaren Hautelektroden im Bereich des M. masseter und des M. temporalis anterior relativ unproblematisch durchführbar.

Auf der Basis einer fundierten klinischen Funktionsdiagnostik und unter Beachtung spezieller methodischer Empfehlungen [Konrad, 2005; Hermens et al., 2000; Hermens et al., 1999] ermöglicht die Oberflächen-Elektromyographie (EMG) die zusätzliche Ermittlung valider und reliabler quantitativer Daten zum Funktionszustand einzelner Kaumuskeln im Sinne einer „neuromuskulären Funktionsanalyse“ [Hugger et al., 2008]. Aussagekräftige EMG-Daten können im Zusammenhang mit den Parametern Ruheaktivität, maximale Muskelaktivierung, Frequenzspektrum bei anhaltender Belastung und Symmetrie des Kontraktionsverhaltens beider Kieferseiten gewonnen werden (Abbildungen 1 bis 3) [Hugger et al., 2013a, 2012].


Leitlinie zur instrumentellen zahnärztlichen Funktionsanalyse

Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) hat in vier Kapiteln eine S2k-Leitlinie zur instrumentellen zahnärztlichen Funktionsanalyse erstellt. Die wichtigsten Informationen finden Sie hier zusammengefasst, beginnend mit dem ersten Kapitel zu den kinematischen Aspekten des Unter-kiefers: der instrumentellen Bewegungsanalyse.

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Im Bereich der Techniken der instrumentellen Funktionsanalyse sind die wissenschaftlichen Stellungnahmen erstmals durch eine S2k-Leitlinie abgelöst worden. Eine Kurzfassung dieser Leitlinie veröffentlicht die zm in vier Teilen. Dieser zweite Teil ist dem Abschnitt der Kondylenpositionsanalyse gewidmet und beschreibt den Inhalt des Verfahrens, seine Ziele und den Nutzen für die zahnärztliche Praxis.

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In den ersten beiden Abschnitten der Leitlinie zur instrumentellen zahnärztlichen Funktionsanalyse wurden die kondyläre Bewegungsaufzeichnung, die Bewegungsanalyse sowie die Kondylenpositionsanalyse thematisiert. Dieser dritte Teil der Leitlinie ist der Kieferrelationsbestimmung mittels Stützstift-Registrat gewidmet.

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