Risikofaktor Gelenküberbeweglichkeit

Kiefergelenkprobleme durch Hypermobilität?

Beispiel für ein hypermobiles Hand- und Daumengelenk gemäß den Beighton-Kriterien (hier: generalisierte konstitutionelle Hypermobilität) © O. Schierz
Bücken mit gestreckten Beinen, so dass die Hände flach auf dem Boden liegen (hier: Leistungshypermobilität) © O. Schierz
Foto: O. Schierz Magnetresonanztomogramm bei habitueller Luxation des Condylus articulare; * Tuberculum articulare # anterior dislozierter Condylus articulare --- Position des Condylus articulare in habitueller Okklusionsposition © Universitätsklinikum Leipzig AöR - I.Riemer

Prävalenz

Studien zeigen, dass etwa 5 bis 17 Prozent der Allgemeinbevölkerung ein oder mehrere überbewegliche Gelenke im Sinne einer angeborenen benignen Hypermobilität aufweisen, wobei Frauen dreimal so häufig betroffen sind [Jessee et al., 1980; Seow et al., 1999]. Glücklicherweise haben die meisten Personen keine Probleme mit ihren überbeweglichen Gelenken. Auch nimmt bekanntermaßen die Gelenkbeweglichkeit mit dem Alter ab. Einige Betroffene leiden jedoch unter ungewollten Dislokationen der Gelenkanteile, unter häufigen schmerzhaften Verstauchungen beziehungsweise einem Gelenkhypermobilitätssyndrom.

Wie häufig Luxationen der Kiefergelenke in der Allgemeinbevölkerung vorkommen ist leider unbekannt. Prinzipiell ist dies aber selten und tritt vorwiegend nach traumatischen Ereignissen (lang anhaltende weite Mundöffnung) auf. Eine anteriore Diskusverlagerung mit Reposition, mit dem Kardinalsymptom des Knackens im betroffenen Kiefergelenk, ist bei elf Prozent der Erwachsenen der deutschen Allgemeinbevölkerung zu finden [Hirsch et al., 2008].

Eine Studie bei Kindern und Jugendlichen zeigte klinisch eine Prävalenz der Diskusverlagerung mit Reposition in einem oder beiden Kiefergelenken von 27 Prozent [Huddleston Slater et al., 2007]. Hierbei ist zu beachten, dass Diskusverlagerungen klinisch stumm sein können, das heißt bei der körperlichen Untersuchung keine Knackgeräusche verifizierbar sind. Hierdurch wird bei einer rein auf klinischen Daten basierenden Diagnosebildung die tatsächliche Anzahl von Diskusverlagerungen um circa ein Viertel unterschätzt [Manfredini et al., 2008].

Diagnostik

Die Beighton-Skala ist ein etabliertes Messinstrument um den Grad der Hypermobilität eines Individuums auch unter den Bedingungen einer Zahnarztpraxis zu erfassen [Hirsch et al., 2007]. Sie nutzt dabei die Beweglichkeit bei neun klinischen Manövern (Tabelle 1, Abbildungen 2 und 3). Bei vier oder mehr erreichten Punkten gilt die betroffene Person als erheblich überbeweglich.

Die Erfassung der Luxation der Kiefergelenke erfolgt in der Regel klinisch durch Palpation. Hier ist in der terminalen Phase der Mundöffnung eine ruckhafte Bewegung nach Überschreiten des Scheitelpunkts des Tuberculum articulare spürbar. Ergänzend kann diese Bewegung mittels einer Gelenkbahnaufzeichnung grafisch dargestellt beziehungsweise die Position des Kondylus in Relation zum Tuberculum articulare bei maximaler Mundöffnung bildgebend verifiziert werden (Abbildung 4).

Die klinische Diagnose einer Diskusverlagerung sollte entsprechend den Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders erfolgen. Hierfür muss einerseits der Patient das Auftreten von Geräuschen im Bereich der Kiefergelenke selbst wahrnehmen und andererseits entweder bei „Mundöffnung und Mundschluss“ oder bei „Mundöffnung oder Mundschluss und bei Seitwärts- oder Protrusionsbewegung“ palpatorisch ein Knacken in dem jeweiligen Kiefergelenk (sogenanntes reproduzierbares reziprokes Knacken) spürbar sein. In unklaren Fällen kann der diagnostische Goldstandard, das Magnetresonanztomogramm, zur Diagnosesicherung hinzugezogen werden.

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