Der besondere Fall

Meth Mouth

Weltweit sind geschätzt circa 35 Millionen Menschen abhängig von Crystal Meth.

Innerhalb kürzester Zeit macht die Droge abhängig und zerstört den Körper, unter

anderem auch die Zähne. Hier die orale Situation einer jungen Patientin von 26 Jahren.

Innerhalb kürzester Zeit zerstört Crystal Meth die Zähne. Alle Fotos: Pabst et al.

Eine 26-jährige Frau wurde nach einem Fahrradunfall in Begleitung der Polizei in unsere interdisziplinäre Notfallaufnahme mit multiplen und ausgeprägten extra- und intraoralen Weichteilverletzungen sowie einer Alveolarfortsatzfraktur des Ober- und des Unterkiefers eingeliefert. 

Die Patientin war stark desorientiert und agitiert. Die Fremdanamnese war bis auf einen langjährigen Crystal-Meth-Abusus, der polizeilich bestätigt wurde, unauffällig. In der CT-Kopf/Hals-Untersuchung konnten intrazerebrale Verletzungen ausgeschlossen, der zusätzliche klinische Verdacht einer Nasenbeinfraktur konnte bestätigt werden. Die weitere klinische Inspektion ergab intraoral den Befund eines kariös tief zerstörten Restzahngebisses mit multiplen, teils gelockerten, nicht erhaltungswürdigen Zähnen. 

Zunächst erfolgte nach gründlicher Reinigung der Wunden und einer Tetanusauffrischung in Lokalanästhesie die mehrschichtige plastische Rekonstruktion der extra- und der intraoralen Weichteilverletzungen mit gleichzeitigem Beginn einer intravenösen (i.v.) Antibiotikagabe (UnacidR). Im Anschluss wurde die Patientin zur weiteren Überwachung auf die Intensivstation verlegt. 

24 Stunden später konnte sie bei deutlich verbessertem Allgemeinzustand auf unsere periphere Station rückverlegt werden. Dort verließ sie die Klinik ohne weitere therapeutische Maßnahmen – gegen ausdrücklichen ärztlichen Rat. Die weiteren engmaschigen Nachsorgetermine wurden von ihr zunächst nicht wahrgenommen. 

Abbildung 1: Klinische Situation einige Tage nach dem Unfall und erfolgter Erstversorgung: Sowohl an der Ober- und an der Unterlippe als auch im Ober- und im Unterkiefervestibu- lum zeigen sich Wund- heilungsstörungen (weiße Pfeile). Zudem ein kariös tief zerstörtes Restgebiss mit zahl- reichen kariösen Läsionen (weißer Kreis) sowie eine Vielzahl nicht erhaltungswürdiger, gelockerter Zähne. 

Einige Tage später stellte sich die Patientin erneut in unserer Ambulanz mit einer ausgeprägten Wundheilungsstörung, einer beginnenden Superinfektion sowie einer beginnenden Weichgewebenekrose vor. 

Nach erneuter stationärer Aufnahme und Wiederaufnahme der i.v. Antibiotikatherapie (UnacidR) erfolgten in Vollnarkose eine Wundrevision und die Reposition der Nasenbeinfraktur. Zusätzlich erfolgte – mit Ausnahme der dentes canini – die operative Entfernung der tief zerstörten und nicht erhaltungswürdigen Restbezahnung des Ober- und des Unterkiefers in Kombination mit einer modellierenden Osteotomie sowie einem plastischen, speicheldichten Wundverschluss. 

Basierend auf unseren bisherigen Erfahrungen bei Patienten mit Crystal-Meth-Abusus orientierten wir uns bezüglich des postoperativen Prozederes am Management von MR-ONJ-Risikopatienten: also Fortführung der i.v. Antibiose (UnacidR), weiche Kost und Prothesenkarenz. Die histopathologische Aufarbeitung der entnommenen Knochenproben zeigte Anteile von nekrotischem Knochen, obwohl weder in der klinischen Inspektion noch in der Bildgebung (OPG und CT) Anzeichen für eine Knochennekrose zu finden waren. 

Am siebten postoperativen Tag konnte die Patientin unter Fortführung der oralen Antibiose in die Nachsorge entlassen werden. Am 21. postoperativen Tag erfolgte bei stabilen Wundverhältnissen die intraorale Nahtentfernung. Im weiteren Verlauf steht nun die kaufunktionelle und prothetische Rehabilitation der Patientin an.  

Abbildung 2:(LINK) regio 11 bis 18 und 41 bis 48, (RECHTS) regio 21 bis 28 und 31 bis 38: Es zeigt sich das charakteristische klinische Bild eines „Meth Mouth“ mit Zahnhals- und Glattflächen- karies (weise Kreise) und tief zer- störten, nicht erhaltungswürdigen Zähnen (weiße Pfeile). | Alle Fotos: Pabst et al

Abbildung 3: (Links) Blick auf den Oberkiefer 18 bis 28, (Rechts) Blick auf den Unterkiefer 38 bis 48: Charakteristisches Bild eines „Meth Mouth“ mit zahl- reichen, kariös tief zerstörten, nicht erhaltungswürdigen Zähnen | Alle Fotos: Pabst et al

Abbildung 4: Intraorale Situation am 21. postoperativen Tag mit stabilen Wundverhältnissen im Ober- (A) und im Unterkiefer (B) ohne Anzeichen für frei liegenden, exponierten Kieferknochen| Alle Fotos: Pabst et al

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