jameda in der Kritik

Wer zahlt, gewinnt

jameda beteuert stets, dass es keinen Unterschied in der Bewertung und Platzierung macht, ob der Arzt Kunde ist oder nicht. Eine Datenanalyse der ZEIT anhand von 3.770 benoteten Einträgen belegt jetzt das Gegenteil.

Beim Arztbewertungsportal jameda - nach eigenem Bekunden "Deutschlands größte Arztempfehlung" - schneiden jene Mediziner besser ab, die für ihr Profil bezahlen. Zu dem Ergebnis kommt eine Stichprobe der ZEIT mit rund 6.500 Ärzten, 3.770 davon benotet. [M] zm-mg/mizar_Jan Engel_stokkete_Beznazwy-Fotolia

Laut einer aktuellen Analyse der ZEIT führen insbesondere die Systemarchitektur und das Geschäftsmodell vieler Arztbewertungsportale dazu, dass die Bewertungen für den Patienten irreführend sind. Vor allem, weil sie in den Ergebnissen zahlende und nicht zahlende Mediziner miteinander vermischen. Das tut auch jameda.

Kunden schneiden besser ab

"Bei jameda schneiden diejenigen Ärzte und Zahnärzte besser ab, die für ihr Profil bezahlen", lautet das Fazit der ZEIT-Autoren. Rund 6.500 Profile von Medizinern - 3.770 davon wurden von Patienten benotet - hat die ZEIT für ihre Stichprobe analysiert. Insgesamt werteten die Autoren die Noten, die Zahl der Bewertungen und die Profilaufrufe aus und untersuchten dann, ob jameda selbst die Bewertungen als unverdächtig für Manipulationen eingestuft hatte sowie ob die bewerteten Ärzte für ein Premium-Paket bezahlt hatten. Premium-Kunden zahlen bei jameda je nach Leistung monatlich zwischen 59 und 139 Euro, inklusive Profilfoto.

Den Anstoß hatte nach Angaben der ZEIT ein Arzt gegeben, der argwöhnte, dass die Profile zahlender Ärzte besser bewertet und gerankt werden. Auch die zm hatte viele Leserbriefe von Zahnärzten erhalten, die sich über die Praktiken von jameda beschweren, und dies zum Thema gemacht.

Das spezifische Problem einer kombinierten Werbe- und Bewertungsplattform wie jameda ist nicht die üble Nachrede, die wegen der Anonymität zu einem Problem werden kann, (...) sondern der unlautere Wettbewerb.

Zufällig liest Patient Wolfgang Heinze davon, dass Ärzte bei jameda Kunde werden und so bessere Bewertungen erzielen können - und fühlt sich an zweifelhafte Praktiken im Schauspielgewerbe erinnert.

Zahlende Ärzte bekommen durchschnittlich 46, nicht zahlende 14 Bewertungen

Die Durchschnittsnote der jameda-Kunden betrug laut Stichprobe 1,2, die der Nicht-Kunden nur 1,7. Da Patienten den Recherchen der ZEIT zufolge überwiegend Einsen vergeben, landet ein Arzt mit einer 1,7 damit lediglich im hinteren Mittelfeld. Jeder vierte nicht zahlende Mediziner kassiert laut Stichprobe eine Durchschnittsnote zwischen Zwei und Vier, während ein jameda-Kunde selten unter Zwei bewertet wird. Zahlende Ärzte bekommen laut ZEIT-Untersuchung durchschnittlich 46, nicht zahlende 14 Bewertungen.


Der problematischste Unterschied ist die ungleiche Verteilung der Einzelnoten

Zur Stichprobe: Die ZEIT suchte in den zehn größten deutschen Städten innerhalb eines bestimmten Radius nach Medizinern aus acht Fachrichtungen und stellte die öffentlich zugänglichen Angaben aus ihren jameda-Profilen zusammen: So entstand eine Stichprobe mit rund 6.500 Ärzten, 3.770 davon benotet.

Pro Stadt und Kategorie wurden etwa 90 Profile gespeichert. Von den Allgemeinmedizinern war insgesamt weniger als jeder jeder Zehnte Premiumkunde, von den Schönheitschirurgen fast die Hälfte. Der auffälligste und problematischste Unterschied zwischen zahlenden und nicht zahlenden Ärzten ist laut ZEIT: die ungleiche Verteilung der Einzelnoten, aus denen sich die Gesamtnote ergibt.


Dabei hebt das angezeigte Profilfoto die jameda-Kunden bereits in den Suchergebnissen deutlich hervor - noch dazu wird mit diesem Porträt ihr Eintrag auf den Profilseiten nicht zahlender Mediziner beworben. Premium-Kunden verzeichnen laut ZEIT durchschnittlich 2,5 Mal mehr Profilaufrufe. Nicht-Kunden sind dagegen als graue Silhouette dargestellt, versehen mit der Information: "Dieser Arzt hat leider noch kein Porträt hinterlegt." "Patienten könnten es so deuten, dass ein Arzt desinteressiert ist, vielleicht sogar etwas nachlässig oder dass er gar kein Internet hat - und man ihn auch nicht bewerten muss", schlussfolgert der Autor in seinem Bericht.

"Dem Patienten signalisiert das dann: schlechter Arzt."

Erhält man viele Bewertungen, pendelt der Schnitt "sich also sehr wahrscheinlich irgendwo im Einser-Bereich ein", schreibt der Autor weiter. Bekommt man nur wenige, kann eine einzige schlechte Bewertung die Note nach unten ziehen: "Dem Patienten signalisiert das dann: schlechter Arzt."

„Nettes, kompetentes Team“, „keine Parkmöglichkeiten, dafür lange Wartezeiten“: Irgendwie kribbelt‘s einen ja in den Fingern. Aber soll man als Zahnarzt auf Bewertungen reagieren? Und wenn ja: wie?

Der wichtigste Grund dafür, dass nicht zahlende Mediziner im Durchschnitt schlechter bewertet werden, sind laut ZEIT allerdings Bewertungen ab der Einzelnote Fünf. Bei diesen auffällig rot markierten Bewertungen fällt auf, dass jameda-Kunden "sonderbarerweise" so gut wie keine schlechten Noten haben - 95 Prozent sind Einsen. Die Autoren mutmaßen, dass - nach jamedas eigenem Prüfsystem zu urteilen - zahlende Premium-Ärzte statistisch offenbar häufiger versuchen, ihre Bewertungen zu manipulieren: "Das könnte ein Grund sein für die vielen guten Noten."

Die fehlenden schlechten Bewertungen bei Premium-Kunden erklären sie unter anderem damit, dass zahlende Mediziner negative Bewertungen womöglich häufiger melden. Nicht-Kunden bemerken sie dagegen eventuell nicht einmal.

Hier gelangen Sie zu dem ZEIT-Artikel "Zu welchem Arzt würden Sie gehen?".

Mit einer Durchschnittsnote von 1,33 bekommen Zahnärzte die besten Patientenbewertungen auf Deutschlands größtem Bewertungsportal. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.

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