Gussklammerverankerter Zahnersatz

Das Stiefkind der deutschen Prothetik

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angepresste Retentionsarme und Sattelanteile aus Polyamid-12 (Valplast), Böning

 

Patientenfall 2

Das Orthopantomogramm (Abbildung 7) zeigt die Gebisssituation eines 89-jährigen Patienten mit kardiovaskulärer Anamnese (Herzinfarkt, Stent-Implantate) und deutlich reduziertem, fast hinfälligem Allgemeinzustand. Der Patient erhält 14(!) verschiedene Medikationen. Der überweisenden Kollegin erschien die Behandlung in der Praxis zu riskant. Nach Abschluss der Extraktionstherapie stellte sich der Patient zur prothetischen Beratung und Weiterversorgung an unserer Poliklinik vor. Im Oberkiefer wurde ein totaler Zahnersatz geplant. Im Unterkiefer verblieb ein karies- und füllungsfreies Restgebiss von 33 nach 42 (Abbildung 8). Aus gesundheitlichen Gründen schied eine Präparation der karies- und füllungsfreien Zähne für die Aufnahme von Doppelkronen oder metallkeramischen Kronen mit oralen Fräsungen aus.

 

Abbildung 7: OPG des 89-jährigen Patienten bei Erstvorstellung | Böning                   

Abbildung 8: anteriores Restgebiss des Patienten nach Extraktionstherapie | Böning

 

 

Front- und Eckzähne sind aufgrund ihrer Anatomie grundsätzlich schlecht für die Aufnahme von Gussklammern geeignet. Die Lösung in diesem zweiten Fall bestand in der Anwendung zweier geteilter Klammern (Roach-Klammer), ausgeführt als Druckanker (Abbildungen 9 und 10). Lingual wurden die Zähne 33 und 42 mit den oralen Klammerarmen großflächig von disto- nach mesioapproximal gefasst. Gegebenenfalls müssen, nach Augenmaß senkrecht zur Einschubrichtung, die Tuberculi und der distoapproximale Kontaktpunkt im Schmelz mit einem Diamantfinierer leicht abgeflacht werden. Die Präparation für die orale Klammerauflage in Höhe der Tuberculi muss konsequent als Stufe von 1 mm Tiefe parallel zur Okklusionsebene eingeschliffen werden. Die Auflage selbst ist in den oralen Klammerarm integriert. Die vestibulären Retentionsarme liegen dem Zahn nicht passiv an, sondern stehen unter Vorspannung und drücken den Ankerzahn bei eingegliedertem Zahnersatz aktiv gegen das starre Widerlager der oralen Umfassung. Dies sichert in Verbindung mit der weiten, fast geschiebeartigen oralen Fassung und der integrierten Klammerauflage eine akzeptable Kippmeiderfunktion.

 

Abbildungen 9 und 10: geteilte Klammer (Roach-Klammer) mit vestibulärem Druckanker und stabiler oraler Umfassung | Böning

Abbildungen 9 und 10: geteilte Klammer (Roach-Klammer) mit vestibulärem Druckanker und stabiler oraler Umfassung | Böning

 

 

Die großflächigen Umfassungen der oralen Ankerzahnflächen erhöhen das Kariesrisiko, dem kann mit adäquater Mundhygiene und Fluoridierung begegnet werden. Zur Optimierung der parodontalen Hygienefähigkeit wurden die Regeln der „Grenzraumgestaltung nach Marxkors“ (brückenzwischengliedartige Gestaltung des ersten Prothesenzahnes mit metallischer Basis, Durchspülbarkeit, Insertion des sublingualen Bügels in den Sattel eine Prämolarenbreite hinter dem endständigen Zahn [Marxkors, 2007]) konsequent umgesetzt (Abbildungen 11 und 12).

 

Abbildung 11: Orale Ansicht des ZE in situ. Beachte die konsequente Grenzraumgestaltung nach Marxkors-Umfassung | Böning

Abbildung 12: Vestibuläre Ansicht des ZE in situ: Der Bandansatz in Höhe des Zahnes 43 ließ den gingival inserierenden Klammerarm soeben noch zu.| Böning

Kritische Betrachtung:

Alternative prothetische Therapieoptionen für diesen Fall wären sicherlich kombiniert festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz in der Ausführung als Kronen und Modellguss oder eine Doppelkronenverankerung. Diese schieden aufgrund der geringen körperlichen Belastungskapazität aus, sowohl im Hinblick auf die Anzahl der notwendigen Zahnarztbesuche als auch auf die physischen Belastungen während der prothetischen Behandlung. Gerade bei notwendigen Verankerungen im Front- und Eckzahnbereich sollten die Grundregeln der Prothesendynamik konsequent beachtet werden: eine funktionelle Extension des freiendenden Sattels, Beschränkung der Zahnreihe auf die ersten zwei Drittel der Sattellänge, um die Hebelkräfte gering zu halten. So wurde in diesem Fall auf eine Aufstellung der zweiten Molaren verzichtet.

 

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